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Meine Studien haben mich jetzt zu Augustinus geführt und mir wird nun langsam klar warum er so berühmt ist. Um eins Vorweg zu nehmen – jede pseudomystische Denkrichtung, jedes Heidentum, jedes Hirngespinste den ein Mensch sich ausdenken kann ist von Augustinus schon vor Jahrhunderten bedacht, kommentiert und widerlegt worden. Unsere moderne Welt kreist ja um primitive vorchristliche Mythen und Erklärungsversuche herum.

St. Augustinus

Der Heilige Augustinus

Dieser Kerl hatte Eier! Nachdem er herumgehurt und gesoffen und gefeiert hat wie sehr viele die später dass Christentum verteidigten, wurde er von Gott bekehrt wie er selbst sagte – und zwar nach der Art eines Mannes und keine langweilige Diskussion in einem Bürozimmerchen. „Nimm und Lies“ hiess es. Noch habe ich nicht den Überblick aber sein Werk ist ja ziemlich gewaltig. Er geht auf Platon,  Aristoteles, Cicero, das alte heidnische Denken, christliche Häresien, die Schöpfungsgeschichte und viel mehr ein.  Ich habe zum Beispiel ein Buch mit Kommentaren zu seinen Gedanken gelesen und allein das hat mir schon  Gedankenwege eröffnet die mich mehrmals erschütterten. Augustinus bombardiert einen wie eine ganze Armada mit  Gedanken, Ideen, erweiterten Sichtweisen. Er ist die Atombombe des Christentums, danach blieb ja gar kein  Philosophiegebäude des alten Heidentums stehen.

Großartig ist der Satz dass „Augustinus sich mit der Philosophie der alten Griechen beschäftigte um sie dann auf ihrem Feld mit ihren Argumenten zu schlagen“. Mit voller Wucht in die feindlichen Truppen reinstürmen und als Einzelkämpfer mit bloßen Fäusten ein ganzes Bataillon besiegen. Grandioser geht es gar nicht mehr.

Warum wir keine Heiden mehr sind? Wegen ihm. Er hat die Basis zur tiefgehenden Christianisierung gelegt, ein Kämpfer der Extraklasse der an manchen Werken über 14 Jahre schrieb.

Es geht nicht um Götter, es geht nicht um Kulthandlungen, Machtlegitimierungen oder Recht haben und behalten. Augustinus hat die gesamte Philosophie im Alleingang hochgewuchtet und auf eine neue Ebene gebracht – die Ebene der christlichen Hochzivilisation.

Vorerst einige kurze Beispiele, ich werde natürlich noch weitere Beiträge dazu schreiben

Erstens schrieb Augustinus über das Problem der Willensfreiheit und dem allmächtigen Gott. Soweit ich es verstanden habe, es ist ja doch sehr komplex, präzisierte und selektiert er zwei Elemente dessen, was man unter Willensfreiheit versteht.

  • Erstens die Willensfreiheit selbst, also die Freiheit zu denken was und wie man möchte.
  • Zweitens die Macht seinen Willen auch umzusetzen.

Gott limitiert die Macht des Menschen seinen eigenen Willen umzusetzen, die Willensfreiheit selbst bleibt völlig unangetastet. Wollen kann man so viel wie man will, der Geist ist völlig frei. Doch das Fleisch ist nicht frei. Warum es laut Augustinus so ist beschreibe ich im Artikel „Der Geist ist willig…“.

Wie gewaltig diese Aussage ist, merkt man wenn man daran denkt dass noch Nietzsche gegen seine Gedankengänge (wohl unbewusst) ankämpfte. Nietzsche sprach vom Willen zur Macht – etwas was die Nationalsozialisten dann umsetzten – während Augustinus von der Begrenztheit eben dieser Macht sprach.

Zweitens erweiterte er aufgrund des Verständnisses der oben erwähnten Willensfreiheit dass Denken über rationales auf irrationales Handeln hinaus. Soweit ich es verstanden habe, war in der alten Philosophie der Gedanke vorherrschend dass böses Handeln auf Unwissenheit oder „einem Bösen Willen“ basiert. Doch Augustinus widersprach. Durch den Sündenfall ist der Mensch nicht völlig frei und nicht völlig vernünftig – also seine Handlungsweisen nicht zwingend rational, Gut oder im Guten fußend ODER einfach Böse.

Obwohl ich es noch nicht ganz erfasst habe- und gerne korrigiert werden möchte(!), ist mir zum zweiten Beispiel ein sehr eindrücklicher Gedanke gekommen. Dazu der Beitrag  „Gutmenschen und altes Heidentum“.

Mir ist absolut unverständlich warum sein Denken und Schreiben nicht groß herausposaunt wird. Wo sind denn die Theologen die diesen Seelenerschütternden Denker bezeugen? Ist diesen Theologentrotteln eigentlich klar dass sie so ziemlich die gesamte Medienwelt mit wenigen Sätzen zerschlagen und delegitimieren können? Ist den Stubenhockern vor dem Herrn klar dass viele Menschen an Film und Fernsehen glauben weil sie sich nach neuen, weiteren Einblicken in das Wesen der Existenz sehnen? Stattdessen kommen nur langweilige „Weichzeichner-dokus“ vom Leben Augustinus der lieb lächelt – wie vom „habe-alle-lieb-christus“ ebenso. Herrgott der Typ ging ab wie eine Kanone dagegen, ist Rambo und Terminator gar nichts dagegen! Die Geschichte von Augustinus kann man in einem größeren Opus als „Krieg der Sterne“ umsetzen.. (Wobei ich diesen Film von Augustinus noch nicht gesehen habe.)

Auch mir ist die Frage nach der Willensfreiheit und die Theodizee (Warum gibt es Leid) nicht erschöpfend geklärt, doch vor allem beim ersteren scheint mir das Problem nicht in der logischen Herleitung zu liegen, sondern im falschen Verständnis von Gott, Materie, sowie Raum und Zeit.

Vielleicht ist die Quantenphysik ein Hinweis in welche Richtung unser Denken sich entwickeln sollte damit wir besser verstehen – ich bin da neugierig.

Templarii

10 Kommentare zu “Augustinus Superstar

  1. Pingback: Der Geist ist willig… | Neue Reconquista

  2. Auf der Seite http://www.burzum.org gibt es eine Auswahl von Texten des Black Metal Musikers Varg Vikernes. Eine Artikelserie (17 Teile) heißt „Paganism“ und beschäftigt sich mit der alten europäischen Religion. Nachdem ich, wie in „Weißer Zorn II“ beschrieben, allmählich einen Draht zu meiner verloren geglaubten Spiritualität wiedergefunden hatte, beschäftigte ich mich erneut mit dem Christentum, dem ich vor über zehn Jahren den Rücken gekehrt habe. Wie auch in „ist Black Metal satanisch?“ beschrieben ist mir aufgefallen, dass ein Teil des Hasses auf das Christentum propagandainduziert ist. Trotzdem fand ich keinen neuen Zugang zu dieser Religion, was nicht zuletzt an der Hochnäsigkeit christlicher Bloggerkollegen lag. Also begann ich mich dem Heidentum, dessen griechisch- römische Seite mir gut bekannt ist, auseinanderzusetzen. Eine skandinavische Sicht auf die alte europäische Religion (denn sie war entgegen der landläufigen Meinung überall dort, wo es weiße Europäer gab, sehr ähnlich bis identisch) liefert Vikernes in der vorliegenden Artikelserie. Mit seiner freundlichen Erlaubnis lege ich hier die deutsche Übersetzung vor. Da ich auch noch andere Sachen zu tun habe, bitte ich um Geduld, wenn ein Teil mal ein paar Tage auf sich warten lässt. Wenn es noch Interessenten gibt, die einen der verbleibenden Teile übersetzen wollen, bitte melden! Ich weise darauf hin, dass Vikernes ein verurteilter Mörder ist (die Geschichte hier nachlesen, hier eine englische Version aus Vargs Sicht). Er kann also recht unverblümt schreiben und tut das auch. Dass ich nicht mit allem, was ein Autor, den ich übersetze, sagt, übereinstimme, versteht sich eigentlich von selbst. Ich halte Vargs „Einführung“ in das Heidentum aber für einen Text, der im Rahmen der spirituellen Suche und der „Metapolitik“ beachtenswert ist.

  3. Varg Vikernes ist vor allem kein Wissenschaftler, sonder ein ideologisierender Stümper. Das ist allerdings der Redaktor dieses Blogs auch.

    Nicht Augustinus, sondern Origines war der große Synthetiker zwischen Platonismus und Christentum.

    Augustinus, dessen Kenntnisse des Griechischen nach seinem eigenen Eingeständnis zu gering waren, um die trinitarischen Schriften der östlichen Kirchenväter zu verstehen, ist verantwortlich für jene Mixtur aus Modalismus und Irrationalismus, der die katholische Trinitätslehre bis auf den heutigen Tag kennzeichnet. Wer nämlich die Begriffe Vater und Sohn nicht wie Origines ontologisch und authentisch neuplatonisch im Sinne von Hyper- und Hypostase erkkärt ( entsprechend im ostkirchlichen Glaubensbekenntnis bzgl. des Hl. Geistes: vom Vater ausgehend, d.h. absteigend durch den Sohn zum Geist und eben nicht wie im katholischen Symbolum „qui ex patre filioque“ ), sondern wie Augustinus logisch definieren will, verstößt gerade gegen das erste und allgemeinste Prinzip der aristotelischen Logik, den Satz vom Widerspruch (principium contradictionis), der besagt, es sei unmöglich, dass einem dasselbe in derselben Hinsicht zugleich zukomme und nicht zukomme. Zum logischen Begriff des Vaters gehört nämlich, dass er früher ist als der Sohn, und gerade das wird vom katholisch-modalistischen Dogma verneint. (Zur Erläuterung: Modalisten und Sabellianer lehrten, die drei Personen seien nur drei Offenbarungsweisen Gottes in der Welt.)

    Augustinus war außerdem der Vater der Inquisition. Bereits anno 408 vertrat er in einem Brief an den donatistischen Bischof Vincentius das Recht der Zwangsbekehrung: Wie Sarah die Hagar verfolgte, so dürfe die Kirche die Ketzer verfolgen. Und hätte nicht auch Paulus schon einige dem Satan übergeben? „Wen ihr findet, nötigt ihn hereinzukommen“, verdeutlichte der große Katholik dem Donatistenbischof das Evangelium. Er übertrug die betr. Stelle sogar noch effektvoller mit „cogite intrare“ (zwingt sie einzutreten). An anderer Stelle bringt er es sogar fertig, die Züchtigung der Ketzer als Almosen und Werk der Barmherzigkeit darzustellen: Wer härter strafe, zeige größere Liebe (Aug. ench 16,72f, ep. 89,2)

    Orthodoxe Kritiker sehen in Augustinus den Vater aller Fehlentwicklungen der Westkirchen, von denen sie sich abgrenzen.
    Auch der protestantische Theologe Walter Nigg schreibt: „All die bluttriefenden Henker, welche im Mittelalter auf’s grausamste gegen die Ketzer gewütet haben, konnten sich auf Augustinus berufen und sie haben es auch getan.“

    Während sich der edle Origines, um einer Forderung des Evangeliums im wörtlichen Sinn zu entsprechen, selbst entmannte und dafür von seinem Bischof auch noch diskriminiert wurde, entwickelte Augustinus vor dem Hintergrund zunehmender Impotenz infolge von Fettleibigkeit die rabulistische katholische Sexuallehre.

    Fazit: Aurelius Augustinus war zum einen nur ein mäßiges „Kirchenlicht“ und zum andern auch noch ein durch und durch fieser Charakter.

    • Hui, was für ein Text um einen sich selbst kastrierenden Mann zu verteidigen. 😀 Also ein Kerl der sich den Schwanz selbst abschneidet ist nicht ganz dicht – dass finden Sie aber cool oder wie? Gegen die Inquisition habe ich nix, die hat mehr Menschenleben gerettet als Sie sich vorstellen können. Allein ihr Kampf gegen die Hexenverbrennung hat Portugal und Spanien gut geschützt. Die Calvinisten in Genf haben innerhalb von kürzerer Zeit mehr Menschen umgebracht die ihnen nicht passten als die Inquisition in 1000 Jahren. (Zum Lachen ist es wenn man lesen kann dass Verbrecher absichtlich Blasphemische Äusserungen abliessen damit sie vor die Inquisition landen…)

      Orthodoxe sowie Protestanten sollten ganz genau aufpassen was und wie sie kritisieren. Beide Konfessionen haben lange genug mit kriminellen Regierungen kollaboriert und sie stabilisiert. Dass Wahlverhalten von 1933 spricht für sich.

      Es ist immer wieder verblüffend wie viel Hass der katholischen Kirche auch innerhalb der Konfessionen entgegenschlägt. Wie ich es schon einmal erwähnt habe, Protestanten hassen die Katholische Kirche mehr als dass Sie den Islam und die Nationalsozialisten ablehnen.

      Ein Selbstkritik wäre für Protestanten und Orthodoxe wirklich sehr wichtig. Einfach mal erstmal die eigenen Verbrechen büssen und beichten..

  4. Ordnen Sie mich bitte nicht falsch ein! Die Leute, welche die Evangelien verfaßt haben, waren nicht ganz dicht. Der arme Origines wurde ihr Opfer. Augustinus hingegen gehörte zu den hartgesottenen und skrupellosen à la Konstantin.

    Auf Ihre skurrilen Thesen zur Inquisition gehe ich schon gar nicht ein. Auch sonst erübrigt sich jede weitere Diskussion. Sie sind mir schlicht zu dumm-frech. Ich hatte es auch auf der Universität schon mal mit Klerikalfaschisten des alten Schlages zu tun. Die wahrten aber wenigstens den Anstand. Ist das nur die Anonymität des Internets oder sind sie auch unter Klarnamen so impertinent? Die FAZ akzeptiert übrigens nur noch Kommentare unter realem Namen. Völlig zu Recht!

    Beschimpfen Sie mich jetzt meinetwegen im Gegenzug als Drei-Punkte-Bruder, Neoatheist oder gleich als linke Sau. Ich werde es wohl ohnehin nicht mehr lesen. Ihr Blog ist schmuddelig und unseriös.

    • Was schreiben Sie hier rein? Was interessiert Sie was ich schreibe und worum ich schreibe?

      Wenn es sie nicht interessiert dann interessiert sie nicht. Was schreiben Sie denn herum?

      Sie können gehen wann sie wollen.

      Es ist irrelevant was Sie schreiben.

  5. Nachtrag: In`s Netz kann leider jeder Kasper jeden Unfug einstellen. So flapsige Texte wie die Ihrigen wären früher niemals zum Druck gekommen. Das ist der große Nachteil der Digitalisierung. Die Suchmaschinen zeigen wirklich jeden Mist ohne Qualitätszertifikat an. Anders wäre ich nämlich auch niemals je auf Ihrer Seite gelandet. Einen vornehmen Titel haben Sie ihr verpasst. Und wenn man dann aufschlägt, der Duktus eines Prolls. Kann einem wirklich nur im Netz passieren.

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