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Wenn man die Geschichte mit einem christianisiertem Geist betrachtet, fällt eine ganz andere Geschichtsschreibung ins Auge als normalerweise vermittelt.

Die Geschichte erweist sich eher als ein unendlicher Knoten aus Siegen und Niederlagen und nicht als ein einzelner Strang der zu einer Niederlage führte derer man sich hätte erwehren müssen.

Als Christ ist mir das Konzeptes dess Sieges in der Niederlage bekannt. Gott zerbrach am Leid der Menschen. Er schwitzte Blut und Wasser, er fürchtete sich, er litt und starb.

Doch all dies war nicht das Ende sondern nur der Anfang vom Ende einer Epoche.

In unserer multimedialen Welt herrscht das Bild von Menschen die nicht erwachsen werden wollen. Sie fürchten sich vor der Niederlage. Sie fürchten sich davor erwachsen zu werden. Auf der Einen Seite stehen die ewig pupertierenden Teenies, auf der anderen Seite die pseudonachdenklichen Pseudoerwachsenen. Man muss nur Arte einschalten um zu sehen wie oberflächlich die „Tiefsinnigkeit“ ist. Um den heissen Brei herumreden ist kein Zeichen von Nachdenklichkeit sondern Feigheit. Mit bedeutungsschwerer Stimme Misstände anzusprechen ist ebenso keine Tiefsinnigkeit. Es ist schlicht jammern und klagen gegenüber einem Dritten der nie erwähnt wird.

Ich glaube dahinter steckt das Bewusstsein dass die Menschen schon längst begriffen haben wie falsch die Moderne und die Postmoderne ist. Die Zerbrochenheit und Widersprüchlichkeit ist bekannt und klar – im Moment erschöpft sich die offizielle Gesellschaft darin, diese anzuprangern und von einem unausgesprochenen Ideal her zu denken. Sie suchen den perfekten Menschen, den Übermenschen Nietzsches. Laut offizieller Meinung ist Nietzsche ein wichtiger Kritiker der Verhältnisse – seine pupertären Anklagen gegenüber Menschen die viel kritischeres erlebt haben als er – werden viel zu ernst genommen. Als ob jammern und „mit-dem-finger-zeigen“ irgendwas gelöst hätte. Sein Leben endet darum auch so wie das Ergebnis der Masturbation – befleckte heisse Luft, nichts mehr als die Illusion eines Gefühls.

Die Europäer können nicht mit dem Scheitern umgehen. Der mehrfach gebrochene aber wieder aufgerichtete Held ist unbekannt. Entweder er ist Mr. Proper oder gar nicht. Wird auch nur ein Makel erkannt – wird da hineingebohrt bis die Eingeweide rauskommen. Die Niederlage als Lehre für zukünftige Siege? Unbekannt. Lieber werden die Zutrittsbedingungen für bestimmte Bereiche herabgestuft. Lieber wird Erfolg verboten und Menschen mit bestimmten Fähigkeiten angeglichen an die allgemeine Ödnis.

Schulnoten werden eher abgeschafft als dem Schüler von Angesicht zu Angesicht zu sagen – du kannst es nicht, tue etwas anderes. Die Autoritäten werden entfernt damit niemand sich in seiner Schwachheit und Unfähigkeit erkannt fühlt. Der nackte Kaiser hat allen die Kleidung tragen verboten.

Es fehlt das Kreuz. Es fehlt der sterbende Gott. Es fehlt die Auferstehung. Es fehlt dass Verständniss jedes Bauern – damit etwas gut wächst braucht es viel Mist. Jede Niederlage ist ein Weg zum Neubeginn. Jeder Verlust eine neue Möglichkeit des Sieges.

Die Geschichte ist keine Linie von links nach rechts. Sie ist ein Zopf. Die Niederlagen von einst sind Siege in der Zukunft. Der Untergang des Römischen Reiches beendete etwas. Doch dass Römische Reich lebt weiter – man muss nur wissen wie die Bezeichungen von gewissen Ämtern oder Schriftstücken waren. Apostel, Evangelium und andere Begriffe sind aus dem Antiken römischen Reich. Die grössten und grossartigsten Denker des Römischen Reiches leben im Klostertum weiter – auch wenn es kaum einen bekannt ist. Cicero und co wurden dort gehegt und gepflegt.

Oder aktueller; die Niederlage des Deutschen Reiches ist nicht nur die Niederlage des Hitlerdeutschland sondern auch des Britischen und Französischen Kolonialimperiums. Die Leichtigkeit mit denen Hitler diese vermeintlichen Grossmächte dauernd besiegte, brach den Mythos der Kolonialmächte. (Die Bismark, ein grosses Schlachtschiff wurde von der GESAMTEN Atlantikflotte der Briten gejagt..) Das Kolonialverhalten dieser Europäischen Nationen vernichtete in ihnen die Fähigkeit hart zu arbeiten – darum stiegen die Verlierer der Nationalen wettbewerbe zu wirtschaftlichen Siegern auf. Deutschland hat die Franzosen und Engländer in den folgenden Jahrzehnten deklassiert. Ihnen blieb nur die Wut und natürlich das zelebrieren eines Sieges den sie ohne Russen und Amerikanern nicht hätten geniessen können.

Gottlos sind sie geworden, nur noch auf Ehre und Materielle Macht bedacht. Das Leiden des Menschen am Sieg ist unbekannt,  höchstens ein Beispiel für die Zeitungen. Der barmherzige Trost Gottes im Zeichen der Niederlage oder des Sieges kann nicht angenommen werden und so schmort ganz Europa im eigenen Saustall.
Templarii

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2 Kommentare zu “Der Sieg in der Niederlage

  1. Das ist einer der tiefsten Texte, die ich bisher in diesem Blog gelesen habe. Er spricht mir aus der Seele und zeigt mir, daß ich persönlich noch über die Maßen an Christus zu wachsen habe. Helfe Gott mir dabei

  2. Im Wesentlichen stimme ich zu: Nicht nur kann eine Niederlage den Keim zu einem späteren Sieg enthalten; sie kann sogar im selben Moment ein Sieg sein. Christi Tod und Auferstehung ist das beste Beispiel.

    Wie aber ist der Untergang Nietzsches zu bewerten? Hier stimme ich dir keinesfalls zu, lieber Templarii. Nietzsche war ein ungeheuer tiefer Geist; er war jemand, der das Christentum tiefer erfaßt hat als fast alle anderen bekennenden Christen. Er hatte das Zeug zu einem Heiligen. Seine Tragik liegt darin, daß er sehr hoch gestiegen ist und nur darum auch sehr tief fallen konnte.

    Aber auch hier könnte auf den Fall der Sieg folgen. „Könnte“, denn wir wissen es nicht; Gott weiß es. Aber wer, wie ich, geistig arm genug ist, um neue Gedanken in sich einzulassen (in den Köpfen der geistig Reichen ist dafür oft kein Platz mehr), der besinnt sich auf das, was inspirierte Männer über die Wiederverkörperung zu sagen wissen. Nietzsche war der wiederverkörperte Pedro Alcantara, ein spanischer Mystiker. Und Ernst Häckel, der monistische Naturwissenschaftler und Papst-Hasser, war der wiederverkörperte Papst Papst Gregor VII. Wer über die geistigen Biografien dieser Männer nachdenkt, wird das zumindest nicht unlogisch finden.

    Es gilt also nicht nur, daß aus Niederlagen Siege erwachsen, sondern auch das Umgekehrte, daß nämlich Gipfelwanderungen zu Abstürzen führen, jedoch mit der Chance zum Neuaufstieg. Die Geschichte ist ein spannendes Schauspiel. Und es kommt immer anders als man denkt, solange der Mensch denkt.

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