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Endlich war ich soweit dass ich Beichten gehen konnte. Es reicht ja nicht einfach hinzugehen, man muss auch wissen und verstehen worum es geht und was es bewirkt. Als völlig Ignoranter wusste ich vor wenigen Jahren noch genau gar nichts. Aber inzwischen war meine Fortbildung soweit entwickelt dass ich mich traute.  Ein wenig Sorge war dabei, auch das Gefühl der Peinlichkeit, immerhin weiss ich schon was ich alles angerichtet hatte. Es entwickelte sich ein Gespräch, der Beichtvater war sichtlich berührt von meiner Situation. Es war erfreulich wie er sich ehrlich freute dass ich mich „stellte“.

Mir stolperten die Worte über den Mund, ich wusste nicht wo anfangen und nicht wie weiterführen – der Beichtzettel war ja vollgeschrieben mit der ganzen traurigen Wahrheit. Den habe ich danach zerrissen und weggeworfen. Tatsächlich ist es eine Art Giftmüllentsorgung, auch wenn es eigentlich peinlich ist dass so etwas nötig ist – auch gegenüber so einem perfekten Wesen wie Gott. Auf irgendeine Art ist mein Dreck sein Humus. Irgendwie möchte ich jetzt sauber bleiben(!). Ich wünsche es mir so sehr, es macht mir Freude.

Die Konsequenz ist gigantisch, ich bin noch nicht so ganz im klaren was mir Klar ist. Die Sünde hat mich nicht mehr. Ich bin frei. Die Dornen sind nicht mehr da! Sie sind nicht mehr da. Die Giftteiche sind nicht mehr da. Sie sind weg. Selbst dass, was ich im Eifer vergessen habe oder aufgrund des Zeitmangels (Es waren noch andere da die warteten!) oder aus Scham ein wenig ungenauer formuliert. (Das werde ich noch in ganzer Klarheit wiederholen, spätestens in einen Monat!) All der Mist, die Untiefen der eigenen Unvollkommenheit – Gottes Liebe löst es auf. Ich kann es kaum glauben. Es ist sogar schwer es einfach zu akzeptieren. Ich fühle mich wie jemand der Gewichte vom Körper abgelegt hat und sich damit noch nicht abfinden kann. Mein ganzes Bewusstsein ist frei und doch ist es so ungewohnt dass ich um Hilfe bitten muss.

Da werden Gedankengänge aufgelöst. Es existieren Entitäten die „Gedanken“ sind. Sie sind vorhanden und haben eine Kraft – weil sie existieren. Die Gedanken und dazu gehörigen Gefühle haben eine ihnen Innewohnende Kraft. Einfach nur Kraft ihrer Existenz. Es sind wie „rote Adern“ die einfach in der Luft hängen. Je schmerzhafter desto zackiger. Mit seinem Verstand und seinem Herzen berührt man diese „Gedankenstrukturen“ und ihre Form bewirkt ihre Wirkung. Gott ist gross, aber wenn wir ihn nicht eintreten lassen, dann wirkt die Wunde ebenso wie eine Wunde nun einmal wirkt die nicht gereinigt, gepflegt und verbunden wird. Sie eitert und produziert Gift. Dieses Gift benebelt den Verstand – und tatsächlich habe ich eine gewisse stärkere Klarheit in manchen Bereichen des Denkens erlangt. Dieser Beitrag zeugt davon.

Es ist schon leicht verrückt wie sehr sich das geändert hat. All die humanistischen Jahre, all die Versuche sich selbst zu erlösen, all die Vorwürfe für seine Irrungen und Wirrungen (man weiss ja wie es eigentlich hätte richtig sein sollen). Und nun, ein Wort. Er sprach mich los. Ich vollzog die aufgetragene Busse.

Ich habe es getan – und wer auch immer das liest, sollte es auch tun.

Kleinigkeiten, so wie ich von Gott schon als Kind kennengelernt hatte, sind in mein Bewusstsein eingesickert. Gott ist zart und sanft. Als ich hinausging, war die Hochzeit schon im Gange. Es erklang in dem Moment der Hochzeitsmarsch, als ich aus dem Gebäude rausging und an der Kirchentüre vorbeiging.

Jetzt bereinige ich die familiären  Verwerfungen, damit alles in Seiner Ordnung ist. Das bin ich meinen Vorfahren, Mir, meinen gegenwärtigen Verwandten, meinen Nachfahren und natürlich Gott schuldig. Meine Batterien tanken sich auf, die Lecks sind geflickt. Ich merke wie ich ENDLICH mehr Kraft habe um dass umzusetzen von dem ich weiss wie wichtig es ist.

Nachtrag: Und es ist schon so, das heilende Feuer brennt in einem. Es ist nicht einfach „schwupps und weg“, sondern die Erkenntnis und die Folgerungen brechen herein. Die Sündhaftigkeit wird klarer und schärfer wahrgenommen. Ich komme mir vor wie ein Padawan der gereinigt wird.. 😉 Jetzt kann das mit der „Selbstprüfung“ losgehen.

Templarii

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4 Kommentare zu “Die Gnade der Beichte

  1. Lieber templer!
    Ich bin sehr froh, dass Sie es „geschafft“ haben, Ihren in „kath.net“ angekündigten Vorsatz in die Tat umzusetzen.

    Wenn man sich erst einmal daran gewöhnt hat, (ist fast nicht möglich) die Schamgrenze zu überwinden, spürt man danach immer genauer, wann es wieder Zeit ist, „reinen Tisch“ zu machen und zu beichten.
    Das Gewissen bildet sich dabei immer mehr heraus; es reagiert sensibler auf unser Denken und Tun.
    Wir erkennen, wie sehr unsere Entscheidungen, die guten wie auch die weniger guten, das Leben anderer beeinflussen können.
    Dass das Gewissen sich in diesem Prozess mehr und mehr entfaltet und mich führt, empfinde ich aber nicht als selbstquälerisch und destruktiv, wie man vermuten könnte, sondern als sicheren Kompass für ein gutes Leben, im Einklang mit Gott und sich selbst.
    Sie haben im obigen Beitrag Ihre auftauchenden Gefühle während und nach der Beichte sehr gut und nachvollziehbar beschrieben.
    Ich wünsche Ihnen viele Leser, die sich dazu ermuntert fühlen mögen, Ihrer positiven Erfahrung zu folgen, um an sich selbst das Befreiende des Aussprechen dürfens und der „Lossprechung“ in der Beichte wahrzunehmen.
    Auf Ihren Blog wurde ich erst durch Ihren Nachtrag in kath.net aufmerksam.
    Er gefällt mir und ich habe ihn gleich zu den Lesezeichen hinzugefügt.

    • Grüss Gott Marienzweig,

      danke für die Rückmeldung, ich möchte dass immer gerne teilen aber es gibt so wenige die sich ernsthaft um die „geistige Rückeroberung“ unserer Kultur und Tradition kümmern. Rückblickend gesehen erkenne ich viele Gesellschaftliche Mechanismen im Christentum die Nachteile der Menschlichen Natur ausgleichen.

      Ich nehme zum Beispiel wahr wie stark gewisse Triebe sind um sich selbst wieder zu beschmutzen. Damit ist nicht mal die Gewohnheit gemeint. Ich werde in meinem nächsten Beitrag darüber schreiben.

      Danke für die Worte und wegen dem Blog – ich habe noch einige Kontroverse Themen hier die nicht jedem gefallen und sogar Angst auslösen. Rassissmus gegen Weisse, Unterdrückung von Männern, Konfrontation der Kulturen Islam/Christentum bzw. Kollektivkulturen vs. Individualkulturen sowie meine Gegnerschaft zur Politischen Korrektness.

      Ich habe übrigens gemerkt dass ich gleich nochmal beichten muss… Mehr dazu im nächsten Beitrag.

      Nachtrag: Hier der neue Beitrag https://recognoscere.wordpress.com/2012/08/14/nachbeben-der-beichte/

      Templarii

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