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Hier ein Ausschnitt aus einem Interview mit Herrn Klonovsky, dem Katholikenfan. Sein Witz und die Frechheit tun gut.

Erschienen in: Horizonte, Nr. 28/Frühjahr 2009, S. 14-15  

 Horizonte: Herr Klonovsky, glauben Sie eigentlich an Gott?

Nein. Was ich in gewissem Sinne bedauere.

Horizonte: Und das bedauern Sie warum?

Weil ich gezwungen bin, entweder irgendeinen Unsinn zu glauben oder nichts zu glauben. Die Konsequenzen aus Letzterem sind ja, wenn man sie ernsthaft durchdenkt, verheerend.

Horizonte: Wollen Sie für uns die Konsequenzen mal kurz durchdenken? Die Leute scheinen doch in der säkularisierten Welt ganz vergnügt zu sein.

Die Konsequenz heißt Nihilismus, also Glaube an nichts. Oder der ausschließliche Glaube an das eigene Selbst, was übrigens ungefähr dasselbe ist. Man muss dann akzeptieren, dass mit einem selbst nichts beabsichtigt ist. Dass also der persönliche Vorteil das einzige Kriterium ist. Dass nichts wertvoll, nichts sündhaft und nichts schlimm ist – denn woran sollten sich Werte festmachen? Einzig am gerade herrschenden Strafrecht. Was den tatsächlich ungläubigen Menschen lenken müsste, wären Genusssucht auf der einen, Feigheit auf der anderen Seite. Er hat kein Interesse, das nicht an seinem Nutzen orientiert ist. Warum soll er lieben? Warum zeugen? Warum die Ressourcen schonen? Es gibt nicht den geringsten Grund.

Horizonte: Weil’s Spaß macht vielleicht? Herr Klonovsky, Sie machen ja schließlich auch weiter, obwohl Sie nicht an Gott glauben. Was also wäre gegen die blanke Vergnügungssucht eigentlich einzuwenden?

Nichts. Aus dieser Perspektive wäre freilich auch nichts dagegen einzuwenden, die Bevölkerung eines Landes auszulöschen. Kann ja auch Spaß machen. Die Gattung kann aus Spaß den gesamten Planeten verheizen, klar. Nun können Sie einwenden, dass dergleichen ja nicht und nur teilweise geschieht. Richtig – weil die Menschen eben doch glauben.

[…]

Horizonte: Nun würden die Aufklärer Ihnen aber entgegnen, dass an die Stelle des toten Gottes Aufklärung, Menschenrechte und Humanismus getreten sind. Politisch findet das im „Verfassungspatriotismus“ seinen Niederschlag. Und auf was Anderes sonst sollten sich Christen wie Nicht-Christen in einem irdischen Staat als Minimalregeln des gemeinsamen Zusammenlebens einigen?

Das sind alles religiöse oder eben doch: religiös verwendete Begriffe. Im Namen der Menschenrechte sind schon verdächtig viele Menschen umgebracht worden, oder? Der Begriff „Verfassungspatriotismus“ stammt von Dolf Sternberger, der sich übrigens das A im Namen weggemacht hat, wegen eines Herren, auf den man im Zusammenhang mit Ersatzreligionen unweigerlich zu sprechen kommt. An die Stelle des in unserem Weltteil eher toten Gottes sind in der Tat zahlreiche Ersatzreligionen getreten. Die der sozialen Gerechtigkeit etwa, oder der Naturkult, oder die tägliche schwarze Messe um das tote Alien aus Braunau. Ich werfe deren Anhängern keineswegs vor, dass sie für ihre, wie Soziologen sagen, frei flottierenden religiösen Bedürfnisse Bezugspunkte suchen. Ich finde bloß die meisten Bezugspunkte viel verrückter, als die Gottesidee es je sein könnte.

Mehr auf: http://www.michael-klonovsky.de/content/view/96/58/ 

Und so weiter.. 🙂 Ich denke er bringt es gut auf den Punkt. Und genau das ist auch der Grund warum die Europäer so haltlos sind. Mit ein bischen Intelligenz merkt man schon schnell dass eigentlich „alles erlaubt ist“ und das es dennoch irgendwie einen Grund gibt warum man es nicht tut.

Wenn man versteht warum man es nicht tut, WAS einem behindert (und es ist nicht Feigheit!) dann wird man aus der Isolation und Passivität erlöst.

Templarii

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6 Kommentare zu “Der Glauben ans Nichts ist verheerend

  1. Ich verstehe mittlerweile, was mich daran hindert, haltlos zu sein und ich begreife auch, was mir Halt gibt, aber dennoch teile ich Herrn Klonovkys Nicht-Glauben wie auch sein Bedauern hierüber.
    Aber es ist immer noch besser, zu versuchen einem Gott gefällig zu sein, an den sich der Glaube nicht einstellen mag, als nur selbstgefällig zu bleiben und sich alleine von Gier, Hochmut und rasender Vergnügungssucht leiten zu lassen.

    • Da klingt aber eine gewisse Verzweiflung an, vor allem „rasende Vergüngungssucht“ schient da ein Stichwort zu sein.. Ein Artikel dazu? 🙂 🙂 🙂

  2. Verzweiflung ist durchaus das richtige Wort in diesem Zusammenhang und wenn ich mich umschaue, was meine Generation so alles treibt, so scheint mir Raserei als Umschreibung für ihren idiotischen Hedonismus noch fast milde.
    Ich kann nichts versprechen, aber sowohl der Dienst an einem Gott, den man nicht spürt, wie auch das Abdriften in die Leere der Vergnügungssucht, könnten mich zu einem Artikel veranlassen. Ich schau mal, ob da was rauskommt.
    Geschickt eingefädelt. 🙂

    • Irgendwo hab ich mal sinngemäss gelesen: „Der Intensität, mit welcher man sich Befriedigung verschaffen will, ist ein Zeichen dafür dass das Ziel nicht erreicht wird.“

      Ich lese übrigens gerade einen Artikel in dem es um Schwarzafrikanische Prediger geht, die nach Europa fahren und dort Gottes Wort verbreiten. Europa wird als Heidnischer Kontinent angesehen (European Paganists…). 🙂 🙂 🙂 Gott hat echt Humor.

  3. Natürlich ist das so. Es ist die falsch verstandene Glückssuche, die einem dazu treibt, sich Befriedigung verschaffen zu wollen um jeden Preis. Nur ist es halt so eingerichtet, dass Glück nicht erjagbar ist. Glück ist das, was Gott zwischen den Zeilen des Lebens versteckt und was dort zart hervorleuchtet. Wenn man Augen hat zu sehen, erkennt man es und dann wird man in der kleinsten Blume noch die Vollkommenheit von Gottes Werken erkennen können und das flüchtige Glück, das man dann erlebt, wird einem für immer im Innersten bleiben.. Wenn man blind ist, wird man in den grössten Kunstwerken, Statuen, Bauwerken und für alle Ewigkeit geschaffenem Tand kein Glück finden können.
    Ja, das ist keine schlechte humoristische Einlage Gottes. Auch dies kann eine Erkenntnis sein, die einem Gott näherbringt: Der hat Sinn fürs Komische.

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