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„“ (…) Und ich blätterte in den dummen Heften mit den glatten Frauenakten und in den Romanen mit dem ganzen umständlichen Hin und Her der Liebesleidenschaft auf sehr elendem Papier. Und ich las die Kriegszeitschriften. Ach! wie ist dieser Mist aufgemacht! Tiefdruck, famoses satiniertes Papier, alles hat eine Art splendider Großzügigkeit … Es bereitet eine wohltuende Freude, einmal alles andersherum zu sehen: die französischen Flieger mit den kreisrunden Abzeichen fliegen stolz am Himmel einher, während der Deutsche tief unten entweicht; französische Poilus knien auf deutschen Soldaten; Russen stürmen lanzenschwingend auf die Preußen, die die Hände hochheben – das kam mir alles, bis auf die Besetzung, sehr bekannt vor. (…)

Aber ich muß doch sagen: mein erster Gedanke war der des Bedauerns. Warum haben wir das nicht? Sie sind so geschickt, und so gemein. Und so wirksam. Sie verkennen allerdings fast den gesamten Tatbestand.

Sicherlich läßt sich über deutsches Wesen, an dem einmal die Welt genesen soll, allerhand – wenn auch jetzt nicht – sagen; aber das sind keine Deutschen, diese Bilderbogenboches der französischen Kriegsliteratur, das sind allenfalls Schützenscheiben. Sie sind nicht einmal fähig, einen richtigen deutschen Namen zu erfinden, oder heißen vielleicht unsere Professoren Ferdinand Schmitzmolle?

Aber, weißt Du, ich kann mir sehr gut denken, daß von diesen Weisheiten etwas hängen bleibt wenn sie einem jahrelang so eindringlich eingehämmert werden.

– Fälschungen (Maurice Barrès gibt angebliche Schwätzereien eines Soldaten mit einer französischen Schwester als ein Dokument aus),
– Lügen (Zeichnungen werden unter Fotografien geschmuggelt und bilden ein einziges Bildmaterial),
– Geschmacklosigkeiten (die Karikaturen des Kaisers und des Kronprinzen sind unterhalb jeder Linie)
– das ist zwar alles nichts. Aber es wirkt. Aber es ist infam geschickt und gewandt hergestellt. Aber es zieht.

Warum machen wir das nicht? Sie schrecken vor nichts zurück, wenn sie damit irgend einer These, einem moralischen Satz zur Wirkung verhelfen können. Sie haben seit langem erkannt, was bei uns in Deutschland kaum einer weiß und gar keine illustrierte Zeitung: daß man Fotografien nicht mehr ertragen kann, die einfach berichten. Man will Moral in den Bildern.

Das Rezept ist so: gegeben ist eine Tendenz, die offensichtlich werden soll. Sagen wir: die Deutschen sind gemeine Mörder. Dann wird dieser Satz an einer scheinbar harmlosen Fotografie demonstriert, an der Hausruine einer Pariser Vorstadt, in die eine Bombe fiel – und unter dem Bildchen steht dann: „ce que leur héros ont fait dans la forteresse Paris“. Und das vergißt kein Leser. Oder rührsame Zeichnungen von toten Müttern und Kindern in Verbindung mit den deutschen Barbaren (das ist kein Wort von 1914, das lebt heute noch!) ­ und deutsche Gefangene …

Aber hier können wir allerdings nicht mit. Eine solche viehische Roheit, noch mit Zerschoßenen und Verwundeten und halbtoten Gefangenen Propaganda für den Kikeriki der Marianne zu treiben, ist leider romanische Politik. Sie sind wie die Weiber, wenn sie hassen. Ich weiß sehr wohl, daß es Zeitungsschreiber und nicht die Soldaten im Graben sind, die das machen – aber wer liest es denn? Hachette wird sein Publikum kennen. Und die andern, die Leute aus dem „Feuer“ des kriegerischen Friedensbuches von Barbusse, sind wohl noch dünn gesät. Sie schrecken vor nichts, aber auch vor nichts zurück.
Bis auf die schmierigen Sudeleien: warum wir nicht auch? Warum arbeitet unser Nachrichtendienst nicht im großen Stil mit der Tendenzfotografie wie sie? Warum bearbeiten wir nicht das Ausland wie sie? Warum zeigen wir nicht Ähnliches in unsern eigenen Blättern wie sie? Tausend Beispiele: ein französisches und ein deutsches Badezimmer einer Bürgerwohnung (denn sie verspotten dauernd unsere Zivilisation, nicht nur die Kultur) – der Südfranzose und sein Haustier – der Gegensatz zwischen Hui und Pfui im Leben des romanischen Schiebers … aber dafür gibt es Belege! Hier kann man aggressiv arbeiten.

Wir verteidigen uns brav: wir veröffentlichen saubere Statistiken, wie gut unsre Schulen arbeiten, und wieviel Kriegsanleihe wir gezeichnet haben – eine Zeichnung Raemaekers wirft das alles um. So kann man dem Betrachter nicht kommen. Man muß ihn unterhalten, einfangen, packen. Aber noch schöner wäre es freilich, man hätte das alles nicht nötig, und im Hinterzimmer lägen Bücher, die dem Rumäner förderlicher gewesen wären als dieser Schund. Und das hat wohl noch gute Weile.““

gefunden auf: http://histor.ws/film/d-ryan5.htm

So ist es mit der Propaganda – man kann gar nicht so übel drauf sein um das alles wahrzunehmen..

Templarii

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