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Gefunden und Zitiert von: http://histor.ws/seppdepp/009.htm

„Unter einer „Bulle“ wird meist eine päpstliche Verfügung verstanden, wobei der Begriff sich auf das Siegel des Dokuments bezieht, das zur besseren Haltbarkeit in eine Kapsel eingebettet war (lat. bulla=Kapsel). Von 1258 bis 1526 werden 47 päpstliche Erlasse gegen Zauberei gezählt, die Bulle Innozenz VIII. war dazu also nichts Neues.(3) Sie war insbesondere keine „Hexenbulle“, sondern trug nach üblichem Brauch als Titel die ersten Worte des Textes, hier also „Summis Desiderantes“ (Bulle vom 5. Dezember 1484).[…]“

„[…]Von einem „Auftrag“ zum Schreiben des Hexenhammers, wie im Zitat behauptet, ist in der Bulle keine Rede. Es ist auch sonst kein Beleg für diesen angeblichen Auftrag bekannt, der Autor des Zitats nennt auch keinen.[…]“

„Von einem Segen „DER Kirche“ für die Hexenverfolgung kann insgesamt kaum die Rede sein. Denn diese Massenverfolgung fiel in die Zeit nach der Reformation, wo zu fragen wäre, wer diese Kirche denn gewesen sein soll. Es gab eine lautstärkere und sicher auch umfangreichere Gruppe von Klerikern, die als Beichtiger, als Prediger, als Fürstbischöfe oder als Buchautoren für die Justizverfolgung von Zauberei plädierten (Delrio, Ostermann, Binsfeld, Agricola, Institor, Fürstbischof von Augsburg). Doch gab es ebenso Kleriker, die das Gegenteil taten (Spee, Stappert, Fürstbischof von Kurmainz). Die Kirche war zu dieser Frage gespalten. Der General des Jesuitenordens zum Beispiel hatte mit Delrio, Ostermann und Spee Vertreter der beiden Konträrpositionen zugleich in seiner Gemeinschaft. Im Interesse des Friedens verpflichtete er alle seine Kleriker zur strikten Neutralität in dieser Frage. Die Auslöser für Verfahren vor der weltlichen Justiz waren meist die Bürger selbst, nicht Kleriker oder die Kirche.(4)“

„[…]Als Autoren des Buches werden meist zwei Dominikaner genannt. Die richtige Schreibweise des Autoren-Namens ist laut Bulle „Institor“ und nicht „Institorius“ wie im Zitat genannt. Dabei handelt es sich um Heinrich Kremer/Cramer, der seinen Namen entsprechend der Zeitmode latinisiert hatte.(5) Institor war kein Bürger der Reichsstadt Köln, sondern wirkte im süddeutschen Raum, hielt sich zum Zweck der Veröffentlichung des Buches aber einige Zeit in Köln auf. Während seiner Amtszeit in Süddeutschland entging er nur knapp einer Verurteilung wegen Unterschlagung von Ablaßgeldern.(6) Wegen Beleidigung des Kaisers war er einige Zeit inhaftiert, um seine Person entstand häufig Streit, auch innerhalb seines Ordens. Er ist nach derzeitigem Kenntnisstand der einzige Verfasser des Hexenhammers.[…]“

„[…]Die niemals mehr genau zu ermittelnde Zahl der Opfer hat durch gründliche Detail- und Regionalstudien in letzter Zeit dramatische Korrekturen erfahren. Während der Zeit des preußischen Kulturkampfes gegen die katholische Kirche Ende des 19. Jhs. begannen die Auktionsgebote mit „mehreren Millionen“ Opfern. Sie waren 1980 bei hunderttausend Opfern angelangt, 1987 bei der Hälfte des vorigen Gebots. Die letzte Präzisierung von 1995 mit rund zwanzigtausend Opfern im Alten Deutschen Reich ist bislang Stand der Forschung geblieben.(9)“

Fazit des Autors:

„Das Zitat erzeugt einen falschen Eindruck über den historischen Gegenstand. Die angebliche Hexenbulle begründete nicht die scholastische Lehre über Zauberei sondern stand in deren Tradition. Die Bulle war auch nicht der Verbreiter dieser Lehre sondern dies war vornehmlich der oft verlegte Hexenhammer. Dieser war zudem nicht im Auftrag des Papstes geschrieben und wird auch nicht durch die Bulle legitimiert, deren Text Cramer vermutlich selbst verfaßte. Es gab keine einheitliche Haltung der Kirche zur Frage der Zauberverfolgungen von 1550-1650. Ebenso wie zur Frage der Reformation herrschte Spaltung und Meinungsstreit. Der Hexenhammer ist auch grundsätzlich keine „Ausführungsbestimmung“ der Bulle sondern eine umfangreiche theoretische Abhandlung des Gesamt-Themas; deshalb fand er auch so große Verbreitung. Geschrieben hat das Buch nur Heinrich Kramer, der „Institor“ hieß und nicht der Theologe Sprenger. Kramer war kein Kölner sondern süddeutscher Herkunft. Die Opfer wurden in Malefizprozessen nicht prinzipiell grausamer behandelt als alle Delinquenten von Strafprozessen, auch hinsichtlich der weiblichen Opfer liegt keine substanzielle Besonderheit vor. Die tatsächliche Opferzahl lag nur bei einem Bruchteil des im Zitat angegebenen Umfangs.“

Viel Spass beim lesen…

Templarii

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5 Kommentare zu “Die „Hexenbulle“ aus der frühen Neuzeit

  1. Dass der Hexenhammer nicht im Sinne des Lehramtes war, kann man auch ganz einfach daran erkennen, dass er auf dem Index librorum prohibitorum gelandet ist und dementsprechend von Katholiken überhaupt nicht gelesen werden durfte…..

  2. Pingback: Die simpelsten Vorurteile gegenüber der Kirche « Neue Reconquista

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