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Lange Zeit gegrübelte ich was denn der Unterschied und der Vorteil des Christentums ist, wo der Kern der Erfolgs ist. Diese Frage ist so konkret über ein Jahr alt, langsam glaube ich aber entdeckt zu haben was Sache ist.

Die höchste Stärke ist das, was man dem Christentum vorwirft – die Hinwendung zur Schwäche. Da nicht Stärke, Macht, Reichtum, Klugheit und andere Dinge das höchste und beste im Menschen ist – sondern die Erkenntnis und der Umgang mit seinen Limitierungen – kann sich der Mensch weiterentwickeln. Sonst lehnt er ja das „hineinblicken“ ab.

Gott ist Geist, er ist Liebe, er ist Weisheit, er ist Gerechtigkeit, er holt jeden Menschen da ab wo dieser ist. Man muss nicht zweihundert Liegestützen am Morgen schaffen, oder 2400 lateinische Verben konjugieren können. Man muss nicht schön sein oder besonders dicke Brüste haben. Man braucht keine umfangreiche Waffensammlung oder mit den 10 berühmtesten Frauen geschlafen haben. Man muss auch nicht viele Bücher gelesen haben, viel gereist sein, reich sein – oder – arm sein!

Man muss sich nur ehrlich mit offenen Herzen an Gott wenden.

Durch die Hinwendung zur Schwäche des Menschen in der Philosophie des Christentums, wird eine umfangreiche, vielfältige Persönlichkeitsentwicklung ermöglicht, die alles übertrifft was es sonst noch für Hilfsmittel gibt. Der Mensch fängt nämlich an, konzentriert nach seinen Schwächen und Unzulänglichkeiten zu suchen OHNE dass er sich dadurch bestraft und demütigt. Nicht wie in der Psychotherapie, wo solch ein Herzloses Suchen als Mittel zur Geldvermehrung beim Psychologen verwendet wird. Auch nicht so wie Menschen die sich selbst verachten und erniedrigen.

Kurzes Beispiel: Meine Heissblütigkeit gleitet des Öfteren in Wutausbrüche. In der normalen Gesellschaft, mit Psychologen, Therapeuten und anderen Wischiwaschi-hanserls müsste ich diese meine Eigenart „wegtherapieren“ und „unterdrücken“. Oder es würden noch umfangreichere Theoreme aufgestellt, in dem von weiteren, zu therapierenden Eigenschaften die Rede ist. Auf der anderen Seite gibt es wohl sehr viele heissblütige Menschen die durch die Verweichlichung dieser Gesellschaft diese ablehnen wie die Pest – und eher auf ihren Untergang hoffen, anstatt in ihr zu handeln und zu leben. Innerhalb des christlichen Denkens schaut die Sache anders aus. Zuallererst stellt sich die Frage nicht mehr ob ich angenommen werde oder nicht. Meine Heissblütigkeit und die dazugehörigen Wutausbrüche sind kein Weg zur Separation vom „grossen Ganzen“.  Die Macht der Psychologen basiert ja darauf, dass sie vermeintlich wissen was „die Gesellschaft“ will und wie man zu sein hat um „in der Gesellschaft“ anerkannt zu werden.

Ich glaube aber nicht an „die Gesellschaft“, ich glaube an Gott!

Gott lebt in meinem Herzen und kennt jede Regung meines Geists. Gott steht hinter meinem Gewissen, hinter meiner Sehnsucht und kennt meine Wünsche, Freuden, Ängste, Schwächen. Er liebte mich bevor ich ihn liebte, er sah mich bevor ich ihn sah, er trug mich bevor ich wusste dass es ihn gibt. Er weiss dass ich nicht perfekt bin, er weiss dass ich Schwächen habe, er weiss das diese Schwächen ein Teil meines jetzigen Selbst sind. Er schliesst mich nicht aus wenn ich so, oder so bin.

Jedenfalls brauche ich nichts wegzutherapieren, nicht zu unterdrücken, nichts zu verleugnen – stattdessen kann ich in die „Wut“ hinein, sie erkennen und sehen wollen. Und dieses liebevolle hinwenden zu seinen Schwächen verändert alles. Man umfasst diese „Dinge“ im Geiste, verbindet sich plötzlich mit neuer, von aussen kommender Kraft und kann damit umgehen wie nie zuvor. Plötzlich „gleitet“ Vernunft in die Wut. Die Heissblütigkeit verschwindet NICHT, aber man nimmt plötzlich wahr was der innere Quell dessen ist, warum die Heissblütigkeit in sinnlose oder übertriebene Wut umkippt. Vorher war es nur ein heisses, brodelndes „Gebräu“. Irgendwie wird man wie in einer Arche hindurchgezogen, der eigene begrenzte Verstand kann sich dort hineintrauen und „fragen stellen“ ohne das die Wut überschwappt und den Vorgang unterbricht. Es ist so als würde man mit Flügeln dort stehen und herzlich, bescheiden, demütig aber frei – fragend.

Und dadurch kommen Erkenntnisse hoch, die so hilfreich sind, das einem die Tränen kommen können. Ich hasse nämlich Ungerechtigkeit. Ungerechtigkeit machte mich so wütend, so furchtbar, grauenhaft, ekelhaft wütend, dass es kracht. Ich hasse die absichtliche Unwissenheit, die absichtliche Bosheit anderer Menschen, die absichtliche Unehrlichkeit. Es ist zum Kotzen furchtbar was so auf der Welt läuft – man könnte permanent um sich schlagen und alle möglichen Menschen in einen grossen Sack stecken, mit Fünzigquadrillionen Knüppeln drei Trilliarden mal draufschlagen, man trifft immer die richtigen. Die dämliche, beschissene, abgrundtiefe Dummheit, Stumpfheit, Gier, Arschlochhaftigkeit von so vielen Menschen gehört so etwas von bestraft –  aaahhhrgl!

Was da für Menschen leiden wegen dieser Idioten, warum überlegen sie nicht vorher, warum sind sie so selbstgerecht, so Böse, Kurzsichtig, Sinnlos agierend wegen Dingen die vollkommen unwichtig und wertlos sind! Ich würd die am liebsten alle zum Teufel jagen und endlich alles möglich schlicht abschalten wie einen Computer. Damit endlich Ruhe ist und man in Ruhe leben kann.

Diese Gefühle kennt wohl jeder, doch man drückt sie runter, höchstens Zynismus und Sarkasmus bleibt übrig. Wenn man es lang genug unterdrückt, vergisst man es nämlich! Und wenn man weiss dass man „eh nichts machen kann“, dann vergisst man es noch schneller, oder ignoriert es.

Doch Moment, erstens trägt dies zur Bosheit der Welt bei, zweitens MUSS man es nicht ändern, drittens verweist es uns darauf hin, dass wir in unserem Inneren sehr wohl und ganz genau wissen was Richtig und was Falsch ist. Je zynischer und wütender jemand ist, desto stärker ist seine Verbindung zur Wahrheit, Gerechtigkeit und Liebe. Es steckt der Wunsch dahinter, dass es besser laufen sollte, das man fühlt wie es „anders sein sollte“. Und dann kommt die Vorstellungswelt des Christentums zur Hilfe. Diese Welt ist eine gefallene Welt, der Mensch ist „Sündenfähig“ – er will selber Gott sein. Und ist es nicht so, dass die Hölle mit „guten Vorsätzen“ gepflastert ist? Ist unsere Welt nicht eine Aneinanderreihung von Katastrophen ausgelöst von Menschen die sich organisiert haben um die Welt nach ihren Vorstellungen von „gut“ und „richtig“ zu verändern? Ich verweise nur mal kurz auf Kommunisten die alle Arbeiter befreien wollten – und diese erst recht versklavten? Sind wir nicht quasi „am Verhungern“ nach Perfektion, nach „dem richtigen“? Wollen wir es nicht so haben, dass es funktioniert und zwar gefälligst immer – und dann wird es langweilig weil wir es nicht  mal mehr bemerken? Nur wenn der Strom mal nicht mehr da ist, merken die Anti-Atomer, dass Strom nicht einfach aus der Steckdose kommt.

Der Trost welcher aus diesen Erkenntnissen kommt, ist ungeheuerlich. Die Kakophonie der Welt wird aufgrund der höheren Gerechtigkeit zu einer Symphonie („Ja es ist falsch, aber wir können nicht anders, kein Mensch ist perfekt, vergib uns die Schuld so wie wir vergeben unseren Schuldnern“). Das Leid, das Böse, der Schmerz, die Ungerechtigkeit ist nicht mehr einfach nur „von bösen Menschen“ erschaffen die mich wütend machen – sondern ein Zeichen dafür das es Gott gibt, das es eine unendliche Perfektion in Güte gibt, der man dienen kann und soll um das Böse zu überwinden. Sonst würde ich ja gar nicht wissen dass es falsch ist! Und es würde mich nicht so unendlich wütend machen.

Zum Teil bin ich auf diese Gedanken „selber“ gekommen, aber dann wurde mir gewahr dass die umfangreiche Hilfsbereitschaft von Christen dadurch erklärbar ist. Die Hospizen, das Rote Kreuz, Mutter Theresa, Krankenhäuser, Ärzte die in Dritt-Welt-Ländern handeln und agieren. Es ergibt Sinn!

Man wird Teil der Symphonie des ewigen Lebens – man hört die Geigen und Posaunen, die Hintergrundmusik des Lebens wird anders. Majestätisch eröffnet sich der Blick auf das was man tun kann, dass warum man es tun sollte – für nichts anderes als das was im inneren des Herzens, in der innersten Wut meiner unendlichen Hasserfüllten Wut ist. Mehr „ich“ kann ich gar nicht sein, mehr „Selbstverwirklichung“ geht gar nicht – wenn die Selbstverwirklichung die Guten als auch die Bösen Seiten meiner Persönlichkeit erfasst und mich einen kleinen Tropfen der höheren Gerechtigkeit kosten lässt! Wie ein D-Zug erfassen einen die Erkenntnisse, wie eine Knospe im Frühling öffnen sich plötzlich meine trotzig zurückgezogenen Erkenntnisfähigkeiten – plötzlich funktioniert mein Denken wieder, denn ich weiss ja wofür ich es einsetzen möchte. Ich will Denken, ich will handlen, ich will agieren, ich will aufbauen, ich will – trotz Weltuntergang, trotz Eurogeddon, trotz Islamisierung, trotz Verrohung, trotz Massenabtreibungen, trotz Menschenhandel. Der Frust ob dieser Ungerechtigkeiten verwandelt sich in „Handeln wollen“, jedes Böse, wird plötzlich zur Beute die man Gott schenkt. Irgendwie ist es wie überholen auf der Autobahn, wenn da so ein Trottel 80 fährt obwohl es 120 erlaubt ist..

Plötzlich fängt man an sich zu überlegen mit welcher Absicht man Handelt, man bittet Gott darum, die Sünden zu vergeben von denen man nichts weiss! Man bittet Gott einem zu verwandeln das man ihm besser die „Beute“ zur Verfügung stellen kann – damit es genau so ist, wie er es möchte, trotz meiner Unfähigkeit zu wissen wie er es denn in diesen und jenem Punkt haben möchte – durch das Vertrauen auf seine eigene Ehrlichkeit und das Vertrauen auf die Liebe Gottes wird man endlich, endlich, endlich, endlich, endlich Frei! Gottseidank – die Logik des Terrors wirkt nicht mehr.

 

„Ihr aber, liebe Brüder, seid zur Freiheit berufen! Allein sehet zu, daß ihr durch die Freiheit dem Fleisch nicht Raum gebet; sondern durch die Liebe diene einer dem andern.“ 5. Galater, Kapitel 5,13

 

„Alles ist mir erlaubt, aber nicht alles ist nützlich. Alles ist mir erlaubt, aber ich will mich von nichts beherrschen lassen.“ 1.Korinther 6,12

 

Templarii

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Ein Kommentar zu “Die Freiheit zu handeln

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