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Die Tragödie der Nerds, damit meine ich im weitesten Sinne die sensibleren und nachdenklicheren Menschen, ist die Fähigkeit etwas zu erfassen und zu begreifen, etwas zu erfühlen und zu erahnen – ohne zu agieren. So manche sind Gefangene ihrer Gedanken, angekettet an Erkenntnissen und den daraus gezogenen Schlüssen. Innerlich ein strenger moralischer Mensch, äusserlich passiv und handlungsunfähig. Diese Menschen sind leicht mit einfache moralischen Aussagen zu binden, sie werden Schachmatt gesetzt von Menschen die „Moral“ als Mittel zur Kontrolle der Menschen verwenden. Dies ist Heute ein grossartiges Machtwerkzeug, ob beim Feminismus, beim Gender-Mainstreaming, dem Kommunismus, dem Ökologismus und so weiter.

Sich selbst halten die Nerds auch im Schach – mit folgendem Gedankengang: „Wenn ich etwas tue, welche Konsequenzen hat dies? Wird es Gut oder Böse enden? Ich will nichts Böses tun, ich will keinen Schaden verursachen.“

Allein in diesem Gedankengang zeigen sich mehrere Mechanismen und Grundmuster welche zur Fesselung beitragen: Es stellt sich die Frage was Gut und was Böse ist – woher weiss man das? Es stellt sich die Frage WARUM man auf andere achten und sie berücksichtigen sollte. Es stellt sich die Frage „wer es denn sagt„, dass man anderen keinen Schaden zufügen sollte – und warum man darauf hören sollte. Ist das alles unbeantwortet, unklar, voller Leere, schwebt man mental im Nichts und zappelt in einer kleinen Blase aus Nichts.

Eine weitere Konsequenz dieses Gedankenkonstruktes ist es, dass man früher oder später erkennt, dass Zurückhaltung und Passivität AUCH Böses schaffen kann. „Müßige Hände sind des Teufels Werkzeug“ sagt man. Menschen mit einem überentwickelten Geltungsbedürfnis sehr fleissig sind um sich Geltung zu verschaffen – das kann auch etwas sehr schlechtes sein.

Alles in allem ergibt sich ein Netz aus halbgedachten, halbwidersprüchlichen Gedanken – man hängt da drin und kommt weder rein noch raus. Die Kindermoral ist noch irgendwie halb vorhanden, dann kommen die Erfahrungen aus der Teenagerzeit, dann die aus der früheren Erwachsenenzeit. Die ewige zerbrochene Struktur der Gesellschaft trägt das übrige bei. Das Ergebnis ist unsere Zeit.

Viele wache, intelligente, klar denkende Menschen – versauern Zuhause. Otakus die sich verkriechen, ihre Sensibilität und Empathie  längst widerlegt durch das Geschehen in der Welt.

Meiner Erfahrung nach ergibt ihr Verhalten für sich genommen überhaupt keinen Sinn. All die Zurückhaltung, Sensibilität, Empathie – ergibt nur im Kontext des Christentums Sinn. Man braucht nur ein wenig zu überlegen, um es nachvollziehen zu können. Im Christentum zeigt sich Gott als sensibler Mann der mitleidet und sich mitfreut. Einfache ruhige Worte voller Macht werden gesprochen die bis Heute Menschen erschüttern. Jahrhundertelang waren sensible ruhige und schwache Männer und Frauen in Klöstern am forschen, schreiben und  Natur sowie Gott betrachten.

Den Blütenkelchen, der Struktur der Bäume, Blätter, Mineralien, dem Schnee, dem Frost und anderen Bereichen der materiell fassbaren Welt kann man eine umfassende Feinheit und Detailliertheit entnehmen die bezaubert und einfängt. Dichtung und Musik, Kunst und Kultur ergibt nur dann Sinn, wenn die Grobheit und Gewalt nicht die höchste Stufe der Hierarchie ist.

Liebe die anderen wie dich selbst„, beinhaltet auch die Aussage dass man sich selbst lieben sollte – sonst kann man andere nicht lieben. „Tue anderen das, was Du willst was man dir tut.“ ist eine Aufforderung zum Handeln – auch um seine Liebe zu anderen zu zeigen.

Das höchste Gesetz ist die Liebe zu Gott – und das man ihm folgen soll. Gott ist die Liebe; so steht es in der Bibel. Darunter ist nicht nur eine kitschige Version der Schwärmerei zu verstehen – welche völlig verengend ist.  Genauso wie die Assoziation dass die Liebe zum „Vater“ oder „Jesus“ mit Homosexualität zu verstehen ist. Liebe kann sich auch in Strenge äussern, in Leidenschaftsloser Hingabe  sowie  in Taten und dem unterlassen von Taten.

Viele schüchterne, zurückhaltende, gekränkte oder ausgeschlossene Menschen können sich mit diesen Erkenntnissen aus dem Gefängnis ihrer „Nerdigkeit“ befreien. Denn tatsächlich ist es zwar lustig und cool mit 17 oder 23 ein Nerd zu sein. Mit 33 wird es lächerlich, mit 45 nur noch tragisch. Es steht an, seine Identität völlig austauschen zu lassen gegen eine Hingabe an das Höchste der Existenz – was die Nerdigkeit ja eigentlich ist!

Dadurch verliert das „Nerd-Universum“ seine Macht, wird aber transzendiert und auf einer völlig anderen Art wertvoll und wichtig. Einsames betrachten von Diskussionen, Filmchen, Nachrichten und Porn wird weniger wichtig. Die innere Unschuld mit welcher man sich auf neue Wissensgebiete stürzte, taucht wieder auf. Eine Spannung im Inneren entsteht – man kann sich wieder über Dinge freuen wie früher.

Und DAS ist wirklich, wirklich, wirklich sehr wertvoll. Als ich diese Erkenntiss gewann, und immer wieder entdeckte wie die Gefühle wieder in mir lebendig geworden sind, schrieb ich den Beitrag über „Ambrosia“ auf diesem Blog.

Um einmal konkret zu werden: Kennt jemand das faszinierende Gefühl, als man in den Jugendjahren zum ersten mal ein SNES (Super NES) Spiel spielte, dort sanft und ruhig von der Musik verzaubert und berührt wurde? Als ganz langsam die Schönheit des Spiels sich entfaltete, die Figuren überzeugten und man beispielsweise aus vollem Herzen versuchte eine andere Figur durch den Sieg gegen einen bösen Gegner zu retten? Dieser „Jugendelan“?

Von diesem Gefühl spreche ich.. Nicht das Alter, nicht die Untaten, nicht die Verletzungen, nicht das eigene Versagen, gar nichts kann dieses Gefühl verdrängen, zerstören, vergehen lassen. Dies bedeutet es, wenn man „in Jesus“ wandelt; die Liebe Gottes geht viel weiter als wir es uns vorstellen können. Er liebt auch an uns wenn wir etwas kleines, winziges unbedeutendes lieben. Etwas was wir nur aus unserer Perspektive heraus lieben können und auch nur ewas was wir innerhalb einer bestimmten geistigen Phase lieben können.

Klar muss man sich dahin wenden, sagen dass man es will und ehrlich suchen. Es ist ein ehrliches Herz nötig – sonst geht es nicht. Wie soll man „innere Unschuld“ erlangen, wenn man es nicht möchte? Man weiss ja das man lügt wenn es nicht so ist.

Jedenfalls ist der Lohn gigantisch, so gross das ich ganz Kleinlaut werde wenn ich es mehr und mehr erfasse. Und man lernt wieder Tränen zu haben, wie damals als bei Secret of Evermore die Zerstörung der Stadt klar wurde.

Gruss,

Templarii

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2 Kommentare zu “Das Leiden der Nerds

  1. „Im Christentum zeigt sich Gott als sensibler Mann der mitleidet und sich mitfreut.“
    -ich möchte hier doch widersprechen, weil ich häufig das Gefühl habe, der historische Jesus wird (vor allem in modernen und liberalen Kreisen) nur zu gerne als eine blutarme Gestalt gezeigt, die alle liebt und zu allen nett ist und mit homoerotischem Touch Jünglinge um sich gesammelt hat. NEIN! Wer sich einmal die Evangelien vornimmt, dem fallen spontan mehrere Stellen ein, die dagegen sprechen und die Jesus tatsächlich eher als herrschsüchtig, fordernd und gefühllos[!] aussehen lassen, z.B.: „Wer Vater und Mutter mehr liebt als mich, ist meiner nicht würdig!“ oder als er einigen seiner Jünger nicht einmal Zeit für Trauer und das Begräbnis der Eltern lässt, sondern sagt, sie müssen sofort mitkommen. Generell ist der gute Mann auch so viel gereist, dass daraus ein kräftiger Körper abzuleiten ist, aber auch sehr wenig Einrichtung auf Kranke und Schwache. Jesus lädt sich dauernd selbst irgendwohin ein (Zacharias). Als seine Mutter und die Apostel zu ihm wollen, sagt er forsch: „Meine Mutter ist wo meine Brüder sind“,- das ist nicht nett und fast schon gg. das 4. Gebot gerichtet. Petrus, immerhin jemand, der für ihn alles stehn und liegen gelassen hat, bezeichnet er als Satan und in seinen Handlungen und Reden stößt er praktisch alle und jeden vor den Kopf und verletzt zu tiefst, was wir heute als „religiöse Gefühle“ bezeichnen würden (Aufopferung im Tempel, Vertreibung der Wechsler aus dem Tempel, sonstige Streitgespräche mit den Juden).

    Ansonsten glaube ich, dass das Nerd sein an sich, noch keine gute Präposition für die Wirksamkeit des hl. Geistes in jemandem ist. Diese Sensibilität kann durchaus auch vom eigenen Träger als Schwachheit und Lasr empfunden werden, in dieser Einstellung wird daraus mit Sicherheit kein fruchtbares Feld für den Herrn….

    • Er hat nicht Petrus als Satan bezeichnet, sondern Petrus der vom Geist Satans durchweht worden ist.. Es geht darum was Petrus gesagt und gemeint hat – wohin er ihn führen wollte.

      Man kann durchaus Gefühlvoll sein, aber für andere Gefühllos darstehen. Du verwechselst Sensiblität und Mitleid mit Schwäche. Tatsächlich muss man sehr stark sein um, ohne seine Persönlichkeit zu zerstören, mitzuleiden und sensibel zu sein.

      Ich wollte ja auf das Verhalten der Nerds verweisen, dass ihre Sichtweise ausserhalb des Christentums überhaupt keinen Sinn ergibt.

      Gruss

      Templarii

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