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In einem Gespräch über die Religionen habe ich einmal verkürzt wiedergegeben, was die Unterschiede in den Weltreligionen sind. Der Gedanke dahinter führte mich zu interessanten weiterführenden Gedanken die ich hier veröffentlichen möchte. Was hat das Christentum mit dem Unternehmergeist zu tun..

Zuerst ein Vegleich: Im Islam ist man ein guter Mensch wenn man die Regeln und Gebote Allahs minutiös einhält. Dieser Mechanismus führt dazu, dass man es versucht. Und wenn man es nicht kann – alles beseitigt was einen guten Moslem daran hindert. Oder zum Djihad, weil ein Märtyrer sowieso in den Himmel zu Allah kommt. Scheitern ist nicht Teil des Konzeptes – wer scheitert kommt in die Hölle und ist von Allah bestraft.

Im Judentum gibt es ebenso solche Regeln die einzuhalten sind, die Juden warten auf den Messias der sie zu neuen Höhen führt – auch da spielt Scheitern keine Rolle, scheitern ist Teil der Bestrafung durch Gott oder eine Prüfung.

Das Kastensystem der Hindus ist eh wie ein Gefängnis – dort ist wirtschaftlicher Aufstieg eher widersprüchlichlich zur Gesesellschaftsstruktur.

Im Christentum ist jeder Mensch ein Sünder. Jesus starb am Kreuz weil Gott wusste, dass kein Mensch die heiligen Regeln (aus dem alten Judentum) perfekt einhalten konnte – das hat nur einer gemacht, dieser jemand war Jesus Christus. Man kann durch Taten nicht in den Himmel, dementsprechend ist man aber auch durch das Scheitern nicht bestraft, sondern es bekräftigt sich nur die Wirklichkeit der Sündenhaftigkeit die den Opfertod vom Lamm Gottes benötigte. Jesus starb am Kreuz weil wir uns selbst nicht erlösen können. Scheitern, schwach sein, unzulänglich sein ist kein Weg in die Hölle.

Ich möchte damit auf die Unterschiedliche Mentalität der Europäer und der Amerikaner verweisen. Man sagte mir, dass in Amerika ein Mensch der scheitert kein Versager ist – sondern daraus gelernt hat und etwas neues Anpacken kann und soll. Man stellt solche Leute ein weil sie Erfahrung haben.

In Europa ist ein Mensch der scheitert ein Versager. Er wird gemieden, er wird zum Aussenseiter, muss womöglich woanders neu anfangen. Ich glaube dies hat mit dem fehlendem Christentum zu tun. Wer nicht lernt – dass Scheitern ein Teil des Ganzen ist, das die Erde eine Symphonie aus Tragödien und Komödien ist – wird auf Teufel komm raus versuchen nicht zu scheitern. Da dies einfach nicht möglich ist, vermeiden es dann alle zu Scheitern, dies führt zu Apathie und Tatenlosigkeit. Niemand möchte Aussenseiter sein, niemand möchte so ein Stigmata tragen.

Im heutigen Europa, säkularisiert, atheistisch, offen antireligiös, ist der Gesellschaftliche Konsens so -dass man nichts tun sollte dass anderen schadet oder schaden könnte. Eine sich gegenseitig herbeizwingende agressive Apathie und unbewusste Gier regiert. Sowohl von Seiten der Regierungen, der Banken, der Wirtschaftskolosse, der Sozialhilfeempfänger, der Scheidungsfrauen als auch der Arbeiter. Darum sind die Europäer so passiv und wie „traumatisiert“ dabei aber gleichzeitig extrem agressiv. Scheitern, schaden, hinfallen, erneut versuchen – völlig unbekannt. Wenn jemand Scheitert ist jemand anderes Schuld – man scheitert ja nicht selbst, darum auch „Occupy Everything“! Wenn jemand etwas riskiert, dann riskiert er das Scheitern anderer – das ist verboten. Der Omnipotente Sozialhilfestaat ist eine „Scheiternvermeidungsgötze“ um ja das Negative zu vermeiden.

Ich bin der Meinung dass wir eine wirkliche, tiefgehende Umkehr zum Christentum brauchen um die Situation in Europa zu verbessern. Nur eine Philosophie des Scheiterns die Schwachheit und Tod umfasst anstatt sie zu verleugnen und auszublenden, ermöglicht uns zu ändern. Zumindest haben dann Moralapostel weniger Macht in dem sie irgendwie behaupten dass ihre Gedanken und Organisationen „das Paradies auf Erden“ bringen.

Die Risikobereitschaft wird steigen, der Unternehmensgeist wird wieder Teil unserer Kultur.

Dies ist alles sehr schwer nachzuvollziehen wenn man sich nicht in den Glauben stürzt, wenn man fühlt wie die Grösse und Weite in einem wächst und man plötzlich frei atmen kann. Aber dies kann man lernen. Und die fehlende Freude am Unternehmergeist wird erklärbarer.

Darum glaube ich auch dass die „christliche-moderne“ eine wichtige Option ist.

Gruss, Templarii

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6 Kommentare zu “Der Unternehmensgeist und sein Grund im Christentum

  1. Ein sehr interessantes Thema.

    Rodney Stark hat in seinem Werk „The Victory of Reason“ ausführlichst und mit zahllosen Quellen dargelegt, wie aus der christlichen Theologie und dem mittelalterlichen Klosterwesen sich der Kapitalismus entwickelt hat:

    http://www.amazon.com/Victory-Reason-Christianity-Freedom-Capitalism/dp/0812972333/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1322600984&sr=8-1

    Zwar steht die Bibel dem Zinseswesen kritisch gegenüber (Sünde der Wucherei, siehe Jesus Worte im Lukas-Evangelium, 6:34-35), doch Kirchenväter wie Augustinus und Aquin haben dargelegt, dass Handel und Zinswesen nicht inhärent sündig sind, sondern lediglich so weit, wie das Individuum es zur Sünde verkommen lässt. Augustinus erklärte auch schon, dass der gerechte Preis für eine Ware durch die Nachfrage danach bestimmt wird. Aquin (und der Heilige Albertus Magnus) erklärte im Hochmittelalter, dass Gewinne zu machen moralisch legitim ist und zitierte wiederum Augustinus welcher schrieb, dass es natürlich und gesetzesgemäss sei, billig zu kaufen und teurer weiter zu verkaufen. Auch Aquin bestätigte, dass der Wert eines Gutes von Angebot und Nachfrage bestimmt wurde – er respektierte somit die Mechanismen des freien Marktes.

    Diese christlich-theologischen Voraussetzungen öffneten den Weg für den „religiösen Kapitalismus“, wie Randall Collins es nennt, welcher in den Klöstern seinen Ursprung nahm, dann auf die norditalienischen Städte der Renaissance überging und sich schliesslich in Richtung Nordeuropa ausbreitete (die „protestantische Ethik“ wie sie Max Weber beschrieb kam tatsächlich erst viel später und baute auf katholische Grundlagen auf).

    Ein gewisser Lesper K. Little meinte zu der Sicht christlicher Theologien auf Profite, Eigentumsrechte, Kredite und Geldverleih: „In each case they came up with generally favorable, approving views, in sharp contrast to the attitudes that had prevailed for six or seven centuries right up to the previous generation“.

    Die effektive Keimzelle des Kapitalismus bildeten dann die Klöster – bewaffnet mit der Benediktinerregel oder davon abstammende Regeln, welche das Verrichten von Arbeit als einen Weg zur Ehrung Gottes ansehen.

    Mit dieser Einstellung bebauten die Mönche immer mehr Land, welches sie von Adeligen erhielten und begannen sich im Laufe dieser Entwicklung in ihrer Warenproduktion zu spezialisieren und zu handeln. Beispielhaft für diese Entwicklung ist das Kloster in Cluny oder auch jenes in St.Gallen, welche mehr einem riesigen Werkgelände mit Werkstätten, Ställen, Manufakturen und Warenhäusern gleichen, als stillen Rückzugsorten von Asketen.

    Sie entwickelten ein weitsichtiges Management-System welches auf Leistung und Kompetenz basierte und nicht auf Herkunft. Dies garantierte eine Nachfolge von talentierten Verwaltern welche komplexe Pläne verfassen und umsetzen konnten (die Idee der „rationalen Firma“).

    Klöster förderten auch die Entwicklung einer Münzgeld-Ökonomie, indem sie einander und den Adligen Geldbeträge mit Zins liehen und Hypotheken auf Ländereien herausgaben. Im Zuge dieser Entwicklung begannen Klöster bezahlte, freie Arbeiter anzustellen, welche motivierter und produktiver als Leibeigene waren, da diese durch ihre leistungsabhängige Entlöhnung ein persönliches Interesse an guter und hochproduktiver Arbeit hatten.

    Es wird somit klar, dass der Kapitalismus seine Wurzeln in der christlichen Ethik und Theologie hat.

    Brüderlicher Gruss,
    Manifold

    • Hui,

      das Buch wird sofort gekauft und gelesen.. Danke für die vielen Informationen. 🙂 Und ja, es ist schon wunderlich was so alles einfach gelaufen ist. Kein wunder das alle in die Klöster wollten!

      Ich bin mir sicher so etwas ähnliches ginge Heute auch.

      Templarii

  2. Schöner Artikel und erhellende Antwort von Manifold.
    In letzter Zeit ertappe ich mich häufig dabei, wie ich mich auf dieser Seite wiederfinde und beim Lesen der Texte eine Ruhe wiederfinde, die ich auf anderen Seiten oft verliere. Zeitungen und Blogs transportieren das Schlechte an dieser Welt, den Untergang unserer Kultur und Zivilisation und der Leser wird immer wieder in den Strudel des Destruktiven hineingezogen und davon geistig erschöpft.
    Aber auf dieser Seite kann der Geist wieder Ruhe finden und in kontemplativer Reflexion über das, was über dieser Welt steht, sich erholen.
    Auch wenn ich nach wie vor nicht glauben kann, schätze ich Ihre Arbeit ungemein.

    • Mir geht es sehr ähnlich – ich vermeide eigentlich immer mehr die Nachrichten und Fernsehen sowieso. Ein Sturm zieht auf, man sollte die Fenster verrammeln. Ich glaube es werden starke Bürgerkriegsähnliche Zustände auftreten, vor allem wenn die EU kein Geld mehr überall hineinpumpen kann.

      Die Ruhe, über die ich mich freue das sie wahrgenommen wird, ist nicht meine. Es ist nur das was ich Wahrnehme und versuche weiter zu vermitteln. Es ist schön das zu fühlen, vor allem wenn ein Sturm aufkommt. Diese ganze Zerfaserung nervt mich nur noch, es ist nicht produktiv, führt nirgendswo hin, alle schreien und schimpfen und jaulen und jammern. Auch echte Angst und Furcht ist da, aber inzwischen glaube ich bemerkt zu haben wie sich manche Kulte selbst zugrunde richten – man muss nur zuschauen.

      Templarii

      • Ja, ich denke auch, dass ein Sturm aufzieht. Und ich versuche, mich zu rüsten. Physisch ist dieses Aufrüsten auch kein Problem. Spirituell schon eher, denn wie gesagt: Ich schaffe es nicht zu glauben.
        Und trotzdem oder vielleicht genau deswegen, ist dieser Blog so tröstlich.
        Inmitten des ganzen Resignierens oder Aufrufens zum kämpfen, inmitten all der unerfreulichen Nachrichten und Spiegelungen des Weltlichen, erhält man hier Einblick in ein Erleben des Mysteriums, das uns alle umfängt und das letztlich grösser ist als all unsere Kämpfe.
        Es ist, wie wenn man in eine alte Kirche kommt und auf einmal diese ganze Ruhe, Gelassenheit, auch die leise Trauer und die Hoffnungen aus Jahrhunderten spürt. Auf einmal erkennt man, dass das eigene Leid schon x Male über Jahrhunderte durchlebt wurde. Der Mensch und all sein Ausschlagen, all sein Nicht-Wissen und all seine Tragödien, das Kämpfen, das Resignieren und das Orientierungslos-Sein, sie alle sind schon dagewesen und es gibt keinen Trost ausser dem Gedanken, dass letztlich alles vergänglich ist.
        Ich glaube mittlerweile auch, dass die kommenden Stürme nur unbeschadet überstanden werden können, wenn man es schafft, das zu erkennen, was grösser und was ewig ist. Und egal, ob man glaubt oder nicht: Das Christentum ist am Ende die einzige „Ideologie“, die dazu dient, aus dem rohen Menschenmaterial, aus dem Staub und der Asche, die wir alle sind, etwas Schöneres und Edleres zu formen.

      • Das ist aber sehr poethisch.. Darüber sollte man mal ein Bild malen, in Öl. Also die alte Kirche.

        Ich habe geglaubt, den glauben verloren oder weggeworfen und bin dann nach 10 Jahren Kampf gescheitert. Sie müssen nicht glauben! Sie nicht von alleine glauben. Der Glaube kommt von oben, er ist ein Geschenk. Wenn sie wollen, dann können sie drum bitten.

        Mir selber hat das geholfen:
        „Bittet, so wird euch gegeben werden; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan werden! Denn jeder, der bittet, empfängt; und wer sucht, der findet; und wer anklopft, dem wird aufgetan werden.
        Oder welcher Mensch ist unter euch, der seinem Sohn, wenn er ihn um ein Brot bittet, einen Stein gäbe, oder auch, wenn er um einen Fisch bittet, ihm eine Schlange gäbe? Wenn nun ihr, die ihr doch böse seid, euren Kindern gute Gaben zu geben wisst, wieviel mehr wird euer Vater in den Himmeln denen Gutes geben, die ihn bitten!“
        Matthäus 7,7-11

        Templarii

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