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Im Diskurs um Religion und Wissenschaft hat sich Papst Benedikt XVI. schon verdient gemacht, als er noch Kardinal Ratzinger war. Im Zentrum seiner Theologie steht die Wahrheit des christlichen Glaubens.

Religion und Wissenschaft als Ausdruck von Vernunft und Wahrheit

Religion und Wissenschaft spielen als Ausdruck der Vernunft gleichermaßen eine berechtigte Rolle beim Versuch des Menschen, zu einer Orientierung in der Welt zu gelangen. Glauben und Wissen sind gleichberechtigte Annäherungen an die Wahrheit. Die Wahrheit gibt sich der Vernunft nur zu erkennen, wenn sich das Beweiswissen der Wissenschaft mit dem Offenbarungswissen der Religion eint, wenn dem Aufstieg der Forschung neben dem Fortschrittswillen immer die Fähigkeit und Absicht zur demütigen Selbstbegrenzung erhalten bleibt, wenn scientia von con-scientia begleitet wird, wenn also – so könnten wir aus christlich-katholischer Sicht sagen – dem Streben nach Erkenntnis die Ehrfurcht vor Gott innewohnt, ohne dass dogmatische Denkverbote bestünden, wenn statt dessen Denken und Glauben – gleichberechtigt sich ergänzend – zur Generierung von Wissen und Weisheit dienen, kurz: Wahrheit ist dort, wo Religion und Wissenschaft als Modi menschlicher Kultur ernst genommen werden und ihre Erträge so aufgefasst werden, dass sie gemeinsam dem Menschen dienen können. Den Beweisbegriff der Wissenschaft auf die Religion zu stülpen ist dabei so falsch wie den Erlösungs- und Heilsanspruch der Religion auf die Wissenschaft anwenden zu wollen.

Geweitete Vernunft.

Dies ist in etwa die theologische bzw. philosophische Position Joseph Ratzingers. Er nahm diese Position im Diskurs um Vernunft und Wahrheit, Religion und Wissenschaft als Hochschullehrer und Kurienkardinal ein, er vertritt sie auch heute als Papst Benedikt XVI. In diesem Sinne spricht Ratzinger/Benedikt auch von „geweiteter Vernunft“. Er sagt: „Um die Herausforderungen, die die gegenwärtige Kultur stellt, richtig zu verstehen und angemessene Antworten darauf zu finden, ist es notwendig, eine kritische Haltung einzunehmen gegenüber einengenden und letztlich irrationalen Versuchen, den Bereich der Vernunft einzuschränken. Der Vernunftbegriff muss im Gegenteil ,geweitet’ werden, damit man jene Aspekte der Wirklichkeit untersuchen und erfassen kann, die über das rein Empirische hinausgehen. Das ermöglicht einen fruchtbareren und komplementären Zugang zur Beziehung zwischen Glauben und Vernunft.“

Der christliche Glaube ist vernünftig

Der Papst ist damit nicht nur der Auffassung, dass Religion und Vernunft sich nicht widersprechen, sondern dass der Glaube „zur Vernunft spricht und der Vernunft im dialektischen  Vergleich standhalten kann“. Religiöser Glaube ist vernünftig, wenn er „aus der ewigen Vernunft hervorgeht, die in unsere Welt gekommen ist und uns den wahren Gott gezeigt hat“. Anders ausgedrückt: Religiöser Glaube ist vernünftig, wenn er christlicher Glaube ist. Benedikt meint, dass der christliche Glaube vernünftig ist, weil er die Wahrheit anspricht, denn er beziehe sich „auf jenes Göttliche, das die vernünftige Analyse der Wirklichkeit wahrnehmen kann“. Christlicher Glaube ist keine Tradierung von politisch motivierten Riten oder eines kulturalisierten Mythos, sondern eine Gottesbeziehung, die an Welt und Wirklichkeit erfahren und erprobt werden kann. Im Anschluss an Augustinus bezeichnet Benedikt das Christentum auch nicht als „Religion“, sondern als Teil der philosophischen Aufklärung, die wiederum ein Teil der Ideengeschichte Europas ist. Benedikt: „Zum europäischen Erbe gehört schließlich eine Denktradition, für die eine substantielle Korrespondenz von Glaube, Wahrheit und Vernunft wesentlich ist.“ Diese Denktradition ist das Christentum.

Die größere Vernunft Gottes

Der christliche Glaube kann aber nicht nur mit der menschlichen Vernunft Schritt halten, sondern er „führt gleichzeitig über sie hinaus – er führt den Menschen in die größere Vernunft Gottes ein“, aus der unsere Welt und Wirklichkeit hervorgehen und mit der unser Glaube möglich wird. Diese „größere Vernunft“ ist ewig und schöpferisch. Die Welt, so Benedikt in seinem Buch „Jesus von Nazareth“, „kommt aus der ewigen Vernunft, und nur diese schöpferische Vernunft ist die wahre Macht auf der Welt und in der Welt. Nur der Glaube an den einen Gott befreit und ,rationalisiert’ wirklich die Welt. Wo er verschwindet, wird die Welt nur scheinbar rationaler. In Wirklichkeit müssen nun die Mächte des Zufalls anerkannt werden, die unbestimmbar sind; die ,Chaostheorie’ tritt der Einsicht in die rationale Struktur der Welt zur Seite und stellt den Menschen vor Dunkelheiten, die er nicht auflösen kann und die der rationalen Seite der Welt eine Grenze setzen. ,Exorzisieren’, die Welt in das Licht der ratio stellen, die von der ewigen schöpferischen Vernunft und ihrer heilenden Güte herkommt und auf sie zurückweist – das ist eine bleibende, zentrale Aufgabe der Boten Jesu Christi.“

Dem Papst geht es nicht um die Stärkung der epistemologischen Lage der Wahrheit des christlichen Glaubens gegen die Wahrheit der Wissenschaft, sondern darum zu zeigen, dass beide in eins fallen. Dem vernünftigen Glauben (Benedikt: „Ohne Vernunft verfällt der Glaube; ohne Glaube droht die Vernunft zu verkümmern.“) kommt dabei die Aufgabe zu, die Vernunft zu schützen und zu bewahren: „Der Glaube schützt die Vernunft, da er fragende und forschende Menschen braucht. Nicht das Fragen behindert den Glauben, sondern jene verschlossene Haltung, die nicht fragen will und die Wahrheit als etwas betrachtet, das unerreichbar oder nicht der Mühe wert ist. Der Glaube zerstört die Vernunft nicht, er bewahrt sie und bleibt sich dadurch selbst treu.“ Benedikts Botschaft: Wahrheit ist erreichbar, die Erkenntnis der Wahrheit ist möglich.

Wahrheit. Heute ein Schimpfwort

Heute, wo „intersubjektive Bestätigungsfähigkeit“ das non plus ultra der Erkenntnistheorie ist, vermag eine solche Botschaft zu provozieren. Sorgt sie in der akademischen Wissenschaftslehre für ein spöttisches Lächeln, führt sie in den Feuilletons zu Entrüstungsstürmen. „Wahrheit“ ist heute – zumal in der Religions- und Weltanschauungsfrage –  ein Schimpfwort. Jeder, der sich darauf bezieht, gerät unweigerlich in den Verdacht der Intoleranz und des Totalitarismus, ohne dass bemerkt würde, dass dieser Verdacht selbst intolerant und totalitär ist, weil er Menschen zu nötigen versucht, von ihren tiefsten Überzeugungen abzulassen. Wer es wagt, von Wahrheit zu sprechen, bekommt es mit dem Zeitgeist zu tun. Dieser toleriert ausschließlich die Haltung eines radikalen Relativismus’, der keinen kontextunabhängigen Standpunkt mehr zu vertreten duldet, der sich mithin ganz auf nicht-empirische, zeitlose Wahrheiten beruft, kurz: der von Gott spricht. Doch Toleranz bedeutet ja nicht, alles gleich gelten zu lassen (das wäre Gleichgültigkeit), sondern im Zweifel zu ertragen, dass der Andere eine andere Meinung hat und diese auch gelten zu lassen, insoweit als man dem Anderen zubilligt, dass er seine Überzeugung über die eigene, während man selbst die eigene Überzeugung über seine stellt. Beides ist gültig, aber nicht gleich gültig.

Heute ist bereits intolerant, wer überhaupt von Wahrheit spricht. Toleranz heißt nicht mehr „Respekt vor Überzeugungen anderer, sondern Ablehnung jeder Überzeugung“, analysiert der Philosoph Robert Spaemann die Zeitgeist-Position der Mehrheit. Gerade Religionen, die wesentlich vom Absoluten handeln, stehen dabei im Verdacht, die objektive Wahrheit (wenn es sie denn gibt) und ihre Überzeugung davon, dass es sie nicht nur gibt, sondern dass sie diese auch gefunden haben, systematisch zu verwischen, und infolgedessen diejenigen, die diese Auffassung nicht teilen, als Menschen abzuwerten.

Der Wahrheitsanspruch der Kirche

Die Kirche hat in den letzten Jahrzehnten (also: nach dem II. Vatikanischen Konzil) ihren Wahrheitsanspruch sehr zurückhaltend vertreten. Bei Benedikt, so Martin Mosebach gestern in der Online-Ausgabe von „Die Welt“, spüre man „den beinahe schon vergessenen Wahrheitsanspruch der Kirche zurückkehren; es wird deutlich, dass der Papst es mit seinem Kampf gegen den Relativismus ernst meint und dass er vor allem die Katholiken dafür gewinnen will, wieder katholisch zu sein.“ Das, so Mosebach, begreife „ein einflussreicher Teil der veröffentlichten Meinung als Kriegserklärung. Ihre Antwort darauf ist: Dieser Papst darf keinen Fuß auf den Boden bekommen.“ Das ist sehr schade. Denn damit wird jemandem, der sich seit Jahrzehnten um die Vernunft verdient gemacht hat, sehr unvernünftig begegnet. Oder geht es am Ende gar nicht um die Vernunft, wie sie Benedikt verstanden wissen will? Ja, geht es noch nicht einmal um die behagliche Beliebigkeit des „anything goes“? Geht es vielleicht doch um die „reine Vernunft“ wissenschaftlich-technischer Rationalität? Dann hätten wir das alte Problem einer Aufklärung, die nicht über sich selbst aufgeklärt ist und in ihrer unverstandenen Dialektik dem Licht der Vernunft, das sie verherrlicht, allmählich die Strahlkraft nimmt, weil sie es ständig überlastet, indem sie es in ihrer Erlösungshybris das Licht Gottes ersetzen lässt, da sie fürchtet, der Glaube lasse es ganz erlischen. Doch Religion dreht der Wissenschaft nicht den Strom ab, solange diese jene als Kraftwerk wertschätzt. Das ist nicht mehr grundsätzlich der Fall. Damit gibt Wissenschaft gerade das preis, was sie ausmachen sollte: Vernunft.

Kausalität und Finalität

Der Mensch muss sich, um mit Hans Jonas zu sprechen, offen halten für den Gedanken, dass die Naturwissenschaft nicht die ganze Wahrheit über die Welt aussagt. Nicht jede Frage, die über das naturwissenschaftliche „Wie?“ hinausgeht, ist „unvernünftig“. Das zeigt sich schon daran, dass sich dem Menschen als animal rationale die Frage nach dem „Warum?“ so stark aufdrängt, dass er sie nicht unterdrücken kann. Religionen als menschliche Formen des Glaubens an eine höhere Macht sind die historisch gewordenen Antworten menschlicher Kultur auf die ewige Warum-Frage.

Ein möglicher Ansatz, die beiden unterschiedlichen Ebenen der Wahrheit zu differenziert, könnte in der Unterscheidung von Kausalität und Finalität liegen. Dabei gilt es, den spezifischen Stärken der beiden Zugangsweisen Rechnung zu tragen: So wenig wie durch religiösen Glauben Partikularprobleme gelöst werden können, so wenig kann die Wissenschaft die Ganzheit und Fülle des Lebens erklären. So wenig, wie der Glaube eines Menschen exemplarisch und situativ wirkt (exklusiv auf diesen einen Fall hier und jetzt bezogen), so wenig wirkt der Mensch qua Information und Wissensbestand in die Ewigkeit, weil seine Fähigkeit zum reinen Vernunftgebrauch für diese „letzten Fragen“ nicht ausreicht – was schon Kant zugeben musste. Der Mensch braucht Benedikts „geweitete Vernunft“, wenn er nicht den Transzendenzbezug gänzlich aufgeben und zum hic-et-nunc-Wesen degenerieren will. Damit würde er sich jedoch selbst der Besonderheit seines Mensch-Seins berauben.

Wenn es also um unsere Erkenntnis oder unser Erahnen von Ursachen geht, muss streng zwischen Kausalität und Finalität unterschieden werden. Religion und Wissenschaft teilen sich die Erkenntnisarbeit: Wissenschaftler erforschen die Kausalität und kommen zu erstaunlich genauen Abgaben über das Was, das Wie und das Warum gerade so? Doch Gott ist größer als das, was naturwissenschaftlich ergründbar ist. Darum widmet sich die Religion der Finalität und stellt die Frage nach dem Warum überhaupt beziehungsweise dem Wozu?

Die Beschränktheit der Naturwissenschaft

Die Naturwissenschaft ist methodisch und inhaltlich beschränkt. Wie die Befunde der Geistes- und Kulturwissenschaften auch, müssen ihre Ergebnisse im Lichte der spezifischen Methodik und der bestimmten zugrundeliegenden Fragestellung aufgenommen, gedeutet und kritisiert werden. Denn der Erkenntnisweg und das Erkenntnisinteresse wirken sich unmittelbar auf die Erkenntnis selbst aus.

Naturwissenschaftler sollten mithin vorsichtig sein, auf Menschheitsfragen, die sie gar nicht gestellt haben, abschließende oder zumindest als ausschließlich gültig verstandene Antworten geben zu wollen, denn diese Fragen gehören gar nicht in ihr Gebiet. Mit einem solchem Übergriff in die Sphäre der Erklärungskultur des Übernatürlichen, wie sie Theologie und Philosophie vertreten (durchaus auch so, dass die Existenz der Übernatur mit metaphysischen Argumenten in Abrede gestellt wird), würde sich die Naturwissenschaft nicht nur zur Leitkultur, sondern unzulässigerweise auch zu einer neuen Metaphysik aufwerten, denn damit verließe sie den Boden ihres empirisch bestimmten Aussagerahmens und würde ebenso spekulativ wie die Theologie und Philosophie. Bedenkt man, dass es sich dabei um schlechte Metaphysik handelt, weit spekulativer als Theologie und Philosophie je waren.

Benedikt meint, dass „die methodische Beschränkung der Naturwissenschaft auf das experimentell Überprüfbare geradezu zum Ausweis der Wissenschaftlichkeit, ja, der Rationalität überhaupt wird“. Der methodische Verzicht, so der Papst, sei „im Rahmen empirischer Wissenschaft sinnvoll, ja nötig“, werde allerdings damit „zur Mauer gegenüber der Wahrheitsfrage: Im Grunde geht es um das Problem Wahrheit und Methode, um die Universalität eines streng empirischen Methodenkanons.“

Vielfalt des menschlichen Geistes

Benedikt verweist darauf, dass bereits sein Vorgänger Johannes Paul II. in der Enzyklika „Fides et ratio“ (1998) die „Vielfalt der Wege des menschlichen Geistes, die Weite auch der Rationalität, die je nach der Weise des Gegenstandes auch unterschiedliche Methoden kennen muss“ verteidigt habe. Das nicht Materielle könne nicht „mit Methoden angegangen werden, die dem Materiellen gemäß sind“. Das bedeutet: So groß die Erklärungskraft naturwissenschaftlicher Forschungszugänge sein mag, die seelisch-geistigen und sozial-ethischen Anlagen des Menschen werfen Fragen auf, die diesen Aussagerahmen sprengen. Und wenn der „Gegenstand“ der Metaphysik angehört, man denke etwa an den Gottesbegriff, dann schließt das eine empirische Zugangsweise von vorneherein aus. Das II. Vatikanische Konzil warnte davor, nachdem es den durch den wissenschaftlichen Fortschritt gewonnenen Nutzen anerkannt hat, die „Forschungsmethode dieser Disziplinen unberechtigt als oberste Norm der Wahrheit schlechthin“ anzusehen. Die Methoden der Wissenschaft sind für einige Fragen schlicht ungeeignet. Einer metaphysischen Frage sollte man mit Metaphysik auf den Grund gehen, einer naturwissenschaftlichen mit Naturwissenschaft.

Ferner gilt, dass dieselbe „Sache“, etwa der Mensch, sowohl von der Religion wie auch der Wissenschaft in sinnvoller Weise betrachtet werden kann, mit dem jeweils eigenen Erkenntnisinteresse. Die Blutgruppe, das Freizeitverhalten nach Feierabend, die Einstellung zum Betrugsskandal im türkischen Fußball, die Fähigkeit, Zahlenreihen fortzusetzen, die Änderung der Herzschlagfrequenz beim Betrachten von Wahlplakaten – all das kann Gegenstand der wissenschaftlichen Näherung an den Menschen sein, es fragt jedoch aus ganz verschiedenen Richtungen, die einander nicht ausschließen, sondern ergänzen. Und dann fehlt immer noch die religiöse Dimension, die sich selbst freilich auch wissenschaftlich (etwa soziologisch) ergründen lässt – mit ganz eigenen Schwierigkeiten. An die Stelle der Proklamation des Interpretationsprimats hinsichtlich der Frage „Was ist der Mensch?“ muss ein transdisziplinärer Dialog gesetzt werden, der nach Gemeinsamkeiten sucht, ohne fahrlässig die Unterschiede aufzuheben.

Begrenztes Vertrauen in Wissenschaft und Technik

Noch einmal Benedikt: „Der Mensch kann in die Wissenschaft und in die Technologie kein so radikales und bedingungsloses Vertrauen setzen, dass er glauben könnte, der wissenschaftliche und technologische Fortschritt könne alles erklären und alle seine existentiellen und spirituellen Bedürfnisse vollständig erfüllen. Die Wissenschaft kann die Philosophie und die Offenbarung nicht ersetzen, denn sie kann keine erschöpfende Antwort auf die grundlegendsten Fragen des Menschen geben: Fragen über den Sinn des Lebens und des Sterbens, über die letzten Werte und über das Wesen des Fortschritts selbst.“ Es bestehe zudem die Gefahr, so der Papst mit Bezug auf die Konzilskonstitution „Gaudium et spes“, „dass der Mensch in allzu großem Vertrauen auf die heutigen Errungenschaften sich selbst zu genügen glaubt und darüber hinaus nicht mehr sucht“.

Gegen wissenschaftsfeindlichen Fanatismus und religionsfeindliche Scheuklappen-„Aufgeklärtheit“

Religion liefert kein Beweiswissen und Wissenschaft sorgt nicht für Erlösung. Was spricht also dagegen, die menschliche Selbstvergewisserung und Daseinsorientierung beiden Bereichen der Kultur gleichermaßen und gleichberechtigt zuzuweisen? Abgesehen freilich von einem Dogmatismus, wie er leider in den Fundamentalismen beiderlei Provenienz einen festen Platz hat, einem Fanatismus, mit dem man sich die Deutungshoheit im öffentlichen Diskurs dadurch sichern will, dass man etwas lauter brüllt als der Andere.

Es bleibt zu hoffen, dass sich die vernünftige Form des Glaubens in wahrheitsorientierter Religiosität gegen einen intoleranten, wissenschaftsfeindlichen Fanatismus durchsetzt. Es bleibt aber ebenso zu hoffen, dass, um mit Karl Jaspers zu sprechen, „die Gemeinschaft der Vernünftigen“ imstande sein wird, einer religionsfeindlichen Scheuklappen-„Aufgeklärtheit“ zu widerstehen und damit „die schlimmen Folgen des Wissenschaftsaberglaubens aufzuhalten“.

Mit dem Konzept der „geweiteten Vernunft“ und einer positiven Grundhaltung gegenüber der Wissenschaft nährt die Katholische Kirche, allen voran Papst Benedikt XVI., die erste Hoffnung (übrigens nicht erst seit dem II. Vatikanischen Konzil). Es kommt darauf an, dass auch die zweite Hoffnung beständig genährt wird, etwa dadurch, dass man besagte Scheuklappen ablegt. Dazu gibt es jetzt eine gute Gelegenheit: Der Papst kommt. Dem Heiligen Vater auf seiner Deutschlandreise aufmerksam zuzuhören, könnte ein Anfang sein, ins Hirn gebrannte Denkschablonen zu den Themen Vernunft, Wahrheit, Religion und Wissenschaft in Frage zu stellen.

Keine Ahnung mehr wo ich das herhabe – wer es weiss, soll es mir sagen.

Templarii

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2 Kommentare zu “Papst: Religion & Vernunft

  1. Pfaffengewäsche, Pfaffengewäsche (Schiller, Die Räuber). – Wer kann schon „Das große Lalula“ von Morgenstern argumentativ widerlegen?

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