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Die Hinwendung ist ein anstrengender Akt. Ein geistiger Kampf der sehr vieles über einen selbst und das was Mensch sein bedeutet. Manches mal ist es Komplex, dies liegt aber eher an den verworrenen Vorstellungen die man sich selbst aufgebaut hat. Im Grunde ist man damit beschäftigt „geistiges Unkraut“ zu zerstören. Sozusagen die Balken vor den Augen.

Geistig gesehen ist es wie ein aufrichten zu einer Art „geistigen Sonne“. Immer wenn es gelingt, strafft sich der Körper und der Geist. Doch jedesmal schwächt sich nach einiger Zeit die Verbindung, man muss sie wirklich aktiv suchen und danach greifen – oder sich bewusst ergreifen lassen. Es ist aber interessant, die Facetten seines eigenen Geistes werden plötzlich klarer, die falschen Gewohnheiten, die Verhärtungen des Herzen, die innere Trostlosigkeit im Angesicht vieler Ungerechtigkeiten – und die Frage woher die Sehnsucht nach Gerechtigkeit kommt.

An meinem Kind sehe ich den Erkenntissprozess bis zur Bewusstwerdung aller möglichen Dinge. Zum Beispiel dass man Gegenstände in andere Gegenstände hineinstellen kann, das man Taschen tragen kann, das Salz salzig ist, Wasser feucht und so weiter. Neugierig prüft das Kind neue Dinge. Die Nahrung wird so richtig auf eine innere Waage gestellt – und entweder für gut oder für schlecht befunden. Beim letzteren landet es auf dem Boden mit einer eindeutigen Geste und einem eindeutigen Laut. „Bäh!“ Wie ich es liebe diesen Vorgang zu beobachten, es inspiriert und erfreut unheimlich.Man sieht ein Bewusstsein, ein Selbst wachsen. Die Liebe eines Vaters zum Kind. Wenn dass das Erklärmodell für die Liebe Gottes zu seinen Kindern ist – also wir sind die Kinder Gottes – dann sollte mal bedacht werden was dass eigentlich bedeutet.

Einen ähnlichen Erkenntissprozess habe ich auch, doch der Gegenstand meines erforschens ist geistiger Natur. Ich erforsche Gott – im Bewusstsein das er ein ewiges Geheimnis ist. Neue Gedanken werden gedreht und gewendet, neue Wege erprobt, falsches weggeworfen – „Bäh!“, gutes angeeignet. Und ich glaube manchmal eine wohlwollende Zuwendung zu erspähen.

„Wie ist das Verhältnis zwischen mir und meinen Gedankengängen? Welche behindern mich, welche stärken mich? Welche lassen meine Erkenntnisfähigkeiten entfalten? Welche sind nur geistige Mastrubationen? Welche stärken meine Liebe, meine Selbstliebe, meine Gottesliebe, meine Liebe zu anderen, ja gar zu Feinden? Welche lassen mich Hass überwinden? Was lässt mich erschauern, was lässt meine Verrohung verdorren? Was meine Unschuld blühen?

Einige wichtige Werkzeuge sind Demut und Hingabe.

Je aktiver man geistig ist, desto leichter zu verwirren. Man ist wie ein Tintenfisch, die Gedanken greifen nach allem – als wäre man vom Denken besessen. So manches mal merke ich wie „Schweig!“ das beste ist was ich tun kann. Wenn ich mit meiner eigenen Ohnmacht ringe, die Grenze meines Könnens, erkenne wie ich mich selbst beschnitt und lähmte – da sind die Augenblicke in denen man schweigen muss. Man erkennt seine Sünde. Sie lacht einen aus, oder zeigt einem die kalte Schulter. Man scheitert oft an der eigenen Hochmut. Darum braucht es Demut und Hingabe – um vor lauter Stolz zu hören was es da denn wichtigeres und besseres gibt.

Es ist ein Krieg, ein wilder Krieg und das gefällt mir sehr. Meine kriegerischen Instinkte haben das nach einiger Zeit wahrgenommen – man kämpft mit einem Messer zwischen den Zähnen um sich selbst. Was habe ich mir schon alles angetan nur um herauszufinden was Sache ist. Als Christ – mit Gott hat man das Gefühl ein „sicheres Hauptquartier“ zu haben, ein Schutzschild, eine Flamme im Herzen die dabei hilft den Kampf durchzustehen – und noch fester zu kämpfen.

Dadurch lerne ich langsam die Bibelsprüche kennen: (Psalm: 18:2)

„The LORD is my rock and my fortress and my deliverer, My God, my rock, in whom I take refuge; My shield and the horn of my salvation, my stronghold.“

oder in Deutsch:

„Mein Gott ist mein Hort, bei dem ich Zuflucht suche, mein Schild und mein Heilshorn, meine Burg.“

Geistig gesehen ist Gott tatsächlich ein Wundermittel das alle anderen Heilprozesse toppt. Weder Psychologie, noch Schamanismus noch Rituale, noch Magie, noch Lach-Therapie, noch Gesprächstherapie und all die anderen Dinge helfen so gut wie die bewusste Hinwendung zu Gott. Wenn man scheitert, dann kann man sich hinwenden – das Scheitern eingestehen, den Irrtum, das Versagen. Man kann bitten um mehr Kraft, um mehr Einsicht, um einen Ausweg. Langsam aber Sicher werde ich immer überzeugter, und meine „innere Beruhigung“, das sättigen der Gier nach Kontrolle im Leben, nach „Weltfrieden“ und anderem vergeht. Auch die Sucht nach Phantastik und Flucht aus der Wirklichkeit hört auf. Man wird „satt“. Darum glaube ich langsam zu verstehen warum Jesus das „Brot der Welt“ ist. Denn der Mensch lebt nicht nur von Brot allein, sondern auch vom geistigen Brot, das Manna.  Es macht einfach alles Spass. 🙂

Mir macht es Freude die „Dämonen“ umzubringen, widerlegen, verscheuchen die ich selber aufbaute. Und wenn es falsche Leidenschaften sind! Doch er ist nicht mehr selbstzerstörerisch, das hatte ich schon mal erwähnt. Es ist das Suchen nach dem „was stark strahlt“ – das man es sehen kann, oder biblisch gesprochen – nach dem Antlitz Gottes. Interessant ist das es funktioniert, das die Entscheidung Gott zu suchen solch eine Wirkung entfaltet. In so manchen Stunden, als ich meine innere Suche umstellte – die Jahrzehntelangen Gedanken und Erkenntnisse als Gottessuche erkannte – verzweifelte ich mal wieder ob meiner Blindheit. Doch ganz leise kamen mir Worte in den Kopf die ich schon mal gelesen habe: „Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan.“

Innerlich richte ich mich immer mehr darauf ein zu hören was es zu hören gibt. Die eigene Sündigkeit ist gewaltig, wie gerne man sich ablenkt. Wie sehr man doch Ausflüchte in der Wut auf andere findet. Und wie sehr man erkennt dass viele Menschen genauso leben. Irgendwie bekommt man dennoch eine recht stabile Position, es bröselt nicht so. Wenn man die Gefühle, Instinkte, das Unbekannte als Wasser sieht – einfach als Metapher für Emotionen, dann ist das Selbst und das geistige Fundament ständig am bröseln. Es wird ständig abgetragen, ganze Bereiche fehlen nach einem Sturm, man merkt das wömöglich erst Jahre später.

Viele Menschen erkennen erst viel später das eine Begebenheit Ihnen sehr weh getan hat und der Schmerz sie auf einen Lebenspfad brachte der letztendlich negativ war. Sozusagen „nach 10 Jahren herumirren war ich wieder da wo ich vorher war, nur viel schlauer.“ Mir wird klarer und klarer was für Sand das ist, auf dem man sein Leben baut, doch dies erkennt man nur wenn man vom Felsen gekostet hat auf dem man bauen könnte.

Inzwischen veranstalte ich einen Umzug, die Sandbank wird verlassen, es wird aussortiert was mitgenommen wird und was nicht – erstaunlich übrigens was für alte Sachen zum Vorschein kommen. Ich ziehe auf den Felsen, denn als Vater und Ehemann bin ich verantwortlich für eine Familie. Das Verantwortungsgefühl zwingt mich genau zu prüfen, so wie die Schwangerschaft meiner Frau mich dazu führte wirklich alles über Bord zu werfen was hinderte. Und zwar radikaler als alles andere radikale was ich kannte. Kein Satanist, Moslem, Atheist, Kommunist, Nationalsozialist, Anarchist, Pazifist kann so radikal handeln wie ich handelte als ich mich dem Christentum zuwendete. Nichts bringt andere so in Rage wie dies, nichts hat mich jahrelang mehr aufgeregt und wütend gemacht als ein überzeugter Christ. Und nun stehe ich da und lächle zuversichtlich.

Templarii

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6 Kommentare zu “Die Hinwendung zu Gott

  1. Ach was Ärgern. Nazis,Kommis,Liberale allen werden Ihre Lügengebäude über den Köpfen zusammenbrechen. Pfarrer Milch hat das alles mal unter dem Thema : „Wo ist die Hoffnung“ Schön auf den Punkt gebracht. Es geht nicht um Theorien sondern um die Realität. Und in der Realität hat keiner von Ihnen recht. Und selbst wen sie recht hätten mangelt es immer noch an der Moral. Sie Wissen das ganz genau und deshalb…..Naja es ist wie es ist.

    • Hui, das ist ja besser als alles was ich hätte formulieren können. 🙂

      „Es geht nicht um Theorien sondern um die Realität. Und in der Realität hat keiner von Ihnen recht. Und selbst wen sie recht hätten mangelt es immer noch an der Moral!“

      Blaise Pascal hat es mal trefflich formuliert, er meinte das die einen sowie die anderen etwas nicht verstanden haben: Beide Seiten haben Recht, aber keine der Seiten hat Recht wenn sie ihr Denken zur Konsequenz führt. In dieser Sache haben dann beide Seiten nicht Recht.

      Ein Dilemma welches wenige bedenken weil sie sich mit den Gedanken Identifizieren und als Lebensreligion sehen. Darum ist es wichtig etwas höheres, wichtigeres zu haben – eben Gott. Sonst kämpft man um Worte.

      Templarii

    • Das sind aber so Sammlungen seiner Gedanken. Er ist ja gestorben bevor er das Buch fertig schrieb. Etwas schwer zu verstehen am Anfang. Aber Pascal war schon ein Schlaukopf.

      Templarii

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