Home

Innerevangelische Diskussion: Selbst bei den Glaubens-Basics vertiefen sich die Gräben zwischen den theologischen Positionen. Publizist nennt sich „protestantischer Agnostiker“. Pensionierter Superintendent: das Credo sei „fundamentalistische Zumutung“    

Dresden (kath.net/idea) Ist das Apostolische Glaubensbekenntnis ein Schatz oder ein Ballast? Darüber diskutierte ein Podium am 3. Juni beim Deutschen Evangelischen Kirchentag in Dresden.

Beispielsweise sagte der Publizist Christian Nürnberger (Mainz), das Glaubensbekenntnis sei für ihn wie ein Museumsgegenstand – es sei interessant anzuschauen, aber es sei ein Wortspiel, das ausgedient habe. Als Kind habe er geglaubt, dass Jesus Kranke heilen und Tote auferwecken konnte und dass Gott der Schöpfer des Himmels und der Erde sei. In diesem Glauben habe er sich sicher, geborgen und behütet gefühlt.

Nürnbergers Zweifel am christlichen Glauben seien in der Schule und während des Theologiestudiums gewachsen. Dort habe er gelernt, dass die Welt nicht in sieben Tagen und Adam nicht als Erdenkloß erschaffen wurde. Nach dem Theologiestudium habe er keinen Satz des Glaubensbekenntnisses mehr sprechen können. Die ewigen Fragen seien für ihn „ewig unbeantwortbar“. In der Schatztruhe des Glaubensbekenntnisses sei nicht mehr viel drin außer „altem Gerümpel, aber irgendwo ganz unten verbirgt sich ein Diamant“. Man dürfe das Glaubensbekenntnis deshalb nicht komplett abwerfen. Dennoch sei ihm ein Restglaube geblieben, der Gold wert sei. Obwohl er nicht wisse, ob es Gott gibt, spüre er, dass er von Gott gewollt und dass jeder Mensch vor Gott gleich sei. Er sei „ein protestantischer Agnostiker, der der Kirche treu bleibt“, so Nürnberger.

Superintendent: Glaubensbekenntnis ist „fundamentalistische Zumutung“

Der Superintendent im Ruhestand Herbert Koch (Garbsen) sagte, das Glaubensbekenntnis sei für ihn eine „fundamentalistische Zumutung“ und ein wesentlicher Grund für die rückläufige Teilnahme an Gottesdiensten. Höchstens zehn Prozent der evangelischen Mitglieder glaubten an die Jungfrauengeburt und weniger als jeder dritte Protestant, dass Jesus Gottes Sohn sei. Hauptschwierigkeit sei für ihn die „übernatürliche Biographie Jesu“, so Koch. Die Jungfrauengeburt sei „eine fromme spätere Legende“, zudem sei Jesus Analphabet gewesen. Auch rechne er nicht mit der Wiederkunft Christi zum jüngsten Gericht. Koch: „Die Kirche rechnet sicher mit allerlei aber auf keinen Fall mit der Wiederkunft Christi.“ Was kirchliche Leiter wirklich verbinde, sei nicht das Glaubensbekenntnis, sondern das Interesse, die Kirche zu erhalten. Koch forderte dazu auf, von den Quäkern zu lernen: Diese lehnten Dogmen ab, weil diese abgrenzen und andere ausschließen und daher nicht dem Frieden dienten. Das Christentum behaupte eine „unendliche Überlegenheit“ über andere Religionen. Es müsse jedoch auf seine Absolutheitsansprüche verzichten. Die Christen sollten Jesus das sein lassen, was er wirklich war: ein großer Prophet und Weisheitslehrer, so Koch. Die wahren Schätze des Glaubens seien für ihn die Bergpredigt, die „Ringparabel“ des Dichters Gotthold Ephraim Lessing (1729-1781) sowie die Vorlesungen des Theologen Adolf von Harnack (1851-1930) über das „Wesen des Christentums“.

Also bei solchen Trotteln ist mir schon klar warum in Norddeutschland gar nichts mehr läuft. Da ist ja gar nichts mehr vom Christentum übrig. Womöglich war die Reformation doch nur ein Fehler.

Templarii

Advertisements

7 Kommentare zu “Schluss mit dem Credo bei den Protestanten?

  1. Die Reformation war ein Fehler in dem Sinne, dass sie von einem eifernden Unsympathen initiiert wurde (ich werde es nie fertig bringen, in Luther die Lichtgestalt zu sehen, als die er immer und allerorten dargestellt wird). Und dass Leute, die sich selber Christen nennen, sich derart über das Credo äussern können, lässt vermuten, dass es auch einen EHEC-Stamm gibt, der menschliche Gehirne wegfrisst. Ohne Glaubensbekenntnis kein Christ-Sein, das müsste eigentlich noch dem hintersten, letzten und dümmsten Atheisten einleuchten.

  2. „Ihr habt gehört, dass gesagt ist: „Auge um Auge, Zahn um Zahn.“ Ich aber sage euch, dass ihr nicht widerstreben sollt dem Übel, sondern: wenn dich jemand auf deine rechte Backe schlägt, dem biete die andere auch dar. Und wenn jemand mit dir rechten will und dir deinen Rock nehmen, dem lass auch den Mantel. Und wenn dich jemand nötigt, eine Meile mitzugehen, so geh mit ihm zwei.“

    Jesus von Nazareth

    Der Glaube ist die Hoffnung, ihn eines Tages durch Wissen ersetzen zu können. Entartet er zum Selbstzweck (Fundamentalismus), wird nicht mehr nach der Wahrheit gesucht und die Fundamentalisten wollen sie gar nicht mehr hören:

    „Der Herr sagte: Ihr habt alle Dinge verstanden, die ich euch gesagt habe, und ihr habt sie im Glauben angenommen. Wenn ihr sie erkannt habt, dann sind sie die Eurigen. Wenn nicht, dann sind sie nicht die Eurigen.“

    (nicht in der Bibel zu finden)

    Wie wir alle wissen, sind selbstverständlicher, allgemeiner Wohlstand und der Weltfrieden (noch) nicht die Unsrigen, obwohl die Überwindung von Massenarmut und Krieg in dem ersten Zitat bereits erklärt wird. Die wahre Bedeutung wird offensichtlich, wenn wir es mit dem folgenden Zitat aus dem bis heute unwiderlegten (alle „Gegenargumente“ basieren auf Vorurteilen und Denkfehlern), makroökonomischen Grundlagenwerk „Die Natürliche Wirtschaftsordnung durch Freiland und Freigeld“ aus dem Jahr 1916 vergleichen:

    „Man sagt es harmlos, wie man Selbstverständlichkeiten auszusprechen pflegt, dass der Besitz der Produktionsmittel dem Kapitalisten bei den Lohnverhandlungen den Arbeitern gegenüber unter allen Umständen ein Übergewicht verschaffen muss, dessen Ausdruck eben der Mehrwert oder Kapitalzins ist und immer sein wird. Man kann es sich einfach nicht vorstellen, dass das heute auf Seiten des Besitzes liegende Übergewicht einfach dadurch auf die Besitzlosen (Arbeiter) übergehen kann, dass man den Besitzenden neben jedes Haus, jede Fabrik noch ein Haus, noch eine Fabrik baut.“

    Silvio Gesell

    Die Aussagen von wahren Genies bleiben für gewöhnliche Menschen (Fundamentalisten) unverständlich, und selbst den Gelehrten und ernsthaften Studenten können sie nur mit Mühe sinnhaftig werden.

    „The greatest tragedy in mankind’s entire history may be the hijacking of morality by religion.“

    Arthur C. Clarke

    Herzlich Willkommen im 21. Jahrhundert:
    http://www.deweles.de/willkommen/cancel-program-genesis.html

    • Was wollen Sie damit sagen? Freigeld ist mir scheissegal, es ist mir egal ob reiche Leute reich sind und ob arme Leute arm sind – ich bin selber arm. Ich leide aber nicht den ganzen Tag darunter weil ich sehe das andere Leute reich sind. Ich habe auch nichts gegen Banken, Goldbarren und Zinsen. In übrigen ist Zinseszins nicht zwingend und notwendig vorhanden in einer normalen Wirtschaftsordnung, im Grunde ist Freigeld dasselbe wie Geld mit Inflation – das haben wir schon seit Jahrhunderten.

      Arbeit und Kapital ist ein Scheinproblem – das wirkliche Probelm ist Leben und Tod.

      Der Glaube ist nicht die Hoffnung ihn eines Tages durch Wissen zu ersetzen. Sie nehmen ihr eindimensionales Verständnis von Glaube und Hoffnung und projiezieren es auf die gesamte Bibel. Nein es ist nicht so zu verstehen, es geht darum das man sich bewusst wird das man als Mensch nie alles wissen kann und nie alles verstehen kann und sich vertrauensvoll Gott hingebt der für einen sorgt – in dem Sinne das man nicht in Angst und Furcht erstickt vor lauter „Vernunft“. Es ist nämlich vernünftig anzunehmen das jeden Augenblick ein Metreorid auf unseren Planeten fallen kann, oder das ein Atomkraftwerk explodiert oder das man einen Unfall mit einem Auto haben wird oder das man einen plötzlichen Tod stirbt, oder das jemand einen ersticht und ausraubt oder das man blöd fällt und behindert wird für den Rest seines Lebens und und und.. Zuversicht und Freude am Leben – das lebt in dem schmalen Grad der Hoffnung und des Glaubens an die Zukunft – und zwar mit Gott.

      Im Moment verliert Europa seinen glauben an die Zukunft, die natürlichen Vorgänge der Natur widerlegen auch die Aussage das die Natur „gut“ ist – die Gruppendynamik der Islamisten und die Gruppendynamik der Europäer zeigt das die Natur der Grausamkeit und Rücksichtslosigkeit stärker ist als „Peace on Earth“ und all der Schmarrn. Das verpufft – und spätestens wenn wir in Deutschland Stromausfälle haben werden und die anderen Europäer Deutschland verklagen weil sie aus dem Wahn heraus die Atomkraftwerke ausgeschaltet haben – dann verpufft auch der Ethos der Grünen (Vor allem wenn Menschen in Krankenhäusern sterben weil kein Strom da war um sie am Leben zu erhalten..).

      Sie reduzieren das Christentum auf die lächerliche Vorstellung das Sie als Mensch alles wissen und verstehen können – dabei können Sie nicht mal ein DINA4 Blatt mehr als 7 mal falten und sie können sich nicht erinnern was sie vor zwei Monaten um 13:45 gemacht haben. Und sie wollen die gesamte Welt und alles begreifen?

      Templarii

      • Am 13 April 2011 um 13.45 Zahnartztermin 😉 Spaß beiseite natürlich kann man nicht alles Verstehen und Begreifen aber etwas Kontrolle sollte man schon haben wollen. Man sollte sich nur daran erinnern wo man steht im Weltenbrandt. Und die meisten Menschen werden schon noch glauben ansonsten war doch alles Sinnlos. Bei den meißten leider erst auf den letzten Metern

      • Ich denke es geht eher um „die dinge die man nicht wissen kann“, zum Bespiel: was passiert morgen.

        Glauben tun viele Leute, aber manche glauben an falsche Sachen – an das nichts und sie meinen es wäre Freiheit.

        Templarii

      • Nichts ist Freiheit und zwar für einen moment. Aber wie alles andere endet auch diese. Wer weiß was morgen kommt. Natürlich kann das keiner sagen. Aber man zieht sich auch Warm an um die Chance auf einen Schnupfen zu verkleinern. Und wenn der Glaube keine Gewissheit hat war er eh der Falsche.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s