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Kern der Aussage: (ab Seite 56)

1. … wenn sie [die Liberalen] eine Erinnerung an ihre Ursprünge haben. Die gesamte liberale Bewegung  entsteht um eine zentrale Idee herum, eine „kopernikanische“ Idee, die die alten Hierarchien auf den Kopf stellt. Die Freiheit des Menschen leitet sich ab aus der Wahrheit des Menschen: aus der Tatsache, dass Gott ihn ins Zentrum der Welt gestellt hat, dass er ihn nach seinem Bilde geschaffen hat, dass er ihm als Menschen Würde verliehen hat, dass er ihn mit Vernunft begabt hat, damit er für seine Handlungen verantwortlich sei, dass er ihn zum Bruder eines jeden anderen in der einen Gemeinschaft der Menschheit gemacht hat. Diese Idee ist klarerweise eine christliche, und zu jenem Teil (einen grossen Teil), zu dem das Christentum sich aus dem Judentum herleitet, ist sie eine jüdisch-christliche: „Die Wahrehit wird euch befreien“ (Joh. 8,32; vgl. Gal 5,1). Die Wahrheit, nicht die Summe verschiedener und machtloser Freiheiten.

2. … wenn sie [die Liberalen] sich der Schwierigkeiten ihrer Theorie und der Krise ihrer Gesellschaften bewusst sind.  Die liberale Gesellschaft ist kein beliebiges Aggregat, offen, unterschiedslos, indifferent. Sie ist eine moralische und spirituelle Einheit, die eine angemessene Sittlichkeit und passende Tugenden braucht. Ohne die christliche Vorstellung, dass wir ein Volk Gottes sind, dass dieses Volk keine historischen, geographischen, kulturellen Grenzen hat, dass wir, um unseren Auftrag zu erfüllen und seinen Willen zu tuin, auf dieser Erde bestimmte persönliche und gesellschaftliche Tugenden pflegen müssen, ohne diese Vorstellung wäre die liberale Lehre nichts anderen als ein Streben ohne Hoffnung. Der liberale Kosmopolitismus ist verknüpft mit dem christlichen Ökumenismus, mit der Idee der (rationalen und moralischen) Einheit der gesamten Menschheit

3. .. wenn  sie [die Liberalen] begreifen, dass der Liberalismus nicht selbstgenügsein sein kann. Wie man deutlich erkennt, wenn die Kontroversen die Prinzipien tangieren, sind die Fundamente der (Natur-)Wissenschaft nicht wissenschaftlich und die Fundamente der Politik nicht politisch. Letzten Endes bedarf es einer Wahl, einer Option, einer Entscheidung. Das Unterfangen, einen liberalen (und, sofern es damit nicht unvereinbar ist, einen demokratischen) Staat zu gürnden, entspringt aus einer Entscheidung für die Verantwortlichkeit für sich selbst und das Wohlwollen gegenüber dem Nächsten. Es ist eine Entscheidung christlichen Ursprungs.

4. wenn sie [die Liberalen] das Problem der Stabilität der Gesellschaft lösen wollen. Damit sie sich nicht in Willkür und Gewalt verwandelt und die Gesellschaft nicht zerstört, braucht die individuelle Freiheit ein Gefühl für ihre Grenze: für die Sünde, das Verbotene, das nicht zu Überschreitene, das nicht Verhandelbare. Diese Grenze kann nicht durch ein Gesetz des positiven Rechts vorgegeben werden (welchen Ranges – von Verfassungsrang, international usw. – es auch immer sei), weil ein solches Gesetz per definitionem immer auch wieder ausser Kraft gesetzt werden kann. Es bedarf einer moralischen Grenze, die religiös ist oder religiös aufgefasst wird. Sie ist die christliche Grenze, sich nicht an die Stelle Gottes zu setzen und seinen Willen zu respektieren, nicht den „Zorn Gottes“ zu erregen, wie Jefferson sagte.

(Anm. Templarii: Ich bin dem „Zorn Gottes“ auf der Spur – es erscheint mir schlicht als Zusammenbruch der Gesellschaft weil notwendige Prinzipien nicht mehr eingehalten und geehrt werden.)

5.  … wenn sie nicht ethnozentrisch sein und ihre eigenen Systeme auf das Mass der Systeme von Glück begünstigter Stämme und die Menschenrechte auf das Mass von Privilegien einiger Kulturen reduzieren wollen der Liberalismus erhebt universale Ansprüche, und für die Liberalen sind die Menschnerechte wie die Naturgesetze für die Naturwissenschaftler: einmal zu einer bestimmten Zeit, an einem bestimmten Ort und von einer bestimmten Person entdeckt (nicht: erfunden), gelten sie immer und für alle. Aber genau wie ein Naturgesetz auf eine der Welt eingeschriebene Ordnung verweist, weisen die Menschnrechte auf denjenigen hin, der dem Menschen sein Bild eingeprägt hat. Und das ist klarerweise die christliche Sicht auf einen Gott, der der Schöpfer der natürlichen und moralischen Welt ist.

6. … wenn sie der Trennung von Staat und Kirche ein begriffliches und nicht hostorisches und agressives Fundament geben wollen. Das Christentum hat diese Trennung nicht erlitten, sondern vorbereitet und gerechtfertigt. Thorn und Altar trennen sich unweigerlich, wenn der jenige, der auf ersterem sitzt, nicht mehr zur gleichen Zeit als oberster Befehlshaber und oberster Pontifex anerkannt werden kann – wie Augustus. Von diesem Augenblick an sieht sich der Mensch seinem Schöpfer unterstellt, der ihm Würde verleiht, und dem Staat, der ihm das Bürgerrecht verleiht. Die „grosse Trennung“ zwischen Kaiser und Gott ist, noch bevor sie eine institutionelle ist, eine prinzipielle Trennung. […]

7.  … wenn sie die prophezeite Zerstörung ihrer politischen Systeme vermeiden wollen. So die schon zitierte Prophezeiung Platons: „Das, was die Demokratie zerstört, ist die Unersättlichkeit in dem, was sie sich als ihr Gut vorsetzt, (nämlich) die Freiheit.“ Oder die Prophezeiung Johannes Pauls II.: „Eine Demokratie ohne Werte verwandelt sich leicht in einen offenen oder heimlichen Totalitarismus.“ Die Frieheit kann sich selbst zerstören. Wer oder was hält eine freie Geselslchat in Zaum, wenn die Frieheiten nicht,w ie Jefferson sagte, als ein „Geschenk Gottes“ aufgefasst und gehütet werden? Die Liberalen, die auf den Spuren der Väter ihre Lehra auf dieses Geschenk gegründet haben, müssten besser als andere wissen, dass es ihre Gesellschaften vor der Gefahr der Selbstzerstörung bewahren kann.

8. … wenn sie die entsetzliche Erinnerung bewahren wollen  an das, was geschah, als Europa, anstatt die „Fahne“ des Christentums „auszustrecken“, wie Kant sagte, heidnisch wurde, sich in – kulturellen und religiösen – Bruderkriegen zerfleischte, sein Territorium mit Blut besudelte und in die Niederträchtigkeit der Lager und Gulags stürzte. Wer sich fragt: Wo war Gott in der Zeit von Auschwitz?, sollte die Frage durch eine andere ergänzen: Warum hatten die Liberalen ihn verlassen?

9. … wenn sie die heutige moralische Kriese Europas lösen wollen. Ganz offensichtlich ist es eine Glaubenskrise, ein Verlust des Vertrauens in die religiösen Werte der europäischen Tradition, der heute in unserer Kultur verheerend um sich greift. Der Abfall vom Christentum bringt einen Identitätsverlust mit sich, weil er den Sinn für eine gemeinsame Herkunft und Zugehörigkeit hemmt. Heute ist Europa ein gut bestückter Markt, der durch Verträge zum gegenseitigen Vorteil reguliert ist und auf dem Waren gehandelt, aber Werte ausverkauft werden und auf dme man frei ist, weil man verschieden ist, aber verschieden weil man fremd ist. Wenn die Liberalen, die es regieren, nicht seine Wurzeln widergewinnen und sich weiter weigern, sich offen zu ihnen zu bekennen, dann wird der ganze europäische Bau wieder zerfallen in die Einzelteile der Nationalitäten, Partikularitäten, Ethnien, Egoismen.

10. Und schliesslich sollten die Liberalen sich Christen nennen, wenn  sie den Stolz auf ihre Kultur bewahren wollen, sich für sie einsetzen, wenn sie in Frage gestellt wird, sie fördern, wenn ihr Hindernisse in den Weg gestellt werden, sie verteidigen, wenn sie angegriffen wird. Diese Kultur entstand im Zeichen des Kreuzes, spaltete sich im Zeichen des Kreuzes, lieferte sich interne Kämpfe im Zeichen des Kreuzes. Aber ohne das Kreuz vermag sie nicht zu bestehen. Die Liberalen sind wie die Christen: Sie lassen keine geographischen Barrieren zu, weil sie, wie es im Diognetbrief heisst, „weder durch Heimat noch durch Sprache noch durch Sitten von der übrigen Menschen unterschieden“ sind. Und ebensowenig akzeptieren sie irgendeine soziale Barriere, denn, wie Paulus im Galaterbrief schreibt: „Es gibt nicht mehr Juden und Griechen, nicht Sklaven und Freie, nicht Mann und Frau; denn ihr alle seid ‚einer‘ in Christus Jesus.“ Aber gerade dieser Kosmopolitismus ist das Zeichen einer Mission: Wie der Christen der ganzen Welt den Glauben an den Sohn Gottes bringt, so fördert der Liberale in allen Teilen der Welt den Glauben an die fundamentalen Freiheiten der Menschen und exportiert ihn dorthin. Bremsen kann ihn dabei das Kalkül der Klugheit, aber nicht die Idee, von der er getrieben wird.

Anm. Templarii: Ich zitiere das nicht weil ich mich als Liberalen Weltverbesserer sehe, sondern weil mich einige der Arguemente sehr aufrütteln und mir begreiflich machen wie stark das Christentum unseren Kontinent geprägt hat. Auch in diesem Bereich erkennt man langsam was Sache ist, so wie ich es erkannte. Das freut mich und ich möchte das weitergeben.

http://korrektheiten.com/2010/08/02/marcello-pera-warum-wir-uns-christen-nennen-mussen-pladoyer-eines-liberalen/

Templarii

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2 Kommentare zu “Buchempfehlung; Warum wir uns Christen nennen müssen, von Marcello Pera

  1. Ein Christ ist der Mensch,
    der nicht zu einer rdischen Partei gehört, die im Partei und Grupengeist agiert, Sondern der Mensch, der den Geist,Gesinnung und Charakter Jesu Christi in seinem Innern und Bewusstsein wohnend hat.

    Mit Bibelzitate getünchte „Menschen und Christen“,
    für die sie Opfer, Spenden und Kirchensteuer bezahlen mussten,
    gilt das Wort unseres Herrn Jesus Christus:
    „Ich bin die Tür in den Schafstall /Reich Gottes,
    wer woanders einsteigt, der ist ein Dieb und ein Mörder“. Jesus Christus

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