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Jeder Mensch, der sich einige Zeit mit dem Menschen beschäftigt schwankt zwischen Liebe und Abscheu zum Menschen. Zahllose Beispiele zeigen wie sehr der Mensch Böse ist. Tierquäler, Mörder, Umweltzerstörer, Kriegstreiber, Kulturvernichter, Naturvernichter, Kannibale, Fleischfresser, Gierschlund, Idiot, Arrogant.

Europa zweifelt an sich selbst, es sieht die Niedrigkeit der Menschen – ob bei den Tierschützern, Frauenschützern, Männerschützern, Umweltschützern und wie die ganzen anderen neuen Sekten heissen. Doch die Frage ist alt, die Antwort kompliziert. Die Wut all unserer Mitbewohnern auf der Erde ist geboren aus der Erkenntisfähigkeit. Wir sehen, also sind wir. Wir ärgern uns, also sind wir.  Viele Menschen ernähren ihren Geist mit der Wut über Ungerechtigkeit, Tierquälerei und weiteres. Einige hassen ihre Mitbewohner, andere Menschen, die Menschheit selbst. Es scheint so als wäre das die einzige Konsequenz der „Vernünftigen Logik“.

Doch dieses Denken ist eine Sackgasse – es führt in die Selbstzerstörung. Ich zitiere nun Blaise Pascals „Über die Religion“ – um zu verdeutlichen das diese Frage schon sehr alt ist.

Blaise Pascal, „Über die Religion“ ISBN 3-458-32708-8:

Abschnitt 434 (Teile davon): „Was für ein Hirngespinst ist denn der Mensch? Welche Neuerung, was für ein Unbild, welche Wirrnis, was für ein Ding des Widerspruchs, was für ein Wunder! Beurteiler von allem, törichter Erdenwurm, Verwalter der Wahrheit, Schlammfang der Ungewissheit und der Irrheit, Ruhm und Auswurf des Universums. Wer wird diese Verwirrung entwirren? Die Natur verwirrt die Skeptiker und die Vernunft verwirrt die Dogmatiker. Was soll aus euch Menschen werden, die ihr durch eure natürliche Einsicht erkennen wollt, was eure wirkliche Seinslage ist? Keine der Sekten könnt ihr meiden, noch in einer bestehen. […] Erkenne also, Höchmütiger, was für ein Widerspruch du dir selbst bist. Demütige dich, unmächtige Vernunft, schweige still, törichte Natur, begreife: der Mensch übersteigt unendlich den Menschen, und vernehme von deinem Herrn deine wirkliche Lage, von der du nichts weisst. Höre auf Gott. Denn, wäre der Mensch nicht verderbt, so würde er sich seiner Unschuld, der Wahrheit und Glückseligkeit in Gewissheit erfreuen; und wäre der Mensch seit je verderbt, würde er keine Vorstellung, weder von der Wahrheit noch von der Glückseligkeit haben. Aber so unglücklich sind wir, und unglücklicher selbst, als wenn es Grösse in unserer Lage nie gegeben, dass wir eine Ahnung von Glück haben und nicht dahinter gelangen können; wir fühlen ein Bild der Wahrheit und besitzen nur Irrheit. Wir sidn unfähig, wahrhaft nichts zu wissen und etwas gewiss zu wissen; so offensichtlich ist, dass wird an einer Volkommenheit teilhatten, aus der wir zu unserm Ungklück verstossen sind. “

Abschnitt 412: „Bürgerkrieg im Menschen zwischen Vernunft und den Leidenschaften. Wenn er nur die Vernunft ohne Leidenschaften hätte.. Wenn er nur die Leidenschaften ohne Vernunft hätte.. Da es aber beide gibt, geht es nicht ohne Krieg, da man den Frieden mit dem einen nur haben kann, wenn man im Krieg mit dem anderen liegt. So ist der Mensch immer zerrissen und im Gegensatz zu sich selbst.“

Abschnitt 397: „Die Grösse des Menschen ist gross, weil er sich als elend erkennt. Ein Baum weiss nichts von seinem Elend. Also: elend ist nur, wer sich als elend kennt; aber nur das ist Grösse, zu wissen, das man elend ist.“

Abschnitt 394: „Alle ihre Grundsätze sind wahr, die der Skeptiker, die der Stoiker, die der Atheisten usf. Aber ihre Schlüsse sind falsch, weil die gegensätzlichen Grundsätze ebenfalls wahr sind.“

Abschnitt 433: „Nachdem die ganze Natur des Menschen verstanden ist. Wenn eine Religion wahr sein soll, muss sie unsere Natur kennen. Sie muss die Grösse und die Kleinheit und den Grund von beidem erkannt haben. Wer hat ihn ausser der christlichen gekannt?“

Abschnitt 393: „Es ist ein lustig Ding, darüber nachzudenken, dass es Menschen auf der Erden gibt, die, nachdem sie alle Gesetze Gottes und der Natur verworfen haben, sich selbst welche machen, die sie genau befolgen; zum Beispiel die Soldaten Mohammeds, die Diebe, die Ketzer usw. Und so auch die Logiker. Eigentlich müsste ihre Freiheit ohne Grenze und Schranken sein, da sie so viele gerechte und heilige [Gesetze] überschritten haben.“

Abschnitt 404: „Die grösste Niedrigkeit des Menschen ist, den Ruhm zu suchen, und doch ist das gerade das deutlichste Merkzeichen seiner Auszeichnung; denn mag einer auf Erden besitzen, was er will, wie gesund und wie wohlhabend er immer sei, er ist nicht zufrieden wenn ihn die Menschen nicht achten. So hoch achtet man das Urteil des Menschen, dass niemand zufrieden ist, wie bevorzugt immer seine Stellung auf Erden sein mag, wenn ihm nicht auch im Urteil der Menschen ein bevorzugter Platz eingeräumt wurde. Das ist der schönste Platz auf Erden, nichts kann ihn von diesem Wunsch abbringen, und das ist die unauslöschbarste Eigenschaft des menschlichen Herzens.  Auf die, die die Menschen am tiefsten verachten und ihn den Tieren gleichwerten, sie sogar wollen dafür bewundert werden, wollen, dass man ihnen glaubt, und sie widerlegen sich durch ihr eigenes Empfinden; ihre Natur ist stärker als alles, sie überzeugt sie von der Grösse des Menschen eindeutiger, als die Vernunft sie von ihrer Niedrigkeit überzeugt. „

Abschnitt 413: „Dieser innere Krieg der Vernunft mit den Leidenschaften bewirkte, dass die, die Frieden haben wollten, sich in zwei Sekten splateten. Die einen wollten auf die Leidenschaften verzichten und Götter werden; die andern wollten auf die Vernunft verzichten und unvernüftige Tiere werden: Des Barreaux. Aber weder die einen noch die andern konnten es, und immer bleibt die Vernunft, die die Niedrigkeit und das Unrecht der Leidenschaften anklagt und die Ruhe jener stört, die sich ihnen ausgeliefert haben; und die Leidenschaften bleiben lebendig in denen, die auf sie verzichen wollen.“

Das Drama un den inneren Widerspruch ist altbekannt – und unsere Kultur hat sich Jahrtausende lang daran abgemüht. Es lohnt sich zu schauen was damals so alles gedacht worden ist.

Mehr Texte von Blaise Pascal: http://www.zeno.org/Philosophie/M/Pascal,+Blaise/Gedanken+über+die+Religion

Templarii

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