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Seitdem ich mich intensiv mit dem Christentum beschäftige, merke ich wie meine Verbundenheit zum Kontinent Europa wächst. Es zeigt sich mir immer mehr, das man diesen Kontinent ohne dieses Element gar nicht versteht.

Wie oft bin ich durch deutsche Städte gewandert, sah die schönen alten Gebäude aber verstand nicht was dort abgebildet war. Im Rest Europas ist es dasselbe Problem. Wie viele der hier lebenden Menschen können die Symbole, Formen und Zeichen nicht lesen? Wer sieht an den Wänden überhaupt die Bilder, die Schriftzüge oder die Verzierungen?

In der Schule wurde sehr wenig durchgegangen, es gab den zweite Weltkrieg, weiter hinter gab es kaum etwas. Man wusste ein bischen was von Bismark und Kaiser Wilhelm II, aber sonst? Was weiss man schon über 1850? Was weiss man über 1806? Was weiss man über 1750? Oder über 1700? Oder um 1650? Oder 1600? Nichts ist so wirklich bekannt.

Um so mehr erkenne ich wie sehr das Christentum unsere Richtschnur in der Kultur ist. Es gibt eine Verbindung zwischen Platon, Aristoteles und Kant oder Marx. Diese Verbindung besteht aus Kirchenvätern, Kirchenlehrern und anderen Philosophen sowie Schöngeistern. Die Dreifaltigkeit wurde lang und breit diskutiert, ganz viele Gedanken gab es dazu, mal kluge, mal dumme, mal aussergewöhnliche und mal komplexe. Über den Tod wurde weiter nachgedacht, das Denken hörte nicht mit Platon auf. Dies war mir persönlich gar nicht bekannt. Ich hab noch nie davon gehört. Auch Heute noch wird das bewusst ausgeblendet, so hatte die „Zeit“ vor einigen Wochen den Titel das in Deutschland eine neue Lust auf Philosophie ausbricht. Aufgezählt wurden die alten Philosophen wie Platon und neuzeitliche Philosophen wie Hegel und Kant. Es wurden einfach mal 1600 Jahre Philosophiegeschichte unterschlagen! Eine gigantische Lücke, wenn man bedenkt mit welchem Fleiss und Interesse Archäologen, Soziologen, Geschichtshistoriker, Geschichtsphilosophen und andere Forscher jede einzelne Staubschicht der Geschichte dokumentieren, beschreiben und sizieren. Als ob ein „Denkverbot“ auf den Köpfen der Menschen sitzt, im Zeitalter der „freien Meinungsäusserung“.

Es sollte einem bewusst sein wie VIEL damit ausgeblendet wird. Nicht nur das Newton als einfacher Naturwissenschaftler angesehen wird – was er nicht war, er war ein christlicher Alchemist der seine ganze Wohnung in Lila hatte, jedes Möbelstück und auch die Kleidung. Auch wird vergessen dass viele der „Aufklärer“ ihre Gedanken von Kirchenvätern hatten – sie haben sie schlicht aus dem lateinischen Überstetzt. Descartes sagte „ich denke also bin ich“, so etwas Ähnliches hatte bereits Augustinus geschrieben: „ich irre mich also bin ich“. Letzteres ist eh realitätsnäher.

Für mich hat sich das so verändert, dass ich ein Freund unserer Geschichte wurde. All die unbekannten „Ahnen“ bekommen ein Gesicht, einen Charakter, Schwächen und Stärken. Die Kirchenväter bekommen Sexualität, Mutter, Vater, Söhne oder Töchter. Die alten Päpste werden wirklich und keine stummen Statuen in Kirchen. Die Könige sind nicht mehr halbmystische Krieger, Sachsenschlächter oder Heilige sondern erfolgreiche Menschen die ihr Ding durchzogen. Das ganze Gebiet füllt sich mit Geschichten, Gedanken, Gefühlen oder einfach gesagt – mit Leben.

Plötzlich versteht man sich selber besser, warum man etwas ablehnt, warum man etwas schön findet, welche Kultur man als gut und richtig empfindet, warum man Burgen und Schlösser so faszinierend weiss. Die weisse Karte im Kopf füllt sich erstmal mit einfachen Punkten, dann werden ganze Landschaften daraus. Plötzlich ergibt so vieles einen Sinn – plötzlich ist der Nihilismus und Kommunismus vollkommen widerlegt. Man wird nicht als „leeres Blatt“ geboren – man hat so vieles von seinen Vorfahren geerbt, selbst Denkmuster und Abneigungen. Offensichtlich gibt es mehr als nur Soziologie.

Ich geniesse die geistige Gesellschaft der damaligen Menschen. 2000 Jahre, das hat schon was. Und wenn man die Bibel integriert, sind es schon 3000 oder 3500 Jahre. Je nach Buch in der Bibel kommen da plötzlich Assyrer, Griechen, Römer, Ägypter und andere vor. Alexander der Grosse und seine Nachfolger werden plötzlich realistisch (Buch Makkabäer) und man versteht warum es die Archäologie überhaupt gibt. Ich war sehr verblüfft als ich erfahren habe dass Abraham aus „Ur“ stammte. Das steht so in der Bibel. Die Stadt „Ur“ war mir nur bekannt als älterste Stadt der Welt, völlig losgelöst vom Christentum der Bibel oder sonstigen religiösen Dingen.

Jetzt weiss ich einige Fragmente der Vergangenheit. Ich lerne was die Personen damals wirklich geschrieben haben, was die Worte waren die andere beeinflussten, sogar wie das alte Heidentum durch das Christentum abgelöst worden ist. Es ist nicht mehr das unbekannte, nicht mehr „die alte Kultur ging unter“ sondern ganz konkrete Handlungen und Weisungen sind nachzuvollziehen. Und vieles davon sehr bewusst, sehr intelligent umgesetzt. Damals handelten keine Dummköpfe.

Man erkennt auch das die Menschen *immer* im Stress waren. Das war nie anders. Immer ging was unter, immer kam was hoch. In jeder Generation mussten sich die Menschen neu beweisen, ihre Vorfahren bestätigen, tödliche Gegner besiegen. Rückblickend muss ich sagen dass ich wie bei 1984 lebte. Irgendwie abgesondert – irgendwie blind gegenüber so vielem. „Das Volk sang noch die alten Lieder“ – ich selber kannte sie aber nicht. Inzwischen breche ich mehr als genug aus, die künstliche Sphäre der Leere im Kopf zerbricht – die Natur will ihren Platz einnehmen.

Es fühlt sich gut an, es ist gut zu wissen das nicht nur ich lange an der Wirklichkeit zu kauen hatte – das mir nicht klar war „warum“ und „wieso“. In dieser Unwissenheit um das Geheimniss der Welt bin ich nicht alleine, 3000 Jahr Geschichte zeugen davon dass andere es ebenso erforschten. Langsam merke ich wie sehr ich heimisch bin in „Europa“.

Templarii

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4 Kommentare zu “Verbindung mit der Vergangenheit

  1. Ich kenne das beschriebene Gefühl des Augen-Aufgehens, wenn man mal anfängt, sich mit der älteren Vergangenheit zu beschäftigen. Ich war seit meiner Jugend sehr linksinformiert und ich sehe mich noch heute in vielen Dingen als Linker, aber ich habe in den letzten Jahren gelernt, dass das linke Geschichtsbild eine reine Interpretation ist, die kaum einmal wirklich in die Tiefe geht.
    Was mir bei dem Eingangsartikel aber noch fehlt, ist der Hinweis auf die keltischen, germanischen und römischen Wurzeln, die man meiner Ansicht nach noch bis heute darin spürt, dass nämlich die europäischen Völker so ziemlich die einzigen sind, die überhaupt jemals so Etwas wie eine Affinität zu demokratischen Ideen und Individualismus entwickelten.

    • Guten Abend Bran,

      die keltischen, germanischen und römischen Wurzeln sind sehr tiefgreifend und weitgehend – ich bin noch nicht so weit und zu unwissend um das irgendwie zu beschreiben. Alles in allem sind die römischen- und keltischen Bereiche ein Teil des Christentums geworden – oder haben das Christentum zu dem gemacht was es ist.

      Templarii

      • Da hast du (haben sie) natürlich Recht. Die von mir erwähnten Wurzeln wurden durch das Christentum ergänzt und haben umgekehrt auch das Christentum wiederum beeinflusst. Beide Wechselwirkungen hatten wohl auch ihre Schattenseiten, aber dies ist unsere Geschichte und auch wenn ich wenig dazu beigetragen habe, blicke ich doch immer wieder mit Erstaunen und auch Ehrfurcht darauf.
        Es mag sein, dass die Ägypter die Pyramiden gebaut haben, die Römer das Kolosseum, dass die Chinesen vor uns Bücher druckten, die Indianer ganz unglaublich sensible edle Wilde waren und überhaupt die ganze Welt verrückt faszinierende Dinge tat, während die Westeuropäer vor allem schlechtem Wetter trotzten, aber die Sklaverei wurde hier abgeschafft und dies war christlichen Menschen zu verdanken. Und das Konzept, dass auch Frauen einen Wert als Menschen haben, wurde ebenfalls in Westeuropa entwickelt, genauso wie Kinderrechte, Schulbildung für alle, Egalitarismus, Individualität und Eigenverantwortung. Die Anderen haben Bauwerke und Steinhaufen, die Jahrtausende überdauern, aber der Westen hat die Freiheit des Einzelnen.

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