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Das westeuropäische Christentum besteht nicht nur aus der Bibel, sie ist ein Teil – ein Bund aus Schriften (früher Heilige Schriften, im Plural) bezeichnet. Wichtig ist die Wahrnehmung der „Frucht“ aus dem ganzen. In der Bibel wird Jesus mit der Aussage zitiert, dass man die richtigen an den Früchten erkennen kann.

Wenn ich nun anhand des Dogmas, das Gott das Wahre, Gute und Schöne ist – die Wahrheit, Gerechtigkeit und Liebe, müssten die „Früchte“ mit diesen Idealen in Einklang gebracht werden können. Man könnte zum Beispiel anfragen welche Kulturen sich der Wahrheit, Gerechtigkeit und Liebe verschrieben haben, welche Kulturen viel Schönheit hervorbrachten und so weiter.

Ein wenig weiter gedacht fällt mir auf dass die europäische Kultur ziemlich viel Gutes hervorgebracht hat – und es gibt uns noch! Also offensichtlich war einiges daran richtig. Wenn man sieht wie viel der Grundlegenden überwältigenden Ideen von Europäern erfunden worden ist, nämlich fast 90%, kann man den Gedanken getrost weiterspinnen.

Das Christentum existiert nicht nur aus der Bibel alleine, sondern auch durch die Gedanken und Philosophien welche das Christentum unterstützte und hervorbrachte. Ein einfaches Beispiel ist die Geschichte von Jesus und der Ehebrecherin.

Der zentrale Satz ist: „Wer ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein.“ – Dieser Satz erscheint schlicht, aber er ist umfassend.

Denn dieser Satz wendet alles um. Vor diesem Satz musste man die Gesetzesgelehrten fragen. Nach diesem Satz aber ging es plötzlich um die eigene Gewissensprüfung. Die Menschen müssen in sich einkehren, sich prüfen ob sie sich an die Gesetze halten, die Gesetze KENNEN und DANN erst anwenden. Die Gesetzesquelle löst sich von der Kulturtechnik des Buches (Naja, eher der Pergamentrollen) und pflanzt sich in die Herzen des Menschen. Jeder Mensch selbst wird zur Quelle für Wahrheit, Gerechtigkeit und Liebe. Nicht durch das einfache befolgen von Gesetzen – sondern durch das lebendige anwenden und hinterfragen der eigenen Taten.

Ich glaube man kann damit einen interessanten kulturellen Vorgang beobachten. Für uns ist das Gewissen selbstverständlich, womöglich war das früher anders? Oder weniger stark ausgeprägt? Es braucht schon einen gehörigen Denkschritt um sich vom blinden befolgen von Gesetzestexten zu lösen und eine neue Komponente einfliessen zu lassen.

Das vorherige war ein Beispiel wie ein Satz plötzlich Gedanken und Konsequenzen auslösen kann – die vorher nicht ersichtlich sind. Die gesamte Bibel besteht daraus und brachte die christianisierte Welt dazu Gedanken zu denken die man vorher nicht denken konnte. Augustinus von Hippo, Thomas von Aquin, Bernhard von Clairvaux, Anselm von Canterbury – all die Philosophen, Wissenschaftler, Forscher, Theologen mit ihren Gedankengängen und Folgerungen. Thomas von Aquin verehrte und respektierte Aristoteles, etwas was in anderen Kulturen nicht möglich war. Es gibt sogar einen grossen Unterschied zwischen der katholischen Kirche und der Orthodoxen christlichen Kirche. Die Orthodoxen haben nicht so einen Hang zu Aristoteles und der Vernunft. Dies ist weitaus stärker im Katholizismus verankert. Wahrscheinlich gibt es die vielen Probleme mit den christlichen Kleinsekten und Abspaltungen von den Protestanten deswegen – weil sie den Wissenskanon der katholischen Kirche nicht haben. Was lernen Quäker über Augustinus? Das „Ur-Christentum“ hat dasselbe Problem. Andererseits ist der Westen im Wahn gefangen alles vollkommen mit der Vernunft zu erklären – und das emotionale empfinden Gottes wird stark ausgeblendet.

An den Früchten kann man sie erkennen, ich finde die Früchte der katholischen Kirche sehr gut, die Früchte des Westens gut, die Früchte des Abendlandes ebenso. Im Vergleich zu anderen Kulturen sowieso, vielleicht erkennen die ganzen Wahrheitsfanatiker im Westen dass ihr Wahrheitsfanatismus im Christentum fusst, eine Überwindung der Zersplitterung der geistigen Kultur im Westen wäre echt was schönes.

Dennoch denke ich ist die Zersplitterung unter anderem nicht überwunden weil das ganze Geheimnis der Zersplitterung nicht klar ist. Die Emotionen fehlen da noch.. Nicht alles lässt sich mit Kant und Feuerbach um- oder beschreiben.

Templarii

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5 Kommentare zu “Christentum ist nicht nur die Bibel

  1. Zustimmung. Doch da es immer leichter ist, Kritik zu äußern, will ich die vorweg auch äußern. Es sind Ihnen, soweit ich sehe, zwei gravierende Fehler unterlaufen:

    „Thomas von Aquin verehrte und respektierte Aristoteles, etwas was in anderen Kulturen nicht möglich war. “

    Thomas war noch gar nicht geboren, als sein philosophischer Gegner Ibn Roshd (lateinisch: Averroes, 1126-1198) bereits gestorben war. Dieser gilt als der Aristoteles-Kommentator schlechthin. Wenn er Aristoteles meinte, schrieb er immer nur „der Philosoph“. Die Christen haben Aristoteles relativ spät entdeckt. Thomas z.B. mußte erst warten, bis Wilhelm Moerbeke des Aristoteles Schriften aus dem Griechischen ins Lateinische übersetzte. Zahlreiche andere Schriften waren gar nur in arabischer Sprache verfügbar. Diese wurden durch Gerhard von Cremona ins Lateinische übersetzt.

    Zweiter Fehler:

    Das Gewissen erwachte in der Menschheit erstmals in den Tragödien des Euripides. Vorher wurde das Schuldbewußtsein nach außen projiziert, nämlich auf die Erinyen; diese versetzten einem „Gewissensbisse“. Dann aber erwachte die innere Gewissensstimme. In diesem Sinne sprach auch Sokrates von seinem „Daimon“.

    Ansonsten ist es richtig: Das Christentum hat Früchte, die sich vorweisen lassen. Nur erleben wir jetzt die gleiche Funkstille wie die Araber seit mehren Jahrhunderten. Die haben sich aber wenigstens noch den Überlebenswillen erhalten.

    • Danke für die Info, er verehrte also nicht Aristoteles im Namen, sondern seine Gedanken – spricht sogar mehr für ihn.

      Man erkannte also die Grösse dieser Gedanken und nicht „oh das ist der grosse Philosoph Aristoteles das muss gut sein“.

      gruss

      Templarii

  2. Warum Funkstille seit Jahrhunderten. Die Araber haben alles assimiliert.
    Die Bibiothek von Alexandrien wurde nicht von Moslems gebaut. Aber abgefackelt. In Spanien waren spanische Fürsten auch Moslems bis Ihre Freunde aus Nordafrika kammen. Und ab da war Ende mit dem kulturellen Islam. Die Moslems haben viel von Römern,Griechen,Persern und wo noch alles übernommen. Funkstille ist bei denen nur weil es nichts mehr zu Plündern gibt.Übertreibungen liegen den Arabs im Blut. Dieses Land wurde ja nach dem Krieg auch von Ihnen aufgebaut. Überlebenswillen darf man nicht mit Herrschsucht verwechseln.Oder ist der Überlebenswille bei Kriminellen besser ausgeprägt wie bei gesetzestreuen Bürgern.
    In Ihren Ländern verhungert die Bevölkerung und hier Spuckt man Leute an weil sie als nicht Moslems Untermenschen sind. Und als reaktion…..Also Kultur und Fortschritt sind nun einmal auf seite der Christen.Und wenn dem Staat das Geld ausgeht …..naja
    Dan kann doch jeder mal zeigen was er kann.Oder um es mit Darwin zu sagen:“Survival of the fittest“ Das wollen se doch…oder hab ich da was falsch verstanden..?

      • Natürlich werden wir bestehen. Ich glaube zwar nicht das die Kirche als solche fortbesteht, in dieser Form. Aber wie immer werden wir Arbeiten,Opfer bringen,Leiden und vieleicht Sterben aber am Schluß gestärkt daraus hervorgehen.

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