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Die Kritik an der europäischen Religion und Kirche ist sehr irrational.

Zum Beispiel wird der Kirche Europas gleichzeitig Leibfeindlichkeit und der Hang zu sexuelle Ausschweifungen unterstellt. Niemand ist kritischer gegenüber möglicher sexueller Tätigkeiten von Priestern als die Menschen, die das Zölibat als pervers und unmoralisch ansehen.

Weiter wird darüber geschimpft dass die Kirche zu viel weltliche Macht hatte und gleichzeitig dass die Kirche nichts gegen die unmoralischen und bösen Taten im christlichen Europa getan hat. Anders gesagt es wird der Kirche vorgeworfen dass sie angeblich die Trennung zwischen Kirche und Staat nicht eingehalten hat und aufgrund dieses Vorwurfs erwartet das die Macht (wenigstens?) dazu genutzt hätte werden sollen, die bösen Taten anderer zu beenden. Auf die Idee dass die Kirche gegen die bösen Taten der Christen nicht vorgehen konnte, weil sie keine weltliche Macht hatte, kommt offensichtlich gar keiner.

Dann gibt es den Vorwurf der Sittenstrenge, der Steifheit, der Frömmigkeit und Weltfremdheit. Natürlich erheben dieselben Menschen auch den Vorwurf dass die Sitten nicht eingehalten wurden, das sie zu locker und zu weltlich waren.

Alles in allem sind viele diese Kritikpunkte irrational und infantil. Die Kritik steht auf der Basis eines Gefühls, einer Einschätzung. Auf irgendeine Weise hängen die Kritiker einem „magischen Glauben“ an, der beinhaltet dass die Kirche irgendwie Omnipotent, Perfekt, Übermächtig und über alles erhaben ist, oder sein sollte. Auf irgendeine schitzophrene Weise können es sich Christen- Kirchen- und Religionskritiker leisten etwas zu kritisieren und das genaue Gegenteil ebenso. Und damit durchkommen. Der Fehler der Kirche war, sich überhaupt auf so etwas einzulassen. Wer sich darüber beschwert dass die Kirche sich zu sehr in die Politik einmischt und gleichzeitig dass sie ihre Moral und ihre Vorstellungen nicht genug in der Gesellschaft durchsetzt, hat einfach nicht mehr alle Steine auf der Schleuder.

Vieles der neueren Kritik basiert schlicht auf Film- und Fernsehen. So ist der fiktive Film „Der Name der Rose“ mit Sean Connery so ziemlich die weitverbreiteste Basis über die Beurteilung des Mittelalters und der Kirche. Oder allerlei Horror- und Kriminalfilme die absichtlich das Aussergewöhnliche zum Inhalt haben, dies aber so oft im Fernsehen wiederholt und kopiert wird, dass das Aussergewöhnliche Gewöhnlich gedacht wird. Die einfacheren Naturen glauben alles..

Nordamerika zum Beispiel, mit seinem reichhaltigen Filmschatz, ist stark vom Protestantismus und anderen, strengeren, christlichen Sekten oder Glaubensrichtungen geprägt. Flanders aus der Serie „Die Simpsons“ ist eine Überzeichnung dieses Menschenschlages. Strenggläubig, Arbeitssam, Moralisch bis zur Selbstaufgabe. Genau diese Art wird von den Kritikern als „der Christ“ angesehen, dabei bildet er nur eine Facette. Es wird ausgeblendet oder gar nicht gewusst, dass viele dieser „Sekten“ darum entstanden sind, weil sie die katholische Kirche als zu weltlich, zu menschlich, zu Weltzugewand ansahen. Als die grosse Hure Babylon. Selbst Anhänger der ehemaligen Großsekte Marxismus sind in ihrer Kapitalismuskritik auf der selben Spur. Ja, genau dieselbe katholische Kirche die als weltfremd und unmenschlich angesehen wird. Dass heisst, die katholische Kirche kassiert Kritik aufgrund von Leibfeindlichkeit und Weltfremdheit weil irgendwo in der Weltgeschichte irgendwelche Kleinsekten herumgurken die sich von der katholischen Kirche abgesetzt haben – und von eben dieser Kirche auch für Weltfremdheit und Sektiererei verurteilt worden sind.

Ungerechter geht es kaum.

Ähnlich ist der Vorwurf der Kollaboration des Vatikans mit dem Nazi Regime, offensichtlich wird im Nachhinein erwartet das der damalige Papst eine Armee ausheben hätte sollen, mit Millionen von Gläubigen welche die Nazis aus den Schaltern der Macht vertreiben sollte. Wahrscheinlich wären diese Infantilisten die ERSTEN die dem Vatikan dann 60 Jahre später vorgeworfen hätten, dass dieser sich zu sehr in die weltliche Politik einmischte. Tatsächlich hat der Vatikan ungefähr 700.000 Juden das Leben gerettet. Noch redet keiner offen davon, aber die Wahrheit wird sich durchsetzen. Und irgendwann wird der damalige Papst an der Schoah-Gedenkstätte als Heiliger geehrt. Das ist der Platz der ihm gebührt. Zum Vergleich, Schindler rettete „nur“ einigen tausend Juden das Leben. Und wird, auch zu Recht, hochverehrt.

Eine weitere Irrationalität der Kirchenkritik ist die verurteilung der Handlungen aufgrund von heutigen Masstäben. So wird mit Menschenrechten argumentiert, obwohl es diese erst seit knapp 60 Jahren gibt. Beachtet und umgesetzt werden diese grösstenteils nur in Westeuropa und Nordamerika. Ausgeblendet wird auch, dass die Idee der Menschenrechte sich im Christentum selbst entwickelte. Die Theologie der Freiheit und Gleichheit vor Gott, egal ob König oder Bettler („Im Tode ist jeder gleich“) ist eine christliche.

Meistens basiert es einfach nur auf Unwissenheit. Selbst beim Aufruf zu den Kreuzzügen von Papst Urban wurde davor gewarnt sich auf weltliche Güter einzulassen. Später gab es auch einige berühmte Jesuiten am Kaiserlichen Hofe von China, die in Rom kritisiert worden sind weil sie weltliche Ämter annahmen (als Mandarine). Offensichtlich war es die ach so kritisierte Kirche selbst, die der genau gleichen Meinung war wie viele heutige „Kirchenkritiker“.

Viele Fragen sind offen zu dem Thema: Es gab einen Kirchenstaat, ja, aber wie lange? Wie gross war er? Wie fing er an und WARUM? Wann endete er und WARUM? Es gab Päpste die Kinder hatten, Mätressen, Macht und Gold. Wer waren diese Päpste, was waren sie vor der berufung zum Papst? WIE LANGE waren diese Päpste an der Macht? Was geschah nach dem Ende ihrer Zeit? Die Reformatoren forderten ein Konzil, sie kritisierten die päpstliche Macht. Sie kritisierten die Prunksucht und die finanziellen Verstrickungen. Was geschah daraufhin? Weiss jemand dass die Kritikpunkte vom Papstum ANGENOMMEN worden sind? Weiss jemand wieso die „Prunkssucht“ überhaupt entstand? Und wer kritsierte? Aus welcher Sicht dieser kritisierte? Inwieweit die Kritik der Wahrheit entsprach? Weiss jemand dass man beim Ablasshandeln NICHT einfach einen Betrag zahlen konnte und danach alle Probleme los war? Auch Reformatoren nutzen Propagandamittel um ihre Ziele zu erreichen..

Und was viele nicht kapieren, die Prunksucht, von Luther kritisiert – war schlicht die Renaissance! Der Abschnitt in unserer Europäischen Geschichte welcher zu einem kulturellen Höhepunkt führte. Die Empörung durch einen einfachen Mann vom Lande beendete dies..

Die wirklichen Ruinen unserer Zeit sind in den Geistern der Mitmenschen. Manchmal glaube ich dass viele Menschen geistig immer noch in den Ruinenstädten des zweiten Weltkrieges sind.

Templarii

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10 Kommentare zu “Irrationale Kritik an Kirche und Religion

  1. Ich bin jetzt einmal nicht politisch korrekt und führe an, die Kritik an der Kirche im Skandal um sexuelle Übergriffe an Kindern von Seiten homosexueller Verbände. Dass unter diesen Kritikern Menschen waren, die für die Streichung der Pädosexualität von den diagnostischen Manuals der Welt offen eintreten, scheint niemand zu interessieren. Vieles an linker Kritik is geschürt und inszeniert, zweckorientiert. Es geht in erster Linie um die Schwächung oder Bloßstellung des Glaubens oder der Gläubigen. Dass diese Menschen damit ihre eigene Kultur leugnen, und radikaleren Glaubensgemeinschaften, die ein solches Vorgehen niemals zulassen würden, den Raum geben, den sie zuvor nicht hatten, scheinen diese Gutmenschen nicht zu verstehen.

  2. Warum es gab einen Kirchenstaat.? Der Vatikan ist der Rechtsnachfolger wenn man es so nennen kann. Die Päpste hatten zu manchen Zeiten die Qualität von heutigen Politikern und wurden auch so ins Amt gebracht. Bestechung und Manipulation schien an der Tagesordnung zu stehe. Die Diskussion kann dabei nur Historisch und nicht Moralisch geführt werden.(meine Meinung) Ansonsten findet man sich in Situationen wieder wo man sich wegen der Inquisition rechtfertigen muß vor Leuten die gerade Ihre Frau verprügelt haben. Das nächste was kommt (und da kann man sicher sein) ist das Totschlagsargument weil die Fakten fehlen. Ich hatte mal ein Gespräch mit einem Kollegen der sagte:“Wie Gott hat die Welt erschaffen. Das war der Urknall.“ Als ich fragte:“Erkläre mir mal den Urknall…?“ Verwirrtes Schweigen und dann die Feststelung das er es nicht könne und die Hexenverbrennungen doch schon zur genüge gezeigt hätte was von Menschen wie mir zu halten sei. Natürlich ist die Erde keine Scheibe, Wasser nass und die Wissenschaft wahr wo sie nicht Moralisiert. Aber so wird man nicht gesehen….Der Christ ist verbittert, vereinsamt, sadistisch , moralisch vekommen und sozial verwahrlost oder ja ich wille es nicht leugnen wie Ned Fladers. Von einem Extrem ins andere.Es gibt in der Argumentation keine mitte. Warum auch so ist es doch viel einfacher.

    • Die sogenannten Argumente der Kritiker sind oft nur willkürliche Stichwörter. Allein schon die Hexenverbrennumg, was die mit der Kirche zu tun hat ist einfach unklar. Die Kirche forcierte die Verbrennungen nicht.. Im Gegenteil!

      @kairos
      Interessanter Hinweis mit dem Satanismus. Da ist so manches unklar..

      Templarii

  3. Schon bei Nietzsche findet sich diese Doppelkritik:

    1. „Die Kirche ist aus dem Gegenteil des Evangeliums entstanden.“

    2. „Wenn der Priester Gott sagt, meint er sich selbst“ (beides aus dem Antichrist).

    Wenn Du willst schicke ich Dir mal meine Analyse des „Antichristen.“ Nietzsche kritisiert zum einen, das Christentum sei schwach und wehrlos, zum anderen seine weltliche Macht.

    Bei Nietzsche ergibt das Ganze allerdings immerhin noch Sinn. Nietzsche kritisiert das Christentum nämlich explizit nicht aus einer christlich geprägten Ethik heraus, wie die Aufklärer (und Ströbele, vgl. Zitat von Manfred), sondern mit dem Ziel der Schaffung einer neuen, „vornehmen“ Moral (er vertritt einen recht krassen Sozialdarwinismus).

    So kann er behaupten JEDER habe den „Willen zur Macht“ und das Christentum sei der Ausdrucks des Willens zur Macht von SKLAVEN. Diese installieren, so N. weiter, ein Herrschaftssystem, das auf der Anbetung von Schwäche basiere, um den Vornehmen zu unterdrücken. So kann er sowohl Kritikpunkt 1, als auch 2 anbringen, ohne sich zu widersprechen.

    Der (von Nietzsche inspirierte) Neosatanismus allerdings verfängt sich endgültig in diesem Widerspruch. Er ist tatsächlich infantil, wie du schreibst. Weil die Kirche nicht das Paradies auf Erden schuf (was sie gar nicht kann, im Gegenteil, sie ist die Kompensation der ausgebliebenen Ankunft Gottes, vgl. die Diskussion „Wesen des Christentums“ auf meinem Blog – und was sie auch nie versprochen hat), ist die Kirche böse. Die Art von machtbesessenen, heimlich geilen, hinterhältigen Pfaffen, die der Satanist sich ausdenkt, müsste er, wenn er seinen Satanismus konsequent lebte, eigentlich verehren, statt zu kritisieren.

  4. Du hast einen sehr interessanten Blog hier. Ich glaube auch, dass seit einiger Zeit total falsche Kritik an der Kirche geführt wird. Die heutige Folge von „Two and a half Men“ spielt genau auf den Nietzsche Kommentar an. Der bigotte, gläubige Stiefvater ist eigentlich homosexuell, sein Glaube nur ein Vorwand. Das ist das Bild, das immer wieder geschürt wird. Einerseits, werden amoralische Verhaltensweisen, moralisch dargestellt und andererseits moralisch lebende Menschen als amoralisch. Schon irgendwie komisch.

    Jeder homosexuelle Mann wird als erfolgreicher mittelklasse Mann dargestellt, moralisch hoch entwickelt, und jeder heterosexuelle Familienvater als „defekt“ – wie die Wirklichkeit aussieht, zeigen die Zahlen, insofern man sie noch veröffentlichen darf.

  5. Pingback: Die simpelsten Vorurteile gegenüber der Kirche « Neue Reconquista

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