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Ich beschäftige mich immer intensiver mit der Gottesvorstellung des Christentums, immer dessen bewusst dass eine definierte Vorstellung sofort eine unstattgemässe Einschränkung ist.

Dies habe ich in mein Denken, unter mühsamen Anstrengungen, eingebunden. Es ist nicht einfach, es erscheint so wie das wegdrücken vieler Äste und Blätter die einem das Gesichtsfeld einschränken.

Mir wird langsam klar, so glaube ich, worum es geht. Der Begriff Offenbarung ist das richtige Wort. Das Problem was viele Leute, inklusive mir früher, mit dem ganzen Thema hatten, war die echte Grenzenlosigkeit. Bildlich gesprochen habe ich die Kirchentüre geöffnet und bin erschrocken zurückgesprungen als ich die Grösse und Weite dahinter wahrgenommen habe. Es ist so wie bei den Fantasy- oder Sci-Fiction Filmen, in denen eine Tür in eine andere Dimension führt, zum Beispiel in das Weltall. Gross, Leer, Weit und mit mehr Sternen als man sein ganzes Leben lang zählen könnte.

Wer sich mal Aufnahmen der Nasa ansieht erkennt dass jeder verdammte EINZELNE PUNKT der hell leuchtet, eine Sonne ist. Ein Stern. Jeder einzelne Punkt. Diese schiere Grösse ist unfassbar und überwältigend. Wer sich darauf einlässt bekommt eine Ahnung von dem was Äonen bedeuten. Die Menge ist einfach nicht erfassbar.

Es ist so wie die Zahl dreibilliardenvierhundertsechundreissigbillionenvierhundertfünfundfünfzigmilliardenzweihundersiebenundachtzigmillionenfünfhundertzehntausenddreihundertundzweiundzwanzig. Was sagt uns diese Zahl? Die sagt genau nichts. Eins, Zwei, Viele.. Nach dem Muster wirkt unser Bewusstsein weiterhin.

Genauso ist es mit Gott. Die Türe ist offen, doch der gigantische Abgrund und Aufgrund, die Weite dessen was Gott alles ist, erscheint so unfassbar gross, das es eigentlich an das „nichts“ grenzt. Das Menschliche Bewusstsein ist so klein, es ist schon erschreckend.

Und darum geht es. Die Freiheit ist sehr gross. Man kann denken. Unbeschränkt vom „Materiellen“. Man kann denken. Und wie man denken kann. Die Gedanken fliessen schnell, sie bekommen eine Beschleunigung. Davor fürchten sich viele Menschen. Was heutzutage als „Freiheit“ bezeichnet wird zum Beispiel die Freiheit jeden Menschen in allen erdenklichen Körperöffnungen penetrieren zu können, ist keine. Es erscheint eher als die „erkämpfte Freiheit“ von Kleinkindern den Sand im Sandkasten auf alle möglichen Arten zu schütten. Sonst nichts.

Einige kleine Beispiele tröpfeln in meinen Verstand, die ich grad noch erfassen kann. Gott ist Bewusstsein, Gott ist Liebe, warum ist Gott dann nicht auch Humor? Augenzwinkender Sarkasmus? Versöhnende Ironie? Ich hab schon so manches Mal auf dem Boden gelegen vor Lachen weil eine elegante Bemerkung voller Lebensfreude, Humor und Menschenwissen meine oder andere Situationen perfekt beschrieben hat. Und die Not wegleitete in ein ordendliches gesundes und lautes Lachen. Bis die Kiefer schmerzen. Oder man keine Luft mehr hat. Ach was habe ich gelacht.

Der heilige Ernst hat seinen Platz, der heilige Witz aber auch. In der Kirche werden Geheimnisse gefeiert, das gehört zum Ritual der Erkenntis. Die Freude ist ja vorhanden, sie ist nur anders.

Worauf ich hinaus will, es gibt nichts mächtigeres gegen Menschen die sich zu wichtig nehmen, als der Spott oder der Humor. Wer Little Britain kennt: Zitat des nicht-sehr-überzeugenden-Transvestiten „Ich bin eine Lady! Ich habe lauter Ladysachen und tue Ladydinger! Denn ich bin eine Lady!“ Besser kann man den Genderschmarrn nicht verarschen. Und das ist gut so. Denn genau darum geht es bei dem Blödsinn. Leute die einen Knacks haben, kommen sich durch Blödsinn wichtig vor. Und tun dann: „lauter Ladysachen, weil Ladys das so tun.“ Mimikry weil sonst nichts im Herzen ist..

Wir Menschen haben Angst vor der grossen Weite, als würde man ständig stürzen und zwar so lange bis wir verhungert sind, wie in einem Unendlichen Loch. Alles um uns herum ist so gross so weit, so unfassbar entfernt, selbst wenn wir gehen könnten, würden wir Jahrtausende brauchen um dort anzukommen, wo auch immer das „Dort“ ist. Es gibt im Grunde nur eine einzige Art damit umzugehen dass wir kleine Bewussteinsfähige Wesen im unendlichen Raum der Ewigkeit sind, der Glaube an das Gute.

Nur wenn wir die Freude und Liebe für das Wahre, Gute und Schöne in uns fühlen also mit dem Herzen daran teilhaben sind wir nicht alleine. Wir sehen die Milliarden und abermilliarden Sterne, wir fühlen die Äonen, wir fühlen die Weite, die Zeit, die Hitze der Sterne, den Sog der schwarzen Löcher und … verlieben uns in all das.

Wir können Sterben, leiden, vergessen, vermissen, vergehen. Aber wir haben es geliebt. Demütig, ohne Gier, ohne Machtanspruch, ohne den Willen es an sich reissen zu müssen, einfach nur lieben. Still, schweigend, das gefühl der Erhabenheit aller Dinge fühlend, gekrönt von der Liebe zu der Höhe, Tiefe, Breite und Weite. Das macht uns Menschen zur Krone der Schöpfung.

Und damit sind wir ganz nah bei Gott, das ist nämlich Gottesnähe wie man in den alten Schriften der Mönche vor 1000 Jahren lesen kann.

Templer

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23 Kommentare zu “Die Begrenztheit der Gottsvorstellung

  1. Das ist ein wunderschöner Text.

    Zum heiligen Ernst: Ja, eben dieser war einer der Gründe für meinen Abfall vom Glauben. Es geht nicht darum, keinen Humor zu haben. Ein Priester muss keinen Humor haben. Es geht darum, sich bierernst zu nehmen, aber keinerlei Autorität zu besitzen. Immer klarer wird mir, dass ich mich nicht vom Christentum, sondern von einer Karikatur des Christentums abgewandt habe. Aber wo gibt es dieses „wahre“ Christentum noch und könnte ich mich überwinden, mich ihm wieder zuzuwenden?

    Was Du über die Größe des Alls schreibst endet bei Schopenhauer und Nietzsche in der Tristesse der Einsamkeit. Keine Größe, keine Äonen werden gesehen, nur die eigene Kleinheit. Fast bekommt man den Eindruck, hier wird sich an dieser Bedeutungslosigkeit aufgegeilt (vgl. auch Byron). Ist diese Art von „Religionskritik“ in Wirklichkeit nichts anderes als eine depressive Verstimmung?

    Diese Fragen zu stellen fällt mir sehr schwer. Wenn ich mir nicht geschworen hätte alles infrage zu stellen und nichts für selbstverständlich zu erachten, dann wäre ich längst zu meinem bequemen lamoryanten Atheismus zurückgekehrt.

    libertas et veritas

    Kairos

  2. Das ging mir genauso. Dieses langweilige Gestammel in der Kirche, diese Langweilige Langweile der Langweile. *gähn*

    Diese pseudointelektuellen Gespräche.. Man merkt das die Priester nicht mal ein Bier vertragen, wie soll so etwas weltfremdes MIR was erzählen?

    Ich werde nicht warten bis das Christentum irgendwann wieder lebendig wird, ich zieh das selbst durch. Für mich. Für Gott und für meine Familie.

    Wie gesagt, wahrscheinlich schon vor 150 Jahren ist da was kaputt gegangen. Wie war es wohl vor dem 1 Vatikanischen Konzil?

    Templarii

  3. Mich hat an der Kirche immer die Verschränkung von „fides et ratio“ fasziniert. Ich verstand Messfeiern etc. pp. immer als Beiwerk, für mich nicht entscheidend. Für mich galt es, dieses „Mehr“ immer rational begreifen zu wollen. Jedenfalls bin ich der Meinung, dass es einen richtigen Atheisten gar nicht gibt, geben kann. Vielmehr finde ich in meiner Auseinandersetzung mit dem Atheismus immer wieder Glaubensmuster, sei es bei einem Naturalisten in Bezug auf die Evolution, bei der Klimareligion, in der Mutter Erde ansich – eine quasi neue Gaiareligion, etc. pp.

  4. Ich unterscheide mittlerweile zwischen Menschen, die vom Glauben abgefallen sind, Atheisten, wie ich einer bin und Menschen, die areligiös groß geworden sind. Diese völlig gottlosen Menschen sind oft egozentrisch, ungebildet und kalt. Ich gestehe mir mittlerweile ein, dass das daran liegen muss, dass sie nie die Religion kennengelernt haben.

    Wenn ich auch meinen Glauben verlor, ich war doch immer irgendwie auf der spirituellen Suche. Diese Menschen haben sich oft in einer Welt ohne Himmel eingerichtet. Dort zählt tatsächlich, wenn überhaupt, ein wenig mytischer „Fairness“ Begriff (vgl. Dawkins, Schmidt Salomon oder auch Precht). Aber jemand, der seine Handlungen nach dem Gefangenendilemma plant ist einfach kein verlässlicher Partner. Und wenn sich die Leute nicht aufeinander verlassen können, dann geht die Gesellschaft vor die Hunde (so wie sie es jetzt tut). Die Menschen brauchen etwas Höheres, weshalb die Esoterik und der Synkretismus in Zeiten eines schwächelnden Christentums auch Hochkonjunktur haben.

    Aber eine areligiöse (oder synkretische) Gesellschaft kann auf Dauer nicht überleben. Manfred hat mich vor Monaten schon darauf hingewiesen

  5. Manfred:

    „Ungeachtet dessen halte ich eine areligiöse Gesellschaft in der Tat für nicht überlebensfähig. Ein sich entchristlichender Westen kann noch eine Weile funktionieren, solange die christliche Ethik trotzdem befolgt wird (auch wenn keiner mehr weiß, warum). Mit dem schwindenden Bewusstsein des religiösen Ursprungs dieser Ethik wird sie von zwei Seiten her angefressen und schließlich zerstört: Auf der einen Seite die Verballhornung und Verflachung, die aus der christlichen Ethik eine Ideologie für dümmliche Gutmenschen und Vulgärpazifisten macht, auf der anderen Seite verschwindet mit Gott auch die Instanz, die die Ethik verbindlich gemacht hat. Man kann leicht zeigen, dass unsere Gesellschaft nur funktioniert, solange sich die Mehrheit der Menschen nach der Goldenen Regel verhält; hingegen ist es unmöglich, den Einzelnen rational davon zu überzeugen, dass es für ihn als Individuum ein gutes Geschäft ist, dies zu tun. (Und ein gutes Geschäft müsste es ja sein, wenn Gottes Wille als Argument nicht mehr akzeptiert wird.)Was folgt ist, dass Ethik nur so weit und nur so lange eine Rolle spielt, wie sie dem eigenen Hedonismus und Egoismus nicht im Wege steht. Wo dies doch der Fall ist, wird sie ignoriert oder zurechtgebogen (“Die Pille ist ein Geschenk Gottes”).“

    http://korrektheiten.com/das-dschihadsystem-wie-der-islam-funktioniert/comment-page-1/#comments

    und: „Kairos, Du gehst mir langsam auf den Keks. Du beschwerst Dich, dass Christen nicht kompromissfähig seien und gehst selber mit keinem Wort auf die Argumente ein, die ich in dem von Dir selbst hochgelobten Buch vorgebracht habe, und die ich jetzt noch einmal im Telegrammstil wiederhole, aber nicht, um eine neue Debatte anzustoßen, sondern um sie zu beenden:

    Die einzige Begründung für ethisch-solidarisches Verhalten, die ohne den Glauben auskommt, beruht auf der Erwartung, dass ein entsprechendes Verhalten aller Anderen als Normalfall unterstellt werden kann. Ist dies irgendwann nicht mehr der Fall, zum Beispiel aufgrund einer größeren Gesellschaftskrise, dann gibt es keinen Grund mehr Gutes zu tun; nicht von einem atheistischen Standpunkt – ein solches Verhalten wäre dann ganz einfach irrational. (Die pervertierte “christliche” Ethik, die Du zu Recht als Dekadenzerscheinung wertest – Vulgärpazifismus, “Weltethos”, Toleranz für alles und jedes – hätte übrigens niemals eine Chance gehabt, wenn das Christentum wirklich noch verstanden und ernstgenommen und nicht auf ein paar infantile Schlagworte reduziert worden wäre). Ebenso wie es jetzt schon irrational ist, Kinder in die Welt zu setzen, wenn man nicht zufällig Lust dazu hat. Der Atheismus wird schon deshalb verschwinden, weil keine Gesellschaft, die ihn verinnerlicht, dies länger als drei Generationen überleben wird.

    Es kommt nicht im Mindesten darauf an ob Du an Christus glaubst, sondern dass unsere Kultur verschwinden wird, wenn niemand mehr an ihn glaubt.

    Wenn Du das nicht wahrhaben und offenbar nicht einmal geistig nachvollziehen willst – bitte. Ich wäre Dir aber dankbar, wenn Du Deinen antichristlichen Kreuzzug auf Deinem eigenen Blog führen und nicht meinen dazu zweckentfremden würdest. Danke.“

    http://korrektheiten.com/2010/07/16/der-islamische-dreizack/

    Es macht zwar keinen Spass so geschulmeistert zu werden, aber ich muss zugeben, dass er Recht hatte.

    Die spirituelle Bindung ist uns flöten gegangen. Das macht nicht nur angreifbar für feindliche Übernahmen (Islam), sondern sorgt auch ohne äußere Feinde für eine Zerstückelung der Gesellschaft und schließlich zum Zusammenbruch der kulturellen Selbstverständlichkeiten.

  6. Ich hatte hier die Kommentare von Manfred eingestellt, jetzt sind sie weg. Man lese meine Kritik an Manfreds Buch „Dschihadsystem“ und seine Replik und die Debatte unter: http://korrektheiten.com/2010/07/16/der-islamische-dreizack/

    Es hat mir zwar keinen Spass gemacht so geschulmeistert zu werden, aber ich kann zugeben, wenn ich mich geirrt habe.

    Das Hauptproblem unserer Gesellschaft ist das fehlende spirituelle Band.

    Das werden Atheisten und Liberale aber nur schwerlich erkennen. Bei mir war dieser Erkenntnisprozess sehr schmerzhaft, weil ich viele Dinge, die mir lieb und teuer waren, radikal infrage stellen und schließlich auf den Müllhaufen untragbarer Ideologien werfen musste. Wer, außer einem Philosophen, mag denn ständig wieder von vorn anfangen?

    • Nun zumindest sprichst DU offen aus das es noch etwas zu lernen gibt in dem Bereich. Ich selber lernte es ja auch.

      Das ist weitaus weniger Schmerzhaft als bei anderen die es bei einer zusammengebrochenen Gesellschaft lernen.

      Ohne Gott, ist gar nichts. Nihi..

      Templarii

  7. In der Tat glaube ich, dass wir ohne einen ethischen Grundkonsens in der Gesellschaft nicht existieren können. Ich glaube nicht, dass ein solcher Grundkonsens auf Basis rationaler Überlegungen von Dauer sein und halten kann. Jede Form des menschlichen Verhaltens strebt nach Verallgemeinerung „Wertschätzung“ durch die Gruppe/den Staat um darauf aufbauend, in der Gesellschaft agieren zu können. Wendet sich allerdings deviantes Verhalten, gegen Massenverhalten und wird dies, fern aller Natürlichkeit, auf Basis von PC und einem fehlgeleiteten Toleranzbegriff – wäre zu erklären – geduldet oder sogar gefördert, leidet die andersdenkende Masse darunter. So ein System kann auf Dauer nicht funktionieren.

    Das größte Problem, und darin stimme ich mit einigen Aussagen hier überein, scheint zu sein, dass die „Weltsicherheit“ des Einzelnen verloren geht, denn wenn Normen, die verinnerlicht sind, die einem den täglichen, selbverständlichen Umgang mit fremden Menschen ermöglichen, nicht mehr existieren, ist der außerfamiliäre, öffentliche Umgang ganz einfach nicht mehr möglich.

    So war es früher doch so, dass bestimmte Perversionen im Geheimen gelebt wurden, nach dem Motto: Wo kein Kläger, da kein Richter. Die Menschen, welche eine solche Art von Sexualität praktizieren, haben sich im wahrsten Sinne des Wortes „emanzipiert“ und diese Form von sexueller Aktivität nach Außen getragen, zu normalisieren gesucht.

    Das große Problem ist doch aber, KANN ich durch eine Stadt gehen, wenn ich einerseits weiß, dass ich an einem Tag an 30 Pädophilen, 15 Sadisten, 10 Zoophilen, 1 Nekrophilen vorbeigegangen bin, mit ihnen geredet habe. Ich glaube nicht, dass das möglich ist – vor allem, wenn man Familie hat.

    Ein ethischer Grundkonsens in einer konstituierenden Gruppe, bringt Identität und Sicherheit, auf der – und anderen Faktoren – aufbauend erst ein sich sorglos im Alltag bewegen, möglich ist. Wird diese Identität gestört, durch bewußte Provokation, durch Ekel hervorrufen, kommt es zu Irritierungen, Angst und Aggression und letztlich zu Bürgerkrieg.

  8. Die Frage, die wir uns stellen müssen ist diejenige:

    Fällt der Ekel, die Bestürztheit über zB. schwere körperliche und seelische Misshandlungen weg, wenn die Handlung konsensual erfolgt?
    War die Bestürzung über Abu Ghraib nur deswegen so groß, weil es sich hierbei um ungewollte Akte handelte? Wäre, wenn ich zwei handlungsidente Bilder vorlegen würde, die eine Handlung gut und die andere schlecht, auf Basis von Konsensualität?

    Ich sage nein. Bin ich deswegen intolerant? Ich sage nein. Hier wird deutlich, was passiert wenn die Grenzen verschwimmen. Der so hoch geschätzte Begriff der Menschenwürde verwässert wird unbrauchbar.

  9. MM: Ja, ganz genauso denke ich mittlerweile auch.

    Die „konsensuale“ Ethik der Gottlosen, das „Fairness“ Prinzip fand ich auch schon vorher abstoßend. Aber in letzter Konsequenz gehen die Überlegungen von Kant und co, soweit wirklich säkular, darauf hinaus. Alles, was Kant an „echtem“, also objektiv Gutem einführt hat er von Anselm und anderen Scholastikern entlehnt.

    Allgemein gesagt: Wenn wir von den objektiven Kriterien Gut und Böse reden beziehen wir uns auf das Religiöse. Deshalb will Schmitdt- Salomon diese Begriffe in seinem neuen Buch (jenseits von…) auch abschaffen. Er meint es ernst mit der Gottlosigkeit. Er fordert (im „Manifest“), dass wir zu „aufgeklärten Hedonisten“ werden. Für mich klingt das wie jemand, der Wein statt Bier trinkt. Tatsächlich läuft diese Ethik darauf hinaus, dass man sich nur an die Regeln hält, wenn man Angst hat erwischt zu werden.

    Und ich sage Sie sind intolerant! Ich meine das aber als Kompliment…

  10. Ich glaube es gibt wirklich zwei Probleme. Das erste Problem lässt sich dahingehend explizieren, dass Teile der linken „Elite“ wirklich zu meinen glauben – oder uns bewußt glauben machen wollen -, dass die breite Bevölkerung nach einem aufgeklärten Hedonismus, rational leben könnte. Jedoch das spielt sich nicht. Viele der devianten Verhaltensweisen beinhalten nachgerade Muster, die andere Menschen basal objektivieren oder ihnen körperlich oder geistig Schaden zufügen. Was würde bei einem aufgeklärten Hedonismus von einem Exhibitionisten, einem Pädosexuellen, einem Zoophilen, einem Sadomasochisten übrigbleiben?

    Hier sind wir schon beim zweiten Aspekt gelandet. Dem Aspekt der Verallgemeinerung, der Generalisierung. Bestimmte Verhaltensweisen neigen zu einem klaren „MEHR“; hier greife ich den Sadomasochismus heraus. Der wahre Sadomasochismus wird nicht danach trachten, dass aufgeklärte Menschen für sich entscheiden für sich zu bleiben und solche Praktiken zu „leben“, nein vielmehr wird nach dem „Mehr“, dem Ausleben der Fantasien trachten. Er trachtet danach, diese Praktiken auch Öffentlich, vor Unbeteiligten ausführen zu können – wie es meines Wissens bei verschiedenen pornografischen Filmproduktionen schon mitten in (SM-Freund) Wowereits Berlin schon stattgefunden hat. Der nächste Schritt ist die Ausdehnung auf Jugendliche und dann Kinder. Dann wird die Aufhebung des Tötungsverbotes bei konsensualen Adulten gefordert werden und letztlich die Aufhebung des Konsensualprinzips. Damit jedoch wird Schluss sein mit unserer Gesellschaft.

    Ich finde diese Hedonisten immer lustig, hat doch schon Sokrates und die alten Griechen, den Hedonismus grundlegend widerlegt. Wir müssen die Postmoderne, die es nicht gibt, zu überwinden suchen und Wissenschaftszweige wie die Psychologie von diesem Schwindel befreien.

    Ich habe immer noch daran zu knabbern, dass Menschen, die sich wünschen und davon träumen, ich sage es jetzt einmal gerade heraus, ihre Frauen vergewaltigen zu lassen, an ihren Brüsten aufzuhängen, diese mit Näglen an ein Brett zu nageln und noch Schlimmeres, genauso normal im Verhalten sein sollten, wie ein Mensch der an ein Wurstbrot denkt. Wohingegen Männer, welche, ich sage es hier wiederum deutlich, einen schnellen Orgasmus erleben, der zwar zu einer Befruchtung gereicht hätte, aber für die Wissenschafter doch zu schnell war, als sexuell gestört eingestuft werden. Unglaublich.

  11. Unter Konsensualprinzip verstehe ich die Loslösung eines Ereignisses von der Handlung und den Handlungsfolgen hin zur gegebenen Zustimmung der handelnden Personen.

    DH. vor allem in der liberalen Tradition Nozick (Anarchy, State, Utopia) vertretene Anschauung, dass selbst Versklavung möglich wäre, soweit die Vertragspartner dies konsensual (in Übereinstimmung, einstimmig) vereinbaren.

    In letzter Konsequenz heißt es, wenn der Sadist einen Dummen findet, der mitmacht – egal ob dieser dies aus psychologischen Gründen heraus macht – kann er ihn sogar töten, zerstückeln etc. Darauf läuft es letztlich hinaus.

    Ich verweise auf Rohls: Geschichte der Ethik, 2. Auflage, 47; (ob er diesen OBJEKTIV widerlegt hat, ist eine andere Frage):

    „Aber kann man denn nicht durchaus wissen, was gut ist, und gleichwohl nicht das Gute tun, weil man von Lust, hedone, überwältigt wird? Sokrates beantwortet die Frage in Auseinandersetzung mit dem Hedonismus, für den die Entscheidung für eine bestimmte Handlung sich ausschleißlich am Maßstab der Lustmaximierung bemißt. Ich kann danach durchaus wissen, was gut ist, mich aber für eine schlechte Handlung entscheiden, wel diese meine Lust maximiert. Doch diese Position ist insofern inkonsistent, als der Hedonist „gut“ als Synonym für „lustvoll“ betrachtet. Der Hedonist weiß dann einerseits, daß eine bestimmte Handlung lustvoll ist, unterläßt sie aber andererseits, weil er sie für nicht lustvoll hält. Wenn der Hedonist in bezug auf zwei Handlungen sich für die zweite entscheidet, so ist er der Meinung, daß die zweite lustvoller sei als die erste. Wenn aber die erste von ihm als gut erkannt wird, dann meint er zugleich, daß sie die eigentlich lustvollere sei. Das bedeutet, daß er sich in seiner Entscheidung von dem Schein leiten läßt, daß die zweite lustvoller sei als die erste, und insofern handelt er in Unkenntnis der wahren Sachverhalte. Damit widerlegt Sokrates jedoch allein die Position des Hedonisten, der das Gute und Lustvolle miteinander identifiziert.“

    Darum auch letztlich kein allgemein Gutes mehr, ein ethischer Relativismus. Das führt aber wie gesagt dazu, dass auch Pädosexualität nur noch eine Frage der Macht und Politik ist.

  12. Ha das kapiere ich sogar. Erkenne mich auch wieder, so weiss ich dass ich es geniesse an einem kalten Herbstag draussen im Nieselregen zu sein und den Wind zu geniessen aber so manches mal gehe ich der Forderung meines Körpers nicht nach und bleib zuhause.. Obwohl es mir nicht mal sonderlich gut tut.

    Ich denke es ist eine Form von sich verselbständigten Gewohnheiten.. Die eine Art Eigenleben entwickelt haben.

    Templarii

  13. Herr Mustermann, sind Sie vertraut mit den Schriften des Marquis de Sade? Dieser hat nämlich die von Ihnen beschriebene Entwicklung schon (theoretisch) durchexerziert.

    Wenn Sie sich an den Kannibalen erinnern, der mit Zustimmung seines Opfers dessen Penis aß… Der Anwalt desselben argumentierte übrigens mit „nulla poene sine legis“ – da es für so eine abstoßende Scheiße kein Gesetz in der BRD gebe forderte er Straffreiheit für den Mandanten!

    Und es geht nicht nur um die „Linken.“ Auch der liberale Mainstream ist nur auf „Emanzipation“ – also auf Loslösung aus.

    Ohne objektive ethische Kriterien (ob religiös oder säkular diskutieren wir ein anderes Mal) ist die Auflösung einer Gesellschaft nur eine Frage der Zeit.

  14. es gibt keinen Unterschied zwischen sakulären oder religiösen objektiven ethischen Kriterien. In beiden Fälen orientieren sich die Menschen an den Glauben das es gut ist so und nicht anders zu handeln.

    Templarii

  15. Das sehe ich anders. Wo hatte ich denn geschrieben, dass die objektiven Moralkriterien bei Kant auch auf das Religiöse zurückgehen (vgl. meine Arbeit über die Beeinflussung Kants durch Anselm von C.)?

    Ein säkulares moralisches Kriterium ist nie objektiv, sondern immer dem Wandel der Zeiten unterlegen. Popper z.B. sieht darin kein Problem, ich aber zunehmend schon.

    Wir beobachten ja nichts weniger als die Auflösung jeglicher ethischer Selbstverständlichkeit und damit einhergehend den Tod unserer Kultur. Ob mir das jetzt gefällt oder nicht, das liegt vor allem daran, dass wir keine höhere Macht mehr anerkennen, die uns leitet.

    Der „Vernunftglaube“ der Aufklärung ist was für Philosophen und Deutschlehrer, aber doch nichts für „normale“ Menschen.

    Wie soll denn die „ratio“, gedacht zwar nicht als kaltes Kalkulieren, aber eben doch als eine mehr oder weniger hedonistische/ konsensuale „Fairness“ ein objektives Kriterium bilden?

    Darum geht es doch in dieser Diskussion oder nicht? Wie soll ich denn den Menschen glaubhaft machen, dass sie sich „richtig“ zu verhalten haben, wenn „richtig“ sich ständig und immer schneller wandelt.

    Zudem ist „richtig“ verhalten ja nur die MINIMALFORDERUNG, die ich stellen kann und hat noch nichts mit GUTEN Taten zu tun, sondern nur mit Vermeidung des Bösen.

    Wie soll ich den Menschen denn klarmachen, dass sie GUTE TATEN vollbringen müssen, wenn ich nichts als eine endlose spirituelle Leere anzubieten habe?

  16. Da hast Du meine Aussage missverstanden.

    Ich meinte nicht dass die sakulären moralischen Kriterien dasselbe sind wie religiöse, sondern dass sakuläre _objektive_ moralische Kriterien dasselbe sind wie (christlich) religiöse.

    Oder anders gesagt, dass Christentum entwickelte sich vor 2000 Jahren aus dem Gedanken heraus, eine objektive moralkriterien zu entwickeln.

    Nichmal anders gesagt kann jeder atheist der an objektive moralische Kriterien glaubt, gleich Christ werden, denn genau darum geht es im Christentum. Objektiv ist gleichbedeutend einer gedachten Wahrheit als Ideal, doch ohne die Erkenntnis dass Menschen eingeschränkte Wesen sind die sich ihrer Handlungen nicht immer bewusst sind und die Berücksichtigung dieses Faktums, pervertiert die objektive Moral in Gulags.. Die Güte braucht man um Wahrheit zu erkennen, auch Güte gegenüber sich selbst.

    Und schon sind wir bei: Ich bin die Wahrheit, mein Herr ist die Güte.

    Templarii

  17. @Kairos
    Ja, auch mit denen von Sacher-Masoch. Zuweilen auch mit der Kritik von Seiten der Existenzphilosophen und der Frankfurter Schule.

    Wie ich schon sagte ist das Problem – und wir sehen es täglich! – nicht, dass sich hier zwei erwachsene Menschen konsensual dazu entscheiden. Das Problem ist vielmehr, dass einerseits dieser Trieb!! immer mehr will und andererseits diese Singularität die Normalität in sich hineinzieht.

    Herr Wowereit ist ja nicht abgeneigt, dies für Berlin zu fördern, wenn Sie einen Blick auf die Seite des Berliner Institutes für Faschismusforschung werfen (wenn man Kindern sagt, „die spielen ja nur“, wenn sie sich gegenseitig in die Bewußtlosigkeit foltern, dann ist es 1 vor 12).

    Ich habe es schon angeführt, aber es muss verdeutlicht werden.
    Hier wird Konsensualität gesetzt, die in einigen Fällen überschritten werden KANN, sodass das „Opfer“ zwar „Nein!!“ schreit, aber nicht „Nein“ meint – für den Aussenstehenden nicht ersichtlich. Schon hier negiert sich der Rechtsstaat. Noch lustiger wird es bei „Verträgen“ die eine Abtretung des Körpers mit sich bringen.

    Das Problem ist die Postmoderne, diese gilt es zu überwinden. Das Problem ist die politisch unterwanderte Psychologie, diese gilt es zu überwinden.

  18. Ich kann derartiges auf den Seiten der BIFFF nicht finden, bitte verlinken!

    Ich halte nicht erst eine Unterwanderung des Konsensualprinzips für falsch, sondern das gesamte emanzipatorische Modell, das sagt: Macht was ihr wollt, so lange ihr Spass habt und keiner der nicht will zu schaden kommt.“ Es darf nicht immer nur um Lust gehen. Das ist eine Dekadenzerscheinung (vgl. Spätrom), gesunde Gesellschaften regulieren Sexualität. Freiheit bedeutet nicht ihn reinzustecken, wo immer man will (Sorry, wenn ich so deutlich werde).

    Reden wir eigentlich aneinander vorbei? (an MM)

    • @ Kairos

      Ich glaube nicht, dass wir aneinander vorbeireden. Ich bin 100% Ihrer Meinung, dass dieses Modell falsch – „politisch korrekt“, jedoch nicht wissenschaftlich legitim ist. Letztlich nihiliert sich damit die Psychologie auf Dauer.

      Auf den Seiten des BIFF sind diverseste Verstrickungen deutlich aufgezeigt. Schon die Grußworte sagen doch alles:

      Scrollen Sie sich durch die Seiten und Sie werden verstehen. Obwohl, wenn dies nur die Spitze des Eisberges ist, dann gute Nacht.

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