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Mir ist ein logisches Problem aufgefallen, das immer gegen die Kirche verwendet wird. Es geht um die Trennung von Kirche und Staat.

Der Kirche wird Vorgeworfen das sie in der Vergangenheit dazu angestiftet hat die Welt zu erobern und damit aktiv gegen die Christlichen Werte verstossen hat. Unabhängig davon dass dahinter mitschwingt Christen sollten passive Pazifisten sein, was gar nicht der Fall ist, wird etwas wichtiges ausgeblendet.

Wenn zum Beispiel die Reconquista angeführt wird, oder die Conquistadores in Südamerika, und die späteren Kolonisationen durch christliche Länder wird das wichtigste Augenmerk auf die Religionszugehörigkeit der ausführenden Personen gelenkt. Wenn Christen Länder erobert haben, dann haben sie es getan weil sie christlich waren. Damit schwingt etwas mit, dass eigentlich unlogisch ist und einer der Gründe für den vorherrschenden kulturellen Selbsthass ist. Das ausblenden der vorhandenen Trennung zwischen Kirche und Staat.

Wenn die Kirche die völlige geistige und körperliche Kontrolle über alle Ritter, Adlige, Handwerker, Bauern und Bettlern hatte, es also keine Trennung zwischen Kirche und Staat gab, dann ist das Verhalten unserer Vorfahren zumindest kritikwürdig. Wenn es aber schon damals eine Trennung zwischen Kirche und Staat gab, wenn der Bischof oder Papst zwar Einfluss hatten, aber keine ihnen unterstellten und ihnen gehörenden Heere und Flotten, wenn die Kirche sich sogar darauf berief, das die Weltliche Macht nichts für die Kirche ist, dann ist die Logik der Vorwürfe nicht vorhanden.

Der Gegenstand der Forschung ist dementsprechend ob die Kirche die weltliche Macht überhaupt hatte die ihr vorgeworfen wird. Wenn nicht, dann ist unsere heutige Intepretation der Handlungsmotivation schlicht primitiv und falsch. Weil man uns einredete das die Kirche ein böses Machtsystem war, glauben wir das alles böse von der Kirche ausging und GLAUBEN das die Kirche natürlich die totale Theokratie versinnbildlichte.

Es stellen sich einige Fragen:

  1. Wenn die Kirche die weltliche Kontrolle hatte, warum musste sie zu einem Kreuzzug aufrufen? Gab es keine eigenen Heere und Flotten?
  2. Wenn die Kirche so viel Macht hatte, warum mussten dann Ritterorden gegründet werden, die sich selbst finanzierten um am Leben zu halten?
  3. Wenn die Kirche so viel Macht hatte, warum konnte der Französische König Philip der Schöne den Templerorden zerschlagen und enteignen?
  4. Warum ist im Aufruf zum Kreuzzug davon zu lesen, dass die Kirche von der schändlichen weltlichen Macht abstand halten sollte?
  5. Warum hat die Kirche den Protestantischen Aufstand nicht mit Gewalt niedergeschlagen? Der 30-Jährige Krieg ist etwas anderes, dort tobte Karl Gustav von Schweden im alten Deutschen Reich herum.

Entweder man glaubt der Hysterie, dass früher eine eine mörderische Theokratie herrschte und alle verrückt waren. Ich glaube vieles von der Sicht auf das Mittelalter basiert nur auf dem Film „Der Name der Rose“, sonst nicht vielem.

Dem widerspricht das was man über die Vergangenheit lernen kann. Wenn man um die Tatsachen des Galileo Prozesses weiss, waren unsere Vorfahren alles andere als unreife und wildgewordene Mörder. Sie bemühten sich um Argumente, schrieben Bücher und bauten unser Universitätssystem auf. Dann sind all die Vorwürfe obsolet, die Kirche KONNTE gar nicht diesen Einfluss auf die Menschen haben, den man der Kirche heute unterstellt, während man ihr gleichzeitig vorwirft das sie diesen hatte.

Templer

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8 Kommentare zu “Kirche und Staat I

  1. Ja, viele Dinge, die wir über die Kirche „gelernt“ haben müssen wir wohl korrigieren oder als Lügen bewerten.

    Zudem hast Du sehr gut erkannt, wie hier der Themenkomplex der „weißen Schuld“ auf das Christentum übertragen wird (so wie er im Feminismus auf die weißen Männer übertragen wird).

    Würde man aus der islamischen Expansion oder dem islamischen Terrorismus solche Dinge ableiten, dann wäre das diskriminierend und rassistisch. Auf die eigene Religion angewandt ist diese Diskriminierung aber okay.

    Das alles ist das Werk der (atheistischen) Kulturmarxisten, die sich die Abschaffung der westlichen Kultur (deren wichtigste Säule das Christemtum ist) auf die Fahne geschrieben haben.

  2. Ich denke, Feyerabends Kommentare zur wissenschaftstheoretischen Betrachtung über das Mittelalter und versch. „Kirchenprozesse“ geben einen guten Einblick über das, was wirklich geschah. Der Aussage in „Wider dem Methodenzwang“, dass das damalige Urteil gegen Galilei, aus damaliger Sicht gerecht und fair war, ist nur zuzustimmen.

    Interessant auch die Vereinnahmung der sog. Hexenverbrennungen durch den Feminismus. Tatsache ist, wenn mann schon von Verbrennungen zur damaligen Zeit spricht, man quantitativ in erster Linie von Ketzer-verbrennungen sprechen muss.

  3. MM: Ich wäre vorsichtig mit der Vereinnahmung Feyerabends. Jener predigt in dem von Ihnen genannten Werk einen absoluten kulturellen Relativismus. Diesen versucht er unter anderem dadurch zu belegen, dass er die Taten der Kirche als „ihrer Zeit gemäß“ deutet, was ja genausoviel heißt wie „in unseren Augen jedoch schändlich.“

    Lange Zeit war ich auch von der Illusion besessen, wir wären heute „bessere Menschen“ als die Leute im Mittelalter oder im 2. Weltkrieg. Ich sehe das nicht mehr so.

    Der kulturelle Relativismus von Feyerabend (und anderen) ist eben KEINE Akzeptanz der anderen Kultur. Das eigene Messband wird weiterhin verwendet. Trotzdem wird die „westliche Zivilisation“ verteufelt, so als gäbe es eine „gute“ (Linke, Moralisten, Aufklärer – alle, die ihre eigene Zivilisazion ablehnen) und „schlechte“ (Kirche, Rassisten, Nazis – alle, die ihre Zivilisation gut finden) Seite des Abendlandes.

    Feyerabend hat wie viele andere Denker der „Postmoderne“ seine Aussagen später relativiert.

    Es geht darum, dass wir wieder entdecken, was gut und richtig ist und uns nicht einreden lassen unsere Ahnen hätten 2000 Jahre lang nur Blödsinn gemacht!

  4. Sehr geehrter Herr Kairos,

    ich lese Feyerabend anders. Wenn er in Kapitel 14, „Wider den Methodenzwang“ einleitend schreibt: „Die Kirche zur Zeit Galileis hielt sich viel enger an die Vernunft als Galilei selber, und sie zog auch die ethischen und sozialen Folgen der Galileischen Lehren in Betracht. Ihr Urteil gegen Galilei war rational und gerecht, und seine Revision läßt sich nur politisch-opportunistisch rechtfertigen“, so erscheint mir ihr Einwurf, dass es eben „KEINE Akzeptanz der anderen Kultur“ sei, unbefriedigend.

    Von einer Relativierung Feyerabends weiß ich nichts, jedenfalls aus Werken wie „Erkenntnis für freie Menschen“ nicht ersichtlich.

    Ich persönlich bin jedenfalls der Meinung, dass es eine „Postmoderne“ nicht gegeben hat, und gehe hier mit Gabriel, wenn er Theoretiker der Postmoderne als „panfiktionalistische Wirklichkeitsverschwindler “ bezeichnet, die die Moderne erst gar nicht verstanden haben.

    Das Faktum, dass die Grundessenz postmodernen Denkens in sich widersprüchlich ist, braucht wohl nicht erwähnt zu werden. Der immer wieder bemühte Derrida konnte auch nicht mehr vollbringen, als gedanklich gegen das Fliegenglas zu laufen, im Unterschied jedoch zu Wittgenstein, dass jener imstande war, dieses Anrennen auch formulieren zu können.

    Die Metaphysik ist nicht überwunden, wie denn auch. Durch eine „différance“, einen idealistisch angehauchten Linguismus? All diese Konzepte scheitern letztlich an der puren Körperlichkeit, der Materie und nicht zu vernachlässigen, am Intersubjektiven.

  5. Paul Feyerabend war in erster Linie ein Wissenschaftsphilosoph, der 1994 gestorben ist. Er stand, mit Thomas Kuhn, lange Zeit in Opposition zur positivistischen Wissenschaftsauffassung, transportiert durch die Lehren von Karl R. Popper – Stichwort: Kritischer Rationalismus. Er argumentiert vor allem gegen klare Trennungslinien von Wissenschaft und Nicht-Wissenschaft, bekannt unter dem sog. Demarkationskriterium. Ihm wird immer ein radikaler Methodenpluralismus, ein „Anything goes“ unterstellt, was meiner Meinung nach nicht haltbar ist.

  6. MM:

    Ich empfehle Ihnen „Sokal – eleganter Unsinn.“ Sie kritisieren Postmoderne und Derrida zu Recht, unterschätzen aber deren Einfluss auf die Geisteswissenschaften.

    Bei Feyerabend und Kuhn ist eben das Problem, dass man sie „radikal“ und „moderat“ lesen kann. Beide haben sich später von der „radikalen“ Lesart distanziert und behauptet, sie hätten von Anfang an die „moderate“ Lesart vertreten wollen. Aber nur die „radikale“ Lesart hat ihnen ihre Popularität verschafft (vgl. auch Sokal).

    Zudem geht es Templer (und auch mir) ja nicht darum zu sagen „andere Zeiten, andere Sitten“, so wie man sagen kann, dass Cäsar aus heutiger Sicht ein Völkermörder war, aber aus damaliger Perspektive genau das gemacht hat, was jeder römische Adlige tat – nur eben besonders gründlich.

    Es geht darum, dass wir alle ein falsches Bild vom Christentum und von der Geschichte der Kirche haben, weil wir von der durch die 68er, Kulturmarxisten und Postmodernisten verseuchten Gesellschaft dementsprechend indoktriniert werden.

    Feyerabend wird uns nicht bei der Suche nach den Wurzeln unserer Kultur helfen können, weil sein Kulturrelativismus zur Aufwertung anderer und Abwertung der eigenen Kultur führt. Das liegt nicht daran, dass Feyerabend böse war, sondern daran, dass wir alle vergessen haben, dass der NORMALzustand ist, dass man die eigene Kultur hochschätzt und auf alle anderen herabblickt. Dass wir glauben, dieser Stolz auf die eigene Kultur wäre böse. Dass wir uns selbst kasteien und uns für die „Sünden“ unserer Väter und Großväter schämen zu müssen glauben. Und dass wir umringt sind von anachronistisch denkenden Barbaren, die solch ein Gehabe als Schwäche deuten.

  7. Genau die letzten Sätze von Kairos empfinde ich als richtig. Es ist fast so wie bei der Familie. Die eigenen Eltern sind die besten, die eigene Familie auch. Selbst wenn man es objektiv anders messen könnte.

    Danke für die Erklärung.

    Templarii

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